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Ausgrenzung in der Berufsschule

~Lain~

Mitglied
Es geht an sich nicht um mich, jedoch haben wir bei uns ein Mädchen in der Klasse (schulische kaufmännische Ausbildung), das sehr verhaltensauffällig ist. Das zeigt sich auf unterschiedliche Art und Weise
  • ihr generelles Verhalten ist nicht altersentsprechend (sie ist 20, erinnert aber eher an 13-14)
  • sie hat große schulische Defizite und scheint das, was im Unterricht gelehrt wird, teils nicht mitzubekommen/zu verarbeiten. Nicht jedoch, weil sie nicht da wäre, quasselt o.Ä.
    • was dazu geführt hat, dass viele keine Gruppen mehr mit ihr bilden möchten, da sie keine sinnvollen Beiträge zum Thema leisten kann
  • häufig stellt sie im Unterricht auch vollkommen zusammenhanglose Fragen oder scheint das Thema vollkommen falsch aufzugreifen (Lehrer reagieren irritiert bzw. inzwischen auch gar nicht mehr)
  • ihr fehlt offenbar die Empathie bzw. Grundverständnis für Selbstverständlichkeiten
    • z.B. hat sie einer Mitschülerin erzählt sie würde Bilder von ihr malen, auf ihren Boxsack kleben und diesen dann zum Stressabbau vermöbeln. Die Betroffene reagierte sehr verletzt/wütend darauf.
    • vor Kurzem erzählte sie, dass es gerechtfertigt wäre, ihrem Bruder demnächst den Arm zu brechen, wenn er weiter nerve (sie drückte es so aus, als fände sie das vollkommen legitim)
    • bei einem Termin mit einer Vermittlungsagentur betonte sie den Referentinnen gegenüber, dass sie auf keinen Fall in der 30min entfernten Großstadt arbeiten wolle, sondern auf ihre 50.000 Einwohner Kleinstadt bestehen würde
  • außerdem ist mir eine etwas grobmotorische Bewegungsform aufgefallen und ihre Stimme gleicht vor allem bei Vorträgen einem merkwürdigen Singsang (leise-laut-leise-laut, irgendwie langgezogen und sehr monoton mit Unterbrechungen die klingen, als würde ihr die Puste ausgehen)

Heute habe ich dann erneut ein Gespräch mitbekommen, in dem deutlich wurde, wie problematisch die Situation ist. Es ging um etwas ziemlich Belangloses (Schließen von Vorhängen im Raum), was sie nicht wollte, woraufhin die andere mit "Halt die Fresse" reagierte, woraufhin sie dies zurückgab und noch ein extremes Schimpfwort ergänzte. Natürlich war auch das Verhalten der anderen nicht in Ordnung, das stelle ich gar nicht infrage, aber ich habe den Eindruck, dass sie sich nur mit Gewaltandrohungen oder Schimpfwörtern zu helfen weiß.
Die andere wiederum weiß genau, dass sie ihr in rhetorischer Hinsicht überlegen ist, reagierte jedoch maßlos falsch in der Situation und deutete an, dass sie das Mädchen für geistig behindert halte.
... Was der Punkt war, wo ich mich eingemischt habe und ihnen deutlich gemacht habe, dass weder Schimpfwörter, noch "Hdf" o.Ä. angemessen sind.

Wirklich zufrieden war ich nicht mit mir. Ich denke bereits seit Monaten über die Situation nach. Es gibt auch immer wieder unfreiwillig lustige Situationen durch ihre fehlende Auffassungsgabe (was sehr belastend für sie sein muss) und die Lehrer sind offenbar selbst hilflos, da sie keinerlei Informationen über sie haben offenbar in der Hinsicht. Über ihre Eltern ist mir wenig bekannt. Offenbar haben sie Sorgen wegen Arbeitslosigkeit und eine ähnliche berufliche Qualifikation wie das, was wir aktuell lernen. Klar ist sie volljährig, aber ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass das in x Jahren Schule nie thematisiert wurde 😕 Sie hat allerdings nach ihrem Hauptschulabschluss noch die Mittlere Reife nachgeholt (was ich durchaus als Leistung bewerten würde), aber im sprachlichen Bereich ist sie auch annehmbar.
Wobei ihre schriftlichen Leistungen oft eher zwischen 4 und 6 angesiedelt sind. Durch ihre häufige, wenn auch oft eher unproduktive Mitarbeit ist das Ergebnis jedoch annehmbar.

Leider sehe ich nur nicht, wie sie schriftl. Abschlussprüfungen bestehen soll auf dem Stand, sie hat aktuell auch massive Schwierigkeiten, ein Praktikum zu finden und die Situation in der Klasse heizt sich aufgrund des Unverständnis auch immer weiter auf. Der letzte Vorfall wurde mit der Lehrerin besprochen, jedoch waren allgemeine Gesprächsansätze zu dem Thema bisher eher weit vorbei/unfruchtbar.

Ich bin ziemlich unglücklich mit der Situation, weiß aber auch nicht wie ich sie verbessern soll oder was ich tun kann, um das ganze zu entschärfen. Für schulische Defizite könnte man eventuell einen Ausbildungshelfer o.Ä. finden, aber ob das der Situation in der Klasse hilft, weiß ich nicht.
Als Kind habe ich x Jahre in Inklusionsklassen verbracht und der Umgang mit den Inklusionsschülern war häufig auch eher ernüchternd. Allerdings auch eine vollkommen andere Situation, da dort im Grunde kein Unterricht auf Augenhöhe stattfand und ich auch schlichtweg nicht weiß, wie ich diese Situation richtig einschätzen kann...
 
Ich finde es großartig von dir, dass du dir Gedanken um deine Mitschülerin machst. ^^

Wie ist das Klima so allgemein in der Klasse? Nehmen wir an, jemand hat Schwierigkeiten in einem Fach / einem Themenbereich. Kann sich der Schüler dann an andere wenden? Wird gemeinsam gelernt? Vielleicht würde es deiner Mitschülerin schon helfen, wenn sie jemanden zum Lernen hätte, also in 1🤐 und nicht in der Klasse. Es kann recht frustrierend sein schon vom Stoff her nicht mithalten zu können.
 
Ich finde es großartig von dir, dass du dir Gedanken um deine Mitschülerin machst. ^^

Wie ist das Klima so allgemein in der Klasse? Nehmen wir an, jemand hat Schwierigkeiten in einem Fach / einem Themenbereich. Kann sich der Schüler dann an andere wenden? Wird gemeinsam gelernt? Vielleicht würde es deiner Mitschülerin schon helfen, wenn sie jemanden zum Lernen hätte, also in 1🤐 und nicht in der Klasse. Es kann recht frustrierend sein schon vom Stoff her nicht mithalten zu können.
Zunächst war es recht gut und es gibt an sich auch keinerlei Diskriminierung/Gewalt. Nur haben sich zuletzt immer irgendwelche Konflikte aufgeheizt, die ich persönlich nur am Rande mitbekommen habe. Eines der Mädchen erzählte mir jedoch, dass sie in Fächern sich immer bereiterklären muss mit der Betreffenden zusammenzuarbeiten, weil der Rest es partout ablehnt. Wozu man sagen muss, dass das Mädchen selbst immer wieder Probleme hat in einigen Fächern (jedoch aus komplett anderen Gründen).
Vor Klausuren wird häufig gemeinsam gelernt und ich stelle auch immer wieder Tage vorher Musterlösungen in die WA-Gruppe, beantworte Einzelfragen usw. Leider kommen viele erst am letzten oder vorletzten Tag an. So habe ich der Betreffenden auch vor einigen Tagen bei Rechnungswesen geholfen, jedoch festgestellt, dass bereits Anfangsaufgaben von vor einem Jahr problematisch sind. Da in dem Fach Basisinhalte für den Rest essentiell sind, erschien es mir unmöglich auf den letzten Drücker noch groß etwas zu retten. Weshalb ich ihr dann geraten habe, dass sie sich Nachhilfe sucht oder sich irgendwen sucht, mit dem sie wöchentlich die Unterrichtsinhalte noch einmal durchgehen kann.
Wir sind ein recht bunter Haufen mit sehr heterogenen Leuten, die teils etwas am Lebensunterhalt verzweifeln, während andere ausschließlich von den Eltern finanziert werden. Die meisten sind so zwischen 18 und 20 - ich bin vergleichsweise älter, aber ich weiß auch noch, wie ich die Welt in dem Alter gesehen habe. Ein Teil möchte mit den Problemen auch einfach nichts zu tun haben, aber da ich zu Schulzeiten ähnlich von anderen behandelt wurde (wenn auch mit etwas anderem Hintergrund), so ist es mir ein Anliegen, hier dagegen vorzugehen.

Ich denke ich werde ihr mal die Ausbildungshelfer-Geschichte nahelegen, aber dass das die Situation in der Klasse verbessert, zweifle ich ein wenig an. Die Lehrerin hat immer mal wieder Gespräche über Konfliktlösung geführt, aber ich empfand das ganze zu abstrakt, als dass sich die Leute davon angesprochen gefühlt (oder darauf reagiert) hätten.
Meine andere Überlegung wäre gewesen mich an die Koordinatorin zu wenden oder die Klassenlehrerin. Aber das wäre auch so nach dem Motto "Ich weiß nicht, ob es ihnen aufgefallen ist...", da man mir kaum etwas darüber erzählen wird.
 

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