Hey,
ich wollte auch mal meinen Senf dazugeben. Eigtl lese ich mich meistens nur zufälliges durch dieses und jenes Forum aber an deinem Beitrag bin ich hängen geblieben weil ich mich da total drin wiedergefunden habe und ich dachte dazu muss ich auch mal meine "Erfahrung" schreiben..
Mir ging es vor etwa 2 Jahren ähnlich. Angefangen hatte es sogar noch ein bißchen früher, Hals über Kopf einen Platz fürs Auslandssemester bekommen direkt nach der Zwischenprüfung im 3. Semester, danach die Uni gewechselt, alles in meinem Studienplan ist natürlich durcheinander gekommen und ich habe leider versucht alles auf einmal zu stemmen. Irgendwann wurden es dann nichts halbes und nichts ganzes und ich habe es einfach nicht geschafft, es war zuviel. Eine Klausur nach der anderen ging schief und ich kam immer mehr in so ein Loch. Dazu muss ich sagen, ich studiere Jura und aus diesem Studiengang sollte man es eigtl gewohnt sein dass man ständig einen auf den Deckel bekommt obwohl man sich noch so sehr reinhängen und den Hintern aufreißen kann.. dennoch KANN man sich nicht daran gewöhnen, es macht einen fertig weil man anfängt an sich selbst zu zweifeln 🙁 Und als dann noch ein misslungenes Vorstellungsgespräch dazu kam glaube ich brachte es das Fass zum überlaufen. Ich fühlte mich wie ein totaler Versager, dachte ich würde dieses Studium niemals schaffen, setzte mich selbst unter Druck weil ich meinen Freund und meine Eltern nicht enttäuschen wollte.. im Endeffekt habe ich fast 2 Jahre lang im Studium kaum eine Klausur bestanden, die Motivation zum Lernen war nicht mehr da und wenn ich schon meinen Schreibtisch sah und die Bücher hätte ich heulen können.. was ich auch oft genug getan habe. Meine Familie wohnt auch gute 550km entfernt, mein Freund studiert ebenfalls gute 400km von hier und meine Freunde sind über ganz Deutschland verteilt. Hier am Studienort kenne ich niemanden und ich habe mich durch das alles wirklich total ALLEIN gefühlt.. grausame Zeit..
Irgendwann hab ich für mich beschlossen so geht das nicht mehr, wenn sich das weiterzieht werde ich irgendwann mein Studium nicht schaffen (wegen der Höchststudienzeit). Ich habe einen 3 wöchigen Urlaub mit meinem Freund gemacht in den Ferien, in einer Gegend wo es wirklich super ruhig war und untouristisch. Wir waren viel wandern und einfach an Orten, wo man das Gefühl hatte man ist allein auf der Welt. Denn das war die beste Erholung für meinen Kopf, nur dort konnte ich wirklich von meinem Studium und den ganzen Misserfolgen ABSCHALTEN und wieder Kraft sammeln.
"Geholfen", wenn man das so sagen kann, hat mir auch dass meine Mama zu dem Zeitpunkt tatsächlich an einem Burn-Out erkrankt ist und monatelang nicht arbeitsfähig war und Medikamente nehmen musste.. Sie war (und ist) auch in Therapie und das hat nicht nur ihr sondern auch mir irgendwie geholfen wieder aufzustehen. Ich habe mir einfach selbst aus diesem "Loch" geholfen und mir in den Hintern getreten weil ich in diesem Zeitpunkt auch für meinen Mama da sein wollte und sie unterstützen. Ich habe einfach viel mit ihr gesprochen und auch Anstöße für die Änderung der eigenen Denkweise die von ihrem Therapeuten kamen für mich angenommen..
Das war so der Moment wo ich mir dachte: Immer wird erwartet die Studenten sollten möglichst gute Noten haben, schnell fertig werden, Zusatzqualifikationen haben, am besten noch 25 Jahre Berufserfahrung.. das kann kaum einer leisten.. auch in der heutigen Zeit schaffen es nicht immer alle sofort in der Regelstudienzeit fertig zu werden und das liegt nicht nur an ihnen sondern manchmal auch daran dass die Studiengänge noch nicht perfekt abgestimmt sind. Im Bachelorstudiengang reicht es ja oftmals auch einfach eine klausur mal zu verhauen, schon hat man 1 Jahr länger an der Backe. Das ist natürlich nicht fair. Aber macht es mich schlechter?
Ich habe mich mal in meinem Umfeld umgeschaut und kenne eigentlich viele die ihr Studium gut abgeschlossen haben, allerdings ist darunter nur EINE person die NIEMALS in ihrem leben bisher durch eine prüfung gefallen ist.
Es kann also wirklich jedem passieren. Man darf sich deswegen nicht einreden dass man versagt hat, einfach abhaken. KLar, das sagt sich so einfach, aber irgendwann ist es wirklich nicht mehr so wichtig.
Außerdem habe ich gelernt wirklich auch auf meinen Körper zu hören und mir nicht mehr gegen meinen Willen und Aufnahmefähigkeit irgendwelches Wissen in den Kopf zu prügeln. Bringt leider oft nur dass sich der Kopf dagegen sträubt. Auch wenn ich dadurch vll weniger lerne.. aber im Endeffekt hat es mir nie was gebracht mir alles in den Kopf zu prügeln weil ich dann im entscheidenden Moment NICHTS mehr wusste. Mit weniger lernen wusste ich wenigstens etwas.. 😀
Und was für mich am wichtigsten war: Ich hab mir auch oft Gedanken gemacht, was ich bloß für Jobaussichten habe, wenn ich schlechte Noten habe und nicht in der Regelstudienzeit fertig geworden bin.. aber im Endeffekt habe ich beschlossen einen Schritt nach dem anderen zu gehen, weil es sich so einfacher meistern lässt. Ja, verdrängen bringt auch nix, aber in dem Moment ist es einfach zuviel sich mit zuvielen Sorgen auf einmal zu belasten, die sich später vll als unbegründet herausstellen.. denn der Grat zwischen Tagen an denen es einem gut geht und man denkt man sei aus so einem Tiefpunkt wieder raus und eben diesem tiefen Loch sehr schmal ist und es kann schnell kippen.. Am Ende habe ich mich damit angefreundet dass ich lieber einen schlechteren Abschluß habe aber es in einem für mich passenden Tempo angegangen bin als mich vll zu überfordern und am Ende gar keinen Abschluß zu haben..
Das alles klingt zwar ganz banal aber oft sieht man gerade diese einfachen Sachen nicht wenn man in so einem "Loch" steckt 🙁
Also blablabla, was ich sagen wollte: Wenn du kannst, nimm dir (ein Semester?) mehr Zeit, schaff erstmal etwas Abstand wenn dir die Motivation schwer fällt oder die Liebe zum Fach erloschen ist, zB indem du einfach mal eine Woche woandders verbringst, zB einen guten Freund besuchst, und dich NICHT mit Studium und deinen Sorgen befasst. Oft sieht mit klarem Kopf alles wieder besser aus, und es motiviert doch auch ungemein wenn man sich sagen kann "ja, nur noch die Bachelorarbeit, dann hab ich es geschafft. Jetzt bin ich schon so weit" und dann kannst du ruhig einfach mal ein bißchen stolz auf dich sein und dich deswegen gut fühlen 😉 kriegt ja keiner mit aber deinem Ego tut es wirklich gut!!
Und es hilft beim Durchhalten wenn man sich vor Augen führt, dass nach der langen Studienzeit jetzt nur noch diese Hürde zu meistern ist und man es dann geschafft hat 🙂
Ich für mich hab auf jeden Fall beschlossen, das Studium darf nicht mein Leben bestimmt, ich bin eigtl glücklich, ich genieße mein Leben so wie es jetzt gerade ist mit all den Freiheiten die man als Student noch hat (und damit mein ich nicht Party machen und so) und ich wäre auch später nicht glücklich damit einen Job zu haben der mein Leben so ausfüllt dass von dem Leben nichts mehr übrig bleibt. So halte ich es jetzt auch mit meinem Studium. Das hat mir unheimlich geholfen da wieder rauszukommen und wieder ohne schlechtes Gewissen auch mal Pausen einzulegen die meinen Körper gut tun.
Ein Burn-Out trifft vor allem oft die Leute die richtig gut sind, die Perfektionisten, weil sie immer versuchen alles gut und richtig zu machen und dabei irgendwann vermutlich kein gesundes Maß mehr finden für ihre Grenzen. Und sich Grenzen zu setzen finde ich ist durchaus keine Schande. Wir sind keine Maschinen und wenn ein Arbeitgeber das nicht anerkennt möchte ich ehrlich gesagt für ihn auch nicht arbeiten 😉
OK, jetzt habe ich wohl WIRKLICH zuviel geschrieben, tut mir leid.. es sprudelte nur einfach so aus mir heraus.
Ich hoffe dass ich dennoch ein bißchen was beitragen konnte und ich wünsch dir auf jeden Fall viel Erfolg für die Arbeit und dass du alles hinkriegst!!! 🙂
Liebe Grüße,
die Froschkönigin 🙂
PS: Hab über meinem Schreibtisch ein Post-It kleben dass ich zwangsweise ständig sehe. Auf dem stehen 3 Sätze die man streichen sollte aus seinem Leben:
1) Ach, ich hab einfach Glück gehabt...
Quatsch, man war einfach gut 😉
2) Dann mag mich doch niemand...
Pech, ist vll nicht immer leicht, aber ich mag auch nicht alle..
3) Das trau ich mich nicht..
Manchmal muss man mutig sein, wer weiß was einen im Leben dann noch erwartet 😉 und wer weiß wie kurz oder lang das Leben ist und wann und ob sich Gelegenheiten mal wieder ergeben..