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Aufklärung

bei meinem Vater weiß ich jedenfalls, dass Sexualität in seinem Leben eine sehr hohe Stellung hatte. Ich hab durch eine Krisensituation mitbekommen, dass er meine Mutter betrogen hatte in der Ehe, und nicht nur eine Beziehung neben der Ehe hatte, sondern auch heimlich nach Hamburg gefahren ist, um Prostituierte zu besuchen. Meine Mutter hat erzählt, dass sie in der Jacke meines Vaters Zettel mit den Namen der Prostituierten gefunden hat, als Trophäen. Und er hat selbst im Alter Pornobilder, Objekte, die mit Sex zu tun hatten, z. B. Kartenspiele mit nackten Frauen, Spielsachen, bei denen man auf einen Hebel drückt, und dann bewegen sich eine nackte Frau und ein nackter Mann mit den Unterkörpern aufeinander zu, man sieht einen Penis, der unten eindringt dabei, Witze und Cartoons mit sexuellen Inhalten und Themen, Filme und alles mögliche gesammelt. Und das vor meiner Mutter versteckt. Und er hat seine Fantasien aufgeschrieben. Als ich ungefähr 23 war, war mein Vater, obwohl er schon in seinen 80ern war, bei Einkäufen oder anderen gelegenheiten ungewöhnlich lange weg. Meine Mutter nahm natürlich an, dass er sich wohl heimlich mit jemandem trifft. Sie bekam auch mit, weil im Sommer die Fenster offen waren, dass er am Handy mit jemandem gesprochen hat und sagte "bis nachher". Und die eine Frau, mit der er sich heimlich getroffen hatte, kam ohne Einladung häufiger zu uns. Und meine Mutter bemerkte, dass sie ihm offenbar immer einen freudigen Blick zuwarf, wenn sie am tisch saßen. Zu meiner Schwester und mir war sie ungewöhnlich freundlich. Aber als ich sie mal in der Stadt getroffen hatte, hat sie schnell weggeschaut. Meine Mutter bekam dann eines nachts einen Zettel in die Hand, an dem er gerade schrieb. Und es waren fantasien, in denen er über sie schrieb und ihren BH.

Was ich damit sagen will: einerseits wurde es regelrecht verteufelt, wenn ich an mir selber sexuell aktiv war, und noch nicht mal verstanden habe, was das überhaupt bedeutet, warum ich diese Lustgefühle habe, wenn ich mein Geschlechtsteil stimuliere, und dass es nichts schädliches ist, es mir aber als schädlich dargestellt und verboten wurde. Darüber bin ich verärgert und traurig.

Es war offenbar so, dass meine Eltern schon lange keinen Geschlechtsverkehr hatten. mir hat meine mutter erzählt, dass er zwei Tage nach dem Bekanntwerden des Fremdgehens mit ihr zu schlafen versucht hat. und ich hab mitbekommen, wie er gesagt hat, dass sie immer schmerzen dabei hatte und es eingestellt wurde deswegen. Mehr kann ich zum Thema Sexualität meiner Elern nicht sagen. Meine Mutter habe ich jedenfalls mal gefragt, wann sie ihren ersten Freund hatte, da kam nur die antwort: das ist unverschämt, dass ich das frage.
 

Hallo baltar,

schau mal hier: Aufklärung. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Deine Eltern hatten beide eine ungesunde Einstellung zur Sexualität und das haben sie an dich weitergegeben. Deine Mutter, indem sie etwas ganz natürliches verteufelt und dir ein schlechtes Gewissen eingeredet hat und dein Vater, indem er fremdgegangen ist und wohl auch sonst ein schmieriger Typ war. Das ist aber allein deren Problem. Trotzdem hätten sie dich aufklären, oder dir zumindest ein Buch in die Hand drücken sollen.

Das kannst du auch nachholen, wenn dir das ein Bedürfnis ist. Du kannst dir zB. Aufklärungsbücher für Jugendliche besorgen oder gar welche für kleinere Kinder, die mit netten Zeichnungen bebildert sind. Da ist gar nichts schmutzig und zeigt auch, dass Sexualität ganz natürlich ist. Von Pornos würde ich an deiner Stelle Abstand nehmen. Was da gezeigt wird ist auf keinen Fall normaler Pärchensex und ich finde das ekelhaft und primitiv. Und Leute, die sich damit brüsten solche Dinge zu machen, finde ich auch ekelhaft und primitiv.
 
Von Pornos würde ich an deiner Stelle Abstand nehmen. Was da gezeigt wird ist auf keinen Fall normaler Pärchensex und ich finde das ekelhaft und primitiv. Und Leute, die sich damit brüsten solche Dinge zu machen, finde ich auch ekelhaft und primitiv.
Damit machst du das, was die Mutter gemacht hat: du nimmst deine eigene Wertung und willst sie an den TE weitergeben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Guten Morgen, baltar,
da hattest du als Kind und Heranwachsender zwei anstrengende Vorbilder in Sachen Intimität und Beziehung. Deine aktuellen Probleme lassen sich sehr gut aus dieser Kombination ableiten.
Die Generation unserer Eltern hatte so ihre...Eigenarten. Ich war als Kind mit meiner Mutter während eines Städtetrips in einem sogenannten "Beate-Uhse-Shop" auf der Suche nach meinem Vater. Wir hatten ihn während des Bummels verloren und seltsamerweise (so dachte ich als Kind) suchte wir auch dort. Von der Decke hingen "Romane" herab und es gab Kartons mit merkwürdigen Aufklebern und meine Ma und ich waren die einzigen weiblichen Nenschen im Laden. Papa war nicht da, aber Marisol hatte was zum Bedenken.
Generell war männliche Sexualität allerorten auf einem sehr niedrigen Level präsent. Auf Zeitschriften wie "Quick" usw. lächelten Frauen oben ohne, die Bildzeitung hatte täglich eine grinsende Nackte auf der Titelseite, in den privaten Kellerbars gab es kleine nackte Jungs, aus deren Genitalien Schnaps in die Humpen floss. Männer waren Richter über weibliche Attraktivität. Sie guckten "versaute" Filme und lasen Pornoheftchen. Und jetzt kommt das Irre:
Zeitgleich waren sie dermaßen prüde und verklemmt, dass sie nichts wussten über den weiblichen Höhepunkt, weibliche Anatomie etc.
Sie waren es gewohnt, manche Frauen als attraktive Ware zu betrachten und andere als praktische Hausmütterchen, mit denen man eine Familie gründete und Kinder durch die merkwürdigen Mischbotschaften in die Vertweiflung trieb.
Glücklich war keine Seite, nehme ich mal an. Aber die Männer hatten es lustiger, sie waren die "schlimmen Buben", die spielen durften, denn sie brachten das Geld nach Hause. Zu dieser Zeit waren Frauen wirtschaftlich komplett abhängig von ihren Ehemännern, sie durften nur einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wenn ihre Gatten dies genehmigten. Denn es musste gesichert sein, dass die Jungs anständig versorgt, bekocht, betüddelt und beschlafen wurden.
Waren die Frauen nicht willens, sexuell alles zu geben, gab es Prostituierte, die aushalfen. Letztlich blieb der Mann immer alleine, weil er keine Frauengruppe ernstnehmen konnte - nicht die Ehefrau in ihrer erworbenen Abhängigkeit, nicht die Sexarbeiterin, die nahm, was kam und keine Emotionen investierte.
Ich war als Jugendliche ähnlich irritiert wie du, aus der Mädchenperspektive eben. Ich wurde sozialisiert mit einer langmütigen Mutter und drei Männern, die sich keine Sekunde darüber Gedanken machten, ob sie als Vorbild für meinen Männergeschmack taugen konnten oder nicht. Das alles geschah nicht aus Böswilligkeit, aber es geschah.
Ich wollte nicht enden wie meine Mutter, empfand aber auch kein Vergnügen daran, Sexualität abzukoppeln wie die Männer.
Mein Fazit: Man sollte seinen eigenen Weg finden. Und sich an dem erfreuen, was alles geschehen ist während der Jahrzehnte. Du bist nicht der Gefangene der alten Vorbilder. Es ist schwer, sich daraus zu lösen, aber du musst dich tatsächlich für nichts schämen.
Verzeihe den langen Text, aber ich spüre deine innere Qual und bin davon überzeugt, dass du ein freundlicher, guter Mensch bist, der dieses Leiden nicht verdient hat.
Wenn ich mich richtig erinnere, hast du einen Therapeuten. Nimm dieses Thema unbedingt mit hinein und lass dich nicht abspeisen mit dem "Ratschlag", doch eine Sexarbeiterin aufzusuchen. Therapeuten kann man wechseln. Überlege dir, ob du dort gut aufgehoben bist.
Ich wünsche dir alles Gute und letztlich echten, inneren Frieden.
 
bei meinem Vater weiß ich jedenfalls, dass Sexualität in seinem Leben eine sehr hohe Stellung hatte. Ich hab durch eine Krisensituation mitbekommen, dass er meine Mutter betrogen hatte in der Ehe, und nicht nur eine Beziehung neben der Ehe hatte, sondern auch heimlich nach Hamburg gefahren ist, um Prostituierte zu besuchen. Meine Mutter hat erzählt, dass sie in der Jacke meines Vaters Zettel mit den Namen der Prostituierten gefunden hat, als Trophäen. Und er hat selbst im Alter Pornobilder, Objekte, die mit Sex zu tun hatten, z. B. Kartenspiele mit nackten Frauen, Spielsachen, bei denen man auf einen Hebel drückt, und dann bewegen sich eine nackte Frau und ein nackter Mann mit den Unterkörpern aufeinander zu, man sieht einen Penis, der unten eindringt dabei, Witze und Cartoons mit sexuellen Inhalten und Themen, Filme und alles mögliche gesammelt. Und das vor meiner Mutter versteckt. Und er hat seine Fantasien aufgeschrieben. Als ich ungefähr 23 war, war mein Vater, obwohl er schon in seinen 80ern war, bei Einkäufen oder anderen gelegenheiten ungewöhnlich lange weg. Meine Mutter nahm natürlich an, dass er sich wohl heimlich mit jemandem trifft. Sie bekam auch mit, weil im Sommer die Fenster offen waren, dass er am Handy mit jemandem gesprochen hat und sagte "bis nachher". Und die eine Frau, mit der er sich heimlich getroffen hatte, kam ohne Einladung häufiger zu uns. Und meine Mutter bemerkte, dass sie ihm offenbar immer einen freudigen Blick zuwarf, wenn sie am tisch saßen. Zu meiner Schwester und mir war sie ungewöhnlich freundlich. Aber als ich sie mal in der Stadt getroffen hatte, hat sie schnell weggeschaut. Meine Mutter bekam dann eines nachts einen Zettel in die Hand, an dem er gerade schrieb. Und es waren fantasien, in denen er über sie schrieb und ihren BH.

Was ich damit sagen will: einerseits wurde es regelrecht verteufelt, wenn ich an mir selber sexuell aktiv war, und noch nicht mal verstanden habe, was das überhaupt bedeutet, warum ich diese Lustgefühle habe, wenn ich mein Geschlechtsteil stimuliere, und dass es nichts schädliches ist, es mir aber als schädlich dargestellt und verboten wurde. Darüber bin ich verärgert und traurig.

Es war offenbar so, dass meine Eltern schon lange keinen Geschlechtsverkehr hatten. mir hat meine mutter erzählt, dass er zwei Tage nach dem Bekanntwerden des Fremdgehens mit ihr zu schlafen versucht hat. und ich hab mitbekommen, wie er gesagt hat, dass sie immer schmerzen dabei hatte und es eingestellt wurde deswegen. Mehr kann ich zum Thema Sexualität meiner Elern nicht sagen. Meine Mutter habe ich jedenfalls mal gefragt, wann sie ihren ersten Freund hatte, da kam nur die antwort: das ist unverschämt, dass ich das frage.

Deine Eltern haben dich offenbar sehr spät bekommen. Nach deinen Erzählungen muss dein Vater ja schon über 60 gewesen sein.

Hast du lange bei deinen Eltern gewohnt?

Mir kommt deine Fixierung auf deine Eltern und ihr Sexleben sehr stark vor.

Normalerweise finden junge Leute das Sexleben der Eltern eher "bäh" oder zumindest uninteressant und streben nach eigenen Erfahrungen.

Das scheint bei dir irgendwie blockiert gewesen zu sein.

Es wäre bestimmt hilfreich, da im Rahmen einer Therapie mal hinzuschauen.
 
Deine Eltern haben dich offenbar sehr spät bekommen. Nach deinen Erzählungen muss dein Vater ja schon über 60 gewesen sein.

Hast du lange bei deinen Eltern gewohnt?

Mir kommt deine Fixierung auf deine Eltern und ihr Sexleben sehr stark vor.
Ich finde das gemessen am damaligen Zeitgeschehen nicht ungewöhnlich.
Und das ist keine Fixierung, sondern der Versuch, sich von einer verstörenden, widersprüchlichen Prägung zu lösen.
Nicht baltar ist "merkwürdig" oder "gestört".
Sondern die Umstände, unter denen viele Angehörige dieser Generation aufwuchsen.
 

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