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Auf der Arbeit gestorben.....

  • Starter*in Starter*in ~*darksoul*~
  • Datum Start Datum Start
D

~*darksoul*~

Gast
Ich arbeite in einer Werkstatt für Behinderte Menschen als Gruppenleitung.
Gestern saß ich fröhlich mit meiner Kollegin in unserer Gruppe am Schreibtisch. Plötzlich wurde es draußen auf dem Flur hecktisch und kurz darauf ging auch schon unsere Tür auf. Einer von uns sollte an die Straße gehen den Rettungswagen einweisen. Meine Kollegen rennt sofort los, ich hinterher. Ich frag nur, was ist los. Bekomme keine Antwort und renne in die andere Gruppe. Dort treffe ich einen Kollegen der mir sagt das X umgefallen ist. Ich renne sofort in noch eine andere Gruppe an seinen Arbeitsplatz. Ich sehe X mit Nacktem Oberkörper, blau angelaufen am boden liegen. Über ihm die Hausärtzin von Gegenüber die ihn versucht zu reanimieren. Ich gehe zurück und versuche die Beschäftigten zu beruhigen. Ich selbst habe nur noch funktioniert. Kurz darauf kommt die Rettungsassistenten angelaufen und hintendran sein Vater. Diesen Gesichtsausdruck, panik und Angst.
Ich muss dazu sagen das X Herzlrank war und vor ca. 2 Monaten schon einmal wiederbelebt werden musste und mehrere Wochen im Koma lag. ER war erst seit Montag wieder auf der Arbeit und den morgen waren sie noch beim Arzt der sagte das alles super sei.
Naja ich bin dann schon mal mit allen früher zum Mittagessen. Die Leute teilweise außersich, niemand sollte runter gehen um die Ärzte zu stören. Kurz darauf sagte eine Kollegin das sie ihn nicht wirklich wiederholen können aber alles versuchen. Ca. 15 Minuten später bekomme ich die Nachricht das sein Vater gesagt hat sie sollen aufhören. Sie haben ihn ca 45 Minuten versucht wiederzubeleben.
Er ist tod. Eine Nachricht die ich mit fassung tragen muss, da die Beschäftigten es noch nicht wissen sollen.
Sie fragen ob er sterben wird und du sagt du weißt es nicht obwohl du weißt er ist tod!!
Sie haben ihn in einen Nebenraum gebracht, seine Eltern sind bei ihm. Ein Kollege teilt allen die Nachricht mit. Schweigen, einige weinen andere Fragen ob sie denn jetzt wieder arbeiten gehen können. Eine Beschäftigte aus meiner Gruppe fragt ob wir denn heute keinen Cappuchino trinken (Ist teil des Wochenplans bei uns). Hmm sie sind behindert ok, denken anderes aber es fiel mir schwer in diesem Moment zu verstehen.
Ich habe nur noch funktioniert.
Das schlimme ist, ich habe ihn gesehen und habe den Tod gespürt. Ich wusste das schafft er nicht.
Naja es kam dann noch eine Art Seelosorgerin und hat mit allen Gesprochen. Wer wollte konnte sich auch von X verabschieden. Ich konnte es nicht, vorallem seine Eltern sehen.
Gegen 15 Uhr wurde der Totenschein ausgestellt und als alle wegwaren kam der Leichenwagen.
Alles erscheint so unwirklich. Ich werde diese Bilder nicht los.
" Stunden vorher hab ich noch mit ihm gelacht. Habe ihm gesagt wie froh ich bin das er wieder da ist. Er war so ein sympatischer, trotz seiner Krankheitsgeschichte Lebensfroher junger Mensch.
Ich weiß bei diesem Klientel muss man damit rechnen aber verdammt nochmal nicht auf der Arbeit!!
Meine Gedanken kreisen ständig darum.
Die Beschäftigten sind heute größtenteils wieder ihrem normalen Alltag nachgegangen. Sie gehen ganz anders damit um....
Aber wir Mitarbeiter.....


Ich hoffe es ist nicht allzu lange geworden. Ich musste mir das alles einmal von der Seele schreiben.
 
Hallo Darksoul,
Es tut mir sehr leid, daß du das erleben musstest.
Dafür gibt es keine tröstenden Worte, da dass Herz an jedem Schützling hängt. Es war noch für niemanden leicht, sich direkt mit dem Tod auseinander zu setzen. Es wird sich einiges in deinem Bewustsein ändern. Aber es wird vergehen und du wirst weiter für die Anderen da sein.
Ich denke an dich und teile deine Gedanken.

GLG Toskála
 
Zuletzt bearbeitet:
hallo ~*darksoul*~
ist doch gut das du das geschrieben hast was dich momentan belastet.
wenn man über probleme oder andere dinge spricht, schreibt, was malt ist es immer besser als sie für sich zu behalten!
natürlich ist das eine ganz ganz schwere zeit für dich gewesen, was sicherlich nicht leicht ist, gerade dann noch einen klaren kopf zu bewahren, weil man noch eine gewissen verantwortung auf arbeit trägt.
es wird sicherlich nicht leicht werden in den nächsten tagen vielleicht auch wochen, aber das leben geht weiter. du musst versuchen nicht drüber nachzudenken, zumindest nicht an den zeitpunkt als du er/sie liegen sahst sondern an diese zeitpunkte als du spaß und sowas mit der person hattest!
 
Hallo darksoul, dein bericht hat mich kurz in den Schrecken im letzten Jahr zurückgeworfen. Ich arbeite im Krankenhaus, wir haben für jede Station eine feste Reinigungskraft. Völlig ohne Vorwarnung fiel diese langjährige Mitarbeiterin einfach um und war tot. Irgendwie war es noch schlimmer, dass ihr selbst im Krankenhaus niemand mehr helfen konnte. Wir waren alle für Tage durch den Wind und angeschlagen. Einigen half es, zur Beerdigung zu gehen. Doch, auch auf der Arbeit kann man sterben. Der Tod gehört zum Leben, selbst menschen, die mit Kranken oder Behinderten arbeiten,scheinen das immer wieder zu vergessen. Vielleicht braucht der Mensch das auch einfach, um weitergehen zu können. Was die Bilder angeht: gib dir etwas Zeit. Sie werden mit den Wochen blasser und irgendwann kannst du sie wegschieben ohne genau erkannt zu haben, was drauf ist. Aber zunächst musst du das verarbeiten. Vielleicht wäre es für dich und dein Team gut, das Geschehene in einer Teamsitzung zu thematisieren, es ist einerseits leichter, andererseits schwerer, wenn alles weiter läuft, als sei nichts geschehen. Und vielleicht kommt ein Psychologe oder Supervisor dazu? Wünsche dir sehr viel Kraft!
 
Hallo,es is nicht schön,wenn man miterlebt,wie Jemand von uns geht. Gewisse Umstände erschweren uns das Verständnis,dass der Tod zum Leben dazu gehört.
Du schreibst,dass die Betreuten das Versterben ihres Kollegen nicht Wissen dürfen,warum nicht ?
Mit beeinträchtigten Menschen,kann man auch über den Tot sprechen.Es würde den Einen oder Anderen traurig stimmten oder auch wütend,aber warum darf man nicht denn nicht traurig oder sauer auf den Tot sein ?
Wir haben,was ich persönlich sehr gut finde, immer mal wieder Fortbildungen intern und auch extern über das Thema Tod,Trauer usw.
Um so offener mit dem Tod umgegangen wird um so besser kann man damit umgehen,wenn Jemand von uns gegangen ist.
Du hast geschrieben 45 min. versuchte der Notarzt sein Bestes.
Wie hätte sein künftiges Leben ausgesehen mit dem Sauerstoffmangel ?

Möge er in frieden Ruhen
 
darksoul, Deinen Beitrag habe ich heute Vormittag gelesen und ich musste immer an das von Dir geschilderte Geschehen denken. Ich weiß wie der Tagesablauf in den Werkstätten abläuft und wie das "Miteinander" dort ist. Ich bin sehr berührt, denn die behinderten Mitarbeiter reagieren sehr unterschiedlich und nichts ist voraussehrbar.

Meine Gedanken waren auch bei den Eltern - für dieses Leid finde ich keine Worte.

Für Dich als pädagogische Mitarbeiterin muss es eine "zerreissende" Situation gewesen sein; Du hast funktioniert um die Situation nicht eskalieren zu lassen, Du hast Dich selber außer acht gelassen.

Für Dich hoffe ich, dass Du mit Deinen Kollegen diesen tragischen Vorfall besprechen kannst und das Euch allen geholfen wird es zu verarbeiten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Gast!
Natürlich haben wor es den Beschäftigten gesagt aber es sollten alle zusammen erfahren. Nicht jeder einzeln. Das hätte nur noch mehr Chaos gegeben.
Wir haben uns auch soweit es die Behinderten wollte mit ihnen mit dem Thema tod auseinandergesetzt. Für sie war und ist es viel leichter.
Hat nicht jeder das recht zu leben. Die Hoffnung sirbt zuletzt. 45 min. eine lange Zeit aber dafür ist der Notart da, um zu veruchen das Leben zu retten.
Vielleicht ist es egoistisch aber hätten wir am Nächtsten Tag erfahren das er auf dem Heimweg oder zu Hause gestorben wäre, wäre das natürlich auch schlimm aber das Schlimme ist das wir es miterleben und funktioneiren mussten.
Unser Vorgesetzter hatte am mittwoch seinen letzten Urlaubstag, war also nicht anwesend. Man hat ihn telefonishc benachrichtigt. Er hat am nächsten Tag ganz anders reagiert. Er sagte Ja das leben geht weiter. Natürlich tut es das. Aber wir sind ganz anders mit der Situation verbunden.
Mein Kollege also X Gruppenleiter ist nicht von seiner Seite gewischen, war die ganze Zeit dabei. Er kannte ihn 11 Jahre, war mit ihm in Freizeit. Für ihn ist es nochmal schwerer.
Gestern sagte er er hätte von ihm geträumt.
Ich wünsche mir das wir im Team alles mal ausführlich besprechen oder ähnliches.
Diese Gefühle lassen mich einfach nicht los.
Der Verband der Werkstätten (es sind mehrere) besteht seit über 30 Jahren. In diesen 30 Jahren ist so etwas noch nie vorher passiert.
Aber für alles muss es wohl ein erstes mal geben??!!
 
Zuletzt bearbeitet:
Darksoul, ich weiß nicht ob die behinderten Mitarbeiter diesen tragischen Tod auch als dramatisch empfunden haben. Es gibt ein Buch von E.Kübler-Ross
Die unsichtbaren Freunde – Elisabeth Kübler-Ross – ISBN: 3858333352 | Buchkammer
vielleicht würde es ein wenig "Tragik" von dem erlebten nehmen.

Wie geht es Dir jetzt? Ich kann mir vorstellen, dass Deine Gedanken immer wieder um dieses Geschehen kreisen. Den anderen Kollegen wird es ähnlich gehen, daher wären Gespräche zu Verarbeitung sehr wichtig.
 
Würde mich ein Versterben so treffen,belasten,ne ich könnte nicht in den Sozialberufen arbeiten. Er war doch Herzkrank,lange im Krankenhaus.
Es gibt wirklich sehr traurige Abgänge,Biografien,Umstände usw aber so nah ,lasse ich es nicht an mich heran.
Ich nimm Abschied und lasse los.
 
Du verbringst fast den ganzen Tag mit diesen Mesnchen und natürlich wachsen sie dir mehr oder weniger ans Herz und wenn du siehst wie einer von ihnen stirbt ist das schon schlimm.
Leider haben wir nicht die möglichkeit bekommen Abscheid zu nehmen. Auf die Beerdigung dürfen wir nciht mit, da Vorgesetzter ein wenig unflexiebel ist.
Ich denke wenn ich in einem Bereich arbeiten würde in dem der Tod zum Beruf dazu gehört ist es bestimmt einfach. Aber ich bin 22 Jahre habe letzte Woche meine erste Erfahrung mit dem Tod gemacht.
Warum ist es dann verwerflich das es schlimm war? Es geht um die Umstände, das was ich Gefühlt habe, das wie es passiert ist und natürlich auch um den Verlust dieses tollen Menschen.
Mir geht es schon viel besser. Es wird blasser. Leider wird mir nicht die möglichkeit gegeben zur Beerdigung zu gehen.
Er hat dafür gesort das man ihn nie vergessen wird!
 

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