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Attestierte "intellektuelle Hochbegabung", aber schlechte Leistungen im Studium

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AW: Attestierte "intellektuelle Hochbegabung", aber schlechte Leistungen im Studium

@Deso; ja, das war für mich ein wichtiger Lernprozess. Die letzten Jahre quälte ich mich durchs Studium, u.a. weil ich der Ansicht war, als intelligenter Mensch nicht viel lernen zu dürfen, weil ich sonst minderwertig, da minderbefähigt bin.

An der Uni müssen alle viel lernen. Ich hatte Kommilitonen die kamen mit 1,0er Abi an die Uni und waren auch im Studium in jeder Klausur unter den Top ~5%, immer mit Bestnoten. Das waren aber tatsächlich auch die fleißigsten Studenten. Es ist naiv zu glauben, an der Uni kommt man ohne Lernaufwand zum Ziel. Selbst die intelligentesten Studenten müssen eine ganze Menge Lernen. Erfolg im Studium heißt ja nicht, mit dem Minimalprinzip irgendwie durch's Ziel zu kommen. Das ist in der Schule sicher der Fall, aber an der Uni (wo eine wissenschaftliche Ausbildung beginnt) ist das eben nicht mehr der Fall. Man wird an der Uni nicht für Intelligenz belohnt, sondern für's Arbeiten und Lernen.

Irrsinnig, das ist mir klar, aber so war meine Denke. Die Erkenntnis, dass auch ich nicht nur lernen darf, sondern auch muss, um (gute) Leistungen zu erbringen, und es zugleich viele intelligente Menschen an der Uni gibt, die änliche Probleme haben, vereinfacht mein Vorankommen im Studium erheblich - und nimmt mir so viel an Druck.

Das ist doch schon sehr gut.

Zudem fürchte ich, bis heute nicht verkraftet zu haben, dass ich jahrelang stark unterfordert war. Dass man meine Ambitionen, mich weiterzubilden, mehr zu lernen, eigenständig denken zu dürfen ausgebremst und mir damit Jahre meines Lebens genommen hat, zerfrisst mich.

Es bringt halt nichts, sich mit solchen Gedanken überhaupt zu beschäftigen. Du solltest dir wirklich abgewöhnen, irgendwelche Nebenschauplätze zu suchen bzw zu konstruieren, in der Hoffnung, irgendwelche Antworten dadurch zu finden.

Es ist doch so: Wenn du wirklich unterfordert gewesen wärst, hättest du dich doch auch außerhalb des Unterrichts weiterbilden können. Was lernt man denn schon in der Schule? Selbst wenn man dich nicht "ausgebremst" hätte, in welcher Hinsicht auch immer das geschah, was hätte man dir denn großartig beigebracht? Man lernt doch nichts in der Schule, das man nicht mit ein bisschen Eigenrecherche in irgendeiner kostenlosen Bibliothek in viel größerem Umfang selber herausfinden kann.

Insofern: Vergiss die Schulzeit. Die ist vorbei. Das ist genauso, wie man sich nicht ewig mit alten Beziehungen aufzuhalten braucht. Ich litt damals auch stark unter einer Trennung und meine Noten litten stark darunter in dieser Zeit. Was soll's. So war das eben, weiter geht's. Es liegt irgendwo in der Vergangenheit und ändern kannst du es sowieso nicht. Schau' lieber nach vorne. Wie die Zukunft aussieht, kannst du nämlich schon bestimmen. Dafür lohnt es sich, deine Energie aufzuwenden.



Z.B. durfte ich in der Schule Informatik nicht wählen, weil ich Französisch wählen musste, der Kurs parallel stattfand (sprachlicher Zweig) und ich in der Sek I trotz explizierten Interesses keine zweite Fremdsprache hatte lernen dürfen, die ich zum Erwerb des Abiturs ja aber benötigte.

Ja, sowas kenne ich. Typisch Schule eben. Sei froh, dass du es hinter dir hast.

Dämlich, da bis heute drauf rumzukauen, denn da wären wir wieder bei der von dir erwähnten Hypothetik. Ewig zu reflektieren, was hätte werden können, bringt mich nicht weiter.

Ganz genau 🙂


Aber ich kann das einfach nicht verarbeiten, und auch mein Therapeut weiß da nicht weiter...

Das schaffst du schon. Keiner hat gesagt, dass es einfach sein wird. Aber du bist ja eine starke Frau. Also nicht gleich aufgeben, wenn es nicht beim ersten Versuch klappt. Du wirst sehen, im Laufe der Zeit wirst du mit solchen Gedanken lernen immer besser umzugehen. Ist doch beim Programmieren nicht anders. Man muss eben gewisse Denkstrukturen manchmal erst lernen und sowas kann dauern, aber umso besser wird man, beherrscht man sie erstmal.

Ich glaube wir sind beide im selben Alter und ich kann nur von mir sprechen, aber ich dachte mit 20 wäre ich erwachsen und wäre auf alles vorbereitet. Mit 28 weiß ich, dass es garnicht so einfach ist, erwachsen zu werden und das mit dem biologischen Alter nichts zu tun hat. Man wird in den 20ern eben doch vor unlösbare Probleme gestellt. Und die können einen ganz schön zu Boden werfen. Ich denke wichtig ist nur, was du daraus für die Zukunft lernst.

Meine Depressionen sind ja chronisch, aber eben abgeschwächt. Dafür wiederum existenziell, also schwieriger beeinflussbar.
Gibt es Strategien, diese nonmedikamentös zu behandeln? Spielt Alltagsstrukturierung vielleicht wirklich eine Rolle?

Du bist glaube ich schon auf einem sehr guten Weg.
 
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AW: Attestierte "intellektuelle Hochbegabung", aber schlechte Leistungen im Studium

Eine Hochbegabung wurde bei mir nie festgestellt, aber Tatsache ist, dass ich auch durch den MSA, die Ausbildung und das Abitur ohne jeglichen Aufwand gekommen bin und das mit guten bis sehr guten Noten und mittendrin Kinder kriegen und so.

Nur auf der Uni, da bin ich dann sowas von aufgeditscht. Heißt, unsere Lernerfahrungen davor haben uns keinen Gefallen getan, wenn man nie lernen musste zu lernen. Wenn Wissenserwerb plötzlich mühsam war.

Am meisten frustriert hat mich, dass wirklich unterdurchschnittlich intelligente Menschen, also Leute, bei denen ich mich gefragt habe, wie die morgens in die Hose kommen, mit guten Uniabschlüssen weit an mir vorbei gerauscht sind und ich habe keinen Fuß auf die Erde gekriegt.

Allerdings schreibst Du, Du würdest lernen. Bei mir wars ja eindeutig, ich habe nicht gelernt und das kriegt man auf der Uni dann eben auch als Ergebnis, nämlich fail.

Wie ist es denn in der Klausur selbst? Kannst Du das gelernte abrufen?
 
AW: Attestierte "intellektuelle Hochbegabung", aber schlechte Leistungen im Studium

Ich denke schon, dass man trotz Hochbegabung das Studium verhauen kann, z.B. wenn einem das Thema nicht liegt oder der Prof einem nicht mag 😉
 
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