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Arbeitslos, nutzlos.

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Gast

Gast
Ich ertrage mein Leben nicht mehr und muss mich kurz ausheulen. Vielleicht hat der eine oder die andere einen kleinen Tipp für mich.
Ich bin seid ca einem Jahr arbeitslos, mit ein paar Unterbrechungen. Ich bin 28, Single, flexibel, und habe einen Uniabschluss (nur den doofen Bachelor). Außerdem kann ich Englisch fließend in Wort und Schrift. Ich war während meines Studiums fleißig, habe immer für gute Zensuren gerackert und sie auch bekommen. Außerdem habe ich nebenbei gejobbt und auch Praktika absolviert. Meines Wissens nach habe ich also zumindest die Grundvoraussetzungen des heutigen Arbeitsmarktes erfüllt. Zumindest glaubte ich das. Leider, will mich keiner haben.

Gut, ich gebe zu, ich war sehr dumm was meine Berufswahl angeht. Ich bin Idealist und liebe Geschichten und alles was mit Geschichtenerzählen zu tun hat. Aus diesem Grund wollte ich mich gerne in die Film und Fernsehbranche hinein arbeiten. Was ich vorher nicht wusste ist, dass dort dumme Idealisten ohne Kontakte, solche wie ich, total ausgenutzt werden. Mittlerweile habe ich mein 7. Praktikum absolviert. Davon waren 5 bezahlt (weit unter Mindestlohn; ca. 1,50 € p. Stunde) und 2 gänzlich unbezahlt. Jedes Mal wurde mir versprochen, dass ich dort wertvolle Kontakte knüpfen kann, die mir dann helfen einen richtigen Job zu finden. Ich habe ihnen geglaubt, habe mich rein gehangen, wenn es nötig war bis zu 16 Stunden am Tag gearbeitet, war immer freundlich und habe versucht eben ein angenehmer Umgang zu sein, damit ich vielleicht bei der nächsten Einstellung berücksichtigt werde. Alle meine Chefs haben mir auch immer gerne bescheinigt, dass ich einen guten Job gemacht habe, eine Stelle ist dabei aber nie raus gesprungen.

Jetzt habe ich gerade wieder mein letztes Praktikum beendet (das ich auch nur gemacht habe um etwas zu tun zu haben und nicht tatenlos zu Hause rum zu sitzen) und sitze wieder auf der Straße. Jetzt muss ich mich wieder bewerben. Und den Kopf nicht hängen lassen und den Mut nicht verlieren und durchhalten und bla, bla, bla.

Doch die Wahrheit ist, dass ich mittlerweile bestimmt schon an die 400 Bewerbungen geschrieben habe und an die 40 Bewerbungsgespräche hatte. Davon habe ich zwei Jobs bekommen, die aber nur Projekt bezogen waren und wieder endeten. Mit Praktika kann man seinen Lebensunterhalt nicht verdienen. Mittlerweile habe ich mein Erspartes (das eigentlich für die Anzahlung einer Eigentumswohnung oder ähnliches gedacht war) fast völlig aufgebraucht.

Das heißt ich bin arm und arbeitslos und ich habe einfach nicht mehr die Kraft mich zu bewerben. Ich kann nicht mehr. Am liebsten würde ich mich in eine Grube legen und sie dann zuschaufeln und nie wieder aufstehen. Ich kann nicht mehr an meinen eigenen Erfolg glauben. Ich kann nicht mehr weiter studieren, weil ich mich nicht unterstützen kann. Außerdem, wer will schon eine 31 jährige Uniabgängerin mit einem Master of Arts, ohne richtige Berufserfahrung?
Man braucht jemanden wie mich einfach nicht. Ich bin ein völlig überflüssiger Furunkel am A**** der Gesellschaft und ich wünschte mein Herz würde einfach aufhören zu schlagen, damit ich morgen nicht mehr aufwachen muss und mich wieder irgendwie durch einen hoffnungslosen Tag schlagen.

Ich habe keine Ideen mehr und keinen Lebensmut und ich weiß nicht wie es weitergehen soll. Ich bin einfach nur ein totaler Versager. Kein Job, kein Geld, keine Perspektive. Ich weiß nicht wohin mit mir. Ich weiß einfach nicht mehr wohin. Und ich will kein Hartz 4 beantragen. Dann hätte ich auch noch den offiziellen „Versager“ Stempel auf der Stirn. (Ich entschuldige mich hiermit bei allen Hartz 4 Empfängern. Ich sehe euch nicht als Versager. Aber für mich wäre es eben die offizielle Bescheinigung meines völligen Versagens auf dem Arbeitsmarkt.)

Ach, könnte ich doch einfach nur nicht mehr sein. Das wäre für mich und die Welt wahrlich das sinnvollste. Denn selbst wenn ich – durch Glück – mal wieder einen Depperljob ergattern würde (der dann wieder 6 Wochen später zu Ende geht), was für einen Sinn hätte das? Welchen Sinn habe ich? Warum braucht mich niemand? Mein Leben ist so leer, dass es weh tut und mir fehlt die Kraft mich wieder aufzurappeln. Zu oft schon habe ich es getan und ich mag nicht mehr.

Kann ich da jemals wieder heraus kommen? Und wenn ja wie???
 
Hi,

wenn du so gut Englisch kannst, wende dich an Privatschulen/Ergänzungsschulen. Dort kannst du auch ohne Staatsexamen unterkommen. Wenn dir das Unterrichten liegt, kannst du auch dein Refi anhängen.
Nicht aufgeben, sondern flexibel sein! 🙂

Liebe Grüße

Monarose
 
Hm also nutzlos finde ich es nicht, hast du schon mal an einer theater beworben? mein arbeitskollege der ist zwar informatiker aber arbeitet nebenbei in einer musical theater.
Sonst wie monerose sagt in Schulen bewerben sonst ins Ausland english unterrichten?
es gibt sicher andere Länder die zwar nicht so gut zahlen würden aber dafür du einen job hättest und dazu noch ausland erfahrungen sammeln würdest.

Hoffe das hilft.

Gruss
kaly
 
lieber Gastleser, oder Gastleserin, sie sind noch jung, erst 28, haben alles noch vor sich. Ich bin auch noch jung und habe auch noch viel vor mir. Ich bin 52 Methusalem in ihren Augen.-

Ich war drei Jahre in meinem Leben arbeitslos, in einem eurpäischen Land das an und für sich krisensicher sein sollte. In dieser Phase meines Lebens mit hervorragenden Zeugnissen ausgestattet, ging ich durch die Hölle, denn ich habe lange nicht verstanden, warum mich niemand haben wollte.-

Bis ich begriff, dass es nicht von der Gesellschaft abhängt, ob jemand arbeitslos wird, sondern bloss einzig und alleine von einem selbst. Ich hatte mich verändert... meine Abschlüsse und Zeugnisse waren immer noch dieselben, aber sie sagten nicht mehr das aus, was ich wirklich war. Das zu erkennen erfordert innere Arbeit. Setzen sie sich an einen Tisch mit einem Block Papier und schreiben Sie auf wer sie sind. , was sie erreicht haben bis heute und was sie eigentlich vom Leben erwarten. Nicht was Andere von Ihnen erwarten und ganz sicher nicht was Ihre Eltern von Ihnen erwarten...das ist nämlich der schwierigste Teil daran.-

Sie sind das Kernproblem um das es sich dreht sie selbst, junge Frau (oder Mann). machen sie eine zeitreise in die Zukunft....gehen Sie in ihr eigenes Alter von 75 jahren...das wäre dann das Jahr 2057...setzen Sie sich auf eine imaginären Veranda und schauen Sie sich um. Sie können ihren Lebensabend geniessen, denn sie sind reich, haben alles erreicht im Leben, ihre Freunde kommen Sie besuchen und Ihre Partys sind legendär.... und nun kommen Sie wieder zurück an den Tisch mit dem Block und dem Bleistift... und überlegen sich, was Sie tun müssen um das zu erreichen. Ich selber bin noch nicht 75 aber die Veranda wartet auf mich, inzwischen habe ich viele Rückschläge einstecken müssen, aber ich habe nicht aufgegeben und arbeite mich zentimeter für Zentimeter vor...mein eigenes Ziel nicht aus den Augen lassend.

Ich wünsche Ihnen alles Gute
 
Ich wünschte, ich könnte so gut schreiben wie du...
Ich wünschte, ich hätte so einen Abschluss wie du...
Ich wünschte, ich wäre nochmal so jung wie du...

Ich bin 52, hatte Krebs, habe Rheuma, habe Bluthochdruck, kriege jetzt ein neues Kniegelenk.

Bin Mutter eines 29-jährigen Sohnes, wurde nach 16 Jahren Ehe geschieden, habe eine Ausbildung als Sekretärin, spreche einigermaßen Englisch.

In den 80-gern war es noch üblich, dass Mama beim Kind zu Hause bleibt. Also blieb ich zu Hause beim Kind. Mann hat es sich dann überlegt und sich für eine sehr junge Frau entschieden. Ich saß da, ohne Job, ohne Geld und ohne Hilfe.

Irgendwie habe ich es geschafft, sogar das Studium meines Sohnes alleine zu finanzieren. Habe Böden geschrubbt, Senioren gewaschen und gefüttert etc. etc.

Seit 16 Jahren arbeite ich als Chefsekretärin und habe mir ein neues Leben aufgebaut.

Dir stehen so viele Wege offen. Lass den Kopf nicht hängen. Wenn es erforderlich ist, verändere dich. Du musst dich bewegen, geh ins Ausland, geh dahin wo die Arbeit ist. Die Arbeit kommt nicht zu dir.

Ich weiß, alles gute Ratschläge. Ist auch nicht sehr einfach. Aber nur du kannst dir selbst helfen. Wenn du aber mal die 30 überschritten hast, wird es immer schwerer.

Also, komm endlich in die Puschen. Ich drück dir die Daumen...
 
hallo Gast (threadersteller),

irgendwie habe ich das Gefühl, Du schreibst von mir...

Studium war gut, aber halt was idealistisches, Praxis in verschiedenen Bereichen, Fortbildungen... aber nix als Absagen.
Irgendwann kommt man sich zwangsläufig wie ein Versager vor.
Habe mal den Tip bekommen, man soll zu sich stehen. Wie wan das macht, wenn man mehrmals die Woche schriftlich bekommt, dass man nicht gut genug ist, blieb aber ungeklärt...

ein paar Vorschläge:
- Wenn Du Stellenanzeigen liest, häufen sich dann bestimmte Anforderungen, die Dir noch fehlen? Wie kannst Du diese Qualifikationen noch erwerben?
- Beantrage Harzt 4!!! Scheiß auf den Stolz, aber wovon wirst Du eigentlich gerade satt? Wovon bezahlst Du die ganzen Kosten, die so anfallen? (Selbst, wenn Du jetzt noch Speck hast, was gedenkst Du zu tun, wenn der weg ist?) Wenn Du im System erfasst bist, hat das natürlich einige Nachteile, aber Du kommst z.B. leichter an Weiterbildungen ran. (Und irgendwas musst Du wahrscheinlich aufstocken, das sollte Dir langsam dämmern)
- Ich habe damals sogar für nen 1-Euro Job beworben. Das war keine Sinnlos-Arbeit, sondern wissenschaftliche Mitarbeit.
- kannst Du ehrenamtlich irgendwie Praxis sammeln? Vielleicht bei einem Straßenzeitungsprojekt oder so?


So, das war nur mal ein brainstorming von mir - vielleicht hilft es etwas weiter.
Ansonsten: Ich versteh Dich, wir sitzen in ähnlichen Situationen fest...:mad:


LG
Tomoko
 

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