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Arbeitnehmergespräch bei psychischen Problemen, Sozialarbeiter mitbringen?

Taisa

Neues Mitglied
Hallo,

ich kämpfe schon seit langen gegen meine schweren Depressionen und Borderlineerkrankung. Ich habe einen sehr unlinearen Lebenslauf und mache zur Zeit mache ich eine Ausbildung im zweiten Lehrjahr - vielleicht meine letzte Chance. Leider habe ich schon wieder viele Fehltage angesammelt und die Chefetage macht ein bisschen den Eindruck, als würden sie mich loswerden wollen.
Wurde zum Beispiel gestern beim Teammeeting darauf angesprochen, dass ich mal mein Handy verloren habe und ob Firmendaten drauf waren. Außerdem wird die AU per Mail plötzlich nicht mehr akzeptiert, und ich habe sie natürlich heute zum zweiten Mal vergessen mitzubringen. Ich bin absolut durch den Wind, meine Gedanken drehen sich um Selbstmord und ich würde gern einen Antrag auf Ausbildung in Teilzeit stellen, habe einen GdB von 50.
Chefs wissen davon, aber ich glaube, ihre Geduld ist allmählich am Ende. Meine Sozialarbeiterin hat sich angeboten, beim Gespräch morgen dabei zu sein, wenn ich hier um Erlaubnis frage. Meint ihr, das ist eine gute Idee oder speisen sie mich dann endgültig ab?
Es erscheint mir langsam alles ein bisschen ausweglos. :(
 

SFX

Aktives Mitglied
Hallo,

ja, sie sollte unbedingt mit dabei sein! Kannst du dich ihr anvertrauen und hast vielleicht schon einmal mit ihr über deine Probleme gesprochen?

Wenn du Aufgrund deiner Behinderung nicht Arbeits-/Ausbildungsfähig bist, so wäre eine Ausbildung über den zweiten Bildungsweg (z.B. Behindertenwerkstatt) die Alternative. An deiner Stelle würde ich das auf jeden Fall vermeiden wollen, sofern möglich! Du bist bereits im 2. Ausbildungsjahr. Zieh es durch!

Versetze dich auch einmal in die Lage der Vorgesetzten, die dir ganz bewusst trotz deiner Behinderung einen Ausbildungsplatz gegeben haben. Es haben sich Leute dafür eingesetzt, gerade dir die Ausbildung zu ermöglichen. Ein anderer Bewerber hat eine Absage erhalten, weil du diesen Ausbildungsplatz bekommen hast.

Also schmeiß diese Ausbildung nicht einfach weg, gib dein Bestes und gehe regelmäßig zur Arbeit! Weshalb hast du so hohe Fehlzeiten? Weil du aufgrund deiner Behinderung tatsächlich nicht arbeiten gehen kannst, oder weil du schlicht und einfach "keine Lust" hast?

Es ist extrem wichtig, dass du ab jetzt bei der kleinsten Fehlzeit ein ärztliches Attest unverzüglich vorlegst! Das ist eine ganz einfache Regel und das musst du einfach auf die Reihe bekommen! Sonst landest du nicht wegen deiner Einschränkung, sondern wegen deiner Faulheit in der Behindertenwerkstatt, stell dir das mal vor :confused:

Liebe Grüße und alles Gute,
SFX
 

Taisa

Neues Mitglied
ja, sie sollte unbedingt mit dabei sein! Kannst du dich ihr anvertrauen und hast vielleicht schon einmal mit ihr über deine Probleme gesprochen?
Erstmal danke für deine Antwort.
Ja, sie weiß Bescheid. Ich habe Angst, dass man mich dann als endgültig unselbstständig und hoffnungslos abstempelt, wenn ich noch jemanden mitbringe. Es kann ja auch so wirken, als würde ich sie damit unter Druck setzen wollen. Dazu bin ich ja auch keine 16 mehr, sondern schon 25. Gleichzeitig wäre es vermutlich erleichternd.
Habe meiner Ausbilderin zuerst in einer Mail die Probleme kurz geschildert, vielleicht kein kluger Schachzug. Habe keine Antwort erhalten. Daraufhin gestern das fürchterliche Teammeeting. Danach habe ich sie nochmal nach einem Termin gefragt und wurde abgewimmelt. Nachmittags nochmal und es hieß, sie würde sich den anderen Chef mit dazunehmen wollen.


Versetze dich auch einmal in die Lage der Vorgesetzten, die dir ganz bewusst trotz deiner Behinderung einen Ausbildungsplatz gegeben haben. Es haben sich Leute dafür eingesetzt, gerade dir die Ausbildung zu ermöglichen. Ein anderer Bewerber hat eine Absage erhalten, weil du diesen Ausbildungsplatz bekommen hast.
Ja :( Wirklich, ich fühle mich unglaublich beschissen, weil ich es einfach nicht besser hinbekomme.
Der Chef, der sich für mich eingesetzt hat damals, arbeitet nicht mehr hier. Von meinem GdB wusste beim Vorstellungsgespräch noch niemand etwas, habe den erst seit ein paar Wochen.
Es geht einfahc nicht, ich habe keine Kontrolle, ich heule jeden Tag und bin dermaßen zerstreut, dass ich die einfachsten Dinge nicht auf die Reihe bekomme. Ich habe schon allerhand Unterstützung erhalten, war zweimal stationär in Therapie und ich kriege den Eindruck, dass ich niemals richtig funktionieren werde. Es war kurze Zeit besser, ich habe von meiner Mutter sogar ihr altes Auto überlassen bekommen und es dann vor 3 Wochen kaputtgefahren. Danach war ich 10 Tage krankgeschrieben und habe die Depression seitdem überhaupt nicht mehr im GRiff. Ich kann nicht mehr. Ich versuche immer zur Arbeit zu gehen, aber manchmal bekomme ich mich einfach nicht dazu, weil ich die Nacht nicht schlafen konnte und morgens Panik schiebe oder was auch immer. Dazu kommt es häufig vor, dass ich den ganzen Tag alleine im Büro sitze und es keine Arbeit für mich gibt. Ich fühle mich so sinnlos, habe Zweifel an der Ausbildung und ob es überhaupt zu mir passt, aber wieß auch, dass ich nicht abbrechen kann.
 

SFX

Aktives Mitglied
Ich glaube, dir fehlt das Ziel im Leben. Du brauchst kleine Ziele, die du dir selbst steckst und die du erreichen kannst! Das hilft ungemein, die Nerven zu behalten und einen Sinn in der ganzen Sache zu erkennen.

Schreibe dir eine Liste mit privaten und beruflichen Zielen, die du gerne erreichen willst. Sortiere deine Ziele nach "groß" und "klein". Dann mache dir zu jedem Ziel einen Plan, wie du es erreichen kannst!

Beispiel:

Ziel 1, Privat, kurzfristig erreichbar: Ich möchte mal wieder einen richtig leckeren Salat zum Abendessen. Ich gehe heute nach der Arbeit einkaufen und brauche hierzu Karotten, einen Salatkopf, Rucola, Tomaten... etc.

Ziel 2, privat, mittelfristig erreichbar: Ich habe das Auto kaputtgefahren und möchte ein neues. Ein gebrauchtes Auto kostet ca. 3000€. Hierzu spare ich meine Ausbildungsvergütung und auch Geburtstagsgeld. Wenn es mir gelingt, jeden Monat 300€ beiseite zu legen, so habe ich nächsten Sommer bereits ein Auto.

Ziel 3, beruflich, mittelfristig erreichbar: Meine Ausbildung möchte ich mit bestmöglichen Noten erfolgreich abschließen. Ich nehme mir vor, nur im absoluten Ausnahmefall zu Hause zu bleiben. Sich daheim zu verstecken und mich meinen Depressionen hinzugeben nützt niemandem etwas. Zur Abschlussprüfung benötige ich das Fachwissen, welches ich in der Ausbildung und in der Berufsschule erlerne. Ich werde frühzeitig auf Prüfungen und Klassenarbeiten lernen. Wenn mir verschriebene Medikamente gegen die Depression helfen, so nehme ich sie wie verordnet ein.

Ziel 4, beruflich, langfristig erreichbar: Nach meiner Ausbildung möchte ich in der Firma XYZ arbeiten und eine Stelle als ??? anstreben. Das würde mir gefallen und mich sehr motivieren. Um dieses Ziel zu erreichen, muss ich nach meiner Ausbildung zunächst einige Zeit Berufserfahrung im Bereich ??? sammeln. Ich werde mich gezielt weiterbilden und mich auf eine solche Stelle bewerben, wenn sich die günstige Gelegenheit bildet.

usw.


Mache dir mal einen solchen Plan, gerne auch nur für dich! Nimm auch Hilfe an, die dich in all deinen Vorhaben voranbringt.

Zum Mitarbeitergespräch:
Stelle eindeutig klar, dass es sich nur eine Phase in deinem Leben handelt, die momentan nun einmal schwierig für dich ist. Versichere, dass du wirklich krankheitsbedingte Fehlzeiten hast und dass du dich bessern willst. Dass dir zur Zeit eben auch Kleinigkeiten, wie pünktlich deine Krankmeldung abzugeben, schwerer fallen und dass es nun mal gerade alles viel für dich ist. Bedanke dich für die Geduld und die Nachsichtigkeit. Sage, dass du selbst weißt, dass es so nicht weiter gehen kann und du an dir arbeitest.

Liebe Grüße,
SFX
 

Taisa

Neues Mitglied
Ich glaube, dir fehlt das Ziel im Leben. Du brauchst kleine Ziele, die du dir selbst steckst und die du erreichen kannst! Das hilft ungemein, die Nerven zu behalten und einen Sinn in der ganzen Sache zu erkennen.
Danke für den schönen Beitrag und die Zeit... Ja, vermutlich fehlen mir klare Ziele, bzw nehme ich mir viel zuviel vor, breche dann irgendwann zusammen und schaffe letztendlich gar nichts. Alles auf einmal und am besten so schnell wie möglich, ich kann nie mit mir zufrieden sein. Mal sehen wie und ob ich das noch in den Griff bekomme, momentan fühle ich mich nicht, als würde ich meinen 30. Geburtstag noch miterleben. Ich bin gespannt wie das Gepräch läuft, es wurde auf Donnerstag verschoben, ich werde dann berichten.
 

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