Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Anzeigepflicht

Sori

Sehr aktives Mitglied
Hallo zusammen,
weil das Thema gerade in einem anderen Thread aufkam, ich da aber nicht so offtopic werden wollte, mal hier die Frage:

Gibt es einen Paragraphen, der festlegt, dass ich jemanden anzeigen muss, wenn ich von einer bereits stattgefundenen Straftat erfahre?
Also, dass ich das moralisch sollte, steht ja außer Frage.
Aber kann ich praktisch bestraft werden, wenn ich den Kindesmissbrauch der Nachbarstochter nicht anzeige (sofern mir das bewiesen werden könnte) - (ist jetzt nur ein fiktives Beispiel).

Mich hat das interessiert und ich hab mal im Internet geforscht und meine nun, dass es kein Gesetz diesbezüglich gibt. Gefunden hab ich Stgb § 138, aber bei dem geht es ja nur um geplante Straftaten, nicht um bereits ausgeführte.

Das hab ich auch auf einigen anderen Seiten gelesen, dass es keine Anzeigepflicht gibt (abgesehen von bestimmten Berufsgruppen- Beamte, Soldaten, Ärzte).

Kennt sich da jemand genauer mit aus? Irgendwelche Juristen unter uns, die das mal beleuchten können?

Also, es geht mir, wie gesagt, nicht um die moralische Seite, sondern um die tatsächliche Rechtslage. Wenn das Nichtanzeigen strafbar ist, bring ich ja zum Beispiel meine Freundin, der ich vom MB erzähle in Teufelsküche...

LG

Sori
 
Sehe ich genauso. Der Gesetzgeber spricht nur vom Wissen der Planung.

Ganz anders dürfte sich es aber für Personen darstellen, die dem Kontrahierungszwang unterliegen - d.h. Personen die beruflich Straftaten verfolgen ( müssen ) - ein Staatsanwalt oder Polizist muß ermitteln.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja, das weiß ich auch...
So ein paar Berufsgruppen sind verpflichtet: Polizisten, Staatsanwälte und auch Ärzte müssen merkwürdige Todesfälle melden.
Irgendwas hab ich auch mit Beamten gelesen- sind die auch generell verpflichtet? Als Lehrer zum Beispiel? Das hab ich bisher nämlich auch noch nicht rausgefunden.
 
Da muß natürlich Stan her - der ist schließlich Beamter.
Ich glaube es aber nicht. Die Deutschen sind sicherlich nach dem Krieg sehr vorsichtig ( nicht so sehr im östlichen Teilgebiet ) mit Denunziantentum umgegangen. Aber warten wir mal bis der Frankfurter Beamte hier auftaucht...
 
Hallo,

bei Kindesmißbrauch und noch bestehender Gefahr weiteren Mißbrauchs (muss ja net das gleiche Opfer sein!) weiss man ja im Grunde, dass es wieder passiert, bzw. die WArhscheinlichkeit sehr hoch liegt, dass es wieder passieren könnte...also dürfte der Paragraf vom Wissen der Planung da wohl zutreffen. So würde ich das auslegen. Und so legt das ein Bekannter von mir, der Anwalt ist ebenfalls aus. Ich denke sone Sache ist grenzwertig..die einen sagen so, die anderen so. Recht und Gesetze sind ohnehin IMMER Auslegungssache, ich habe mittlerweile einige GErichtserfahrung und weiss das mittlerweile.

Man muss jedoch kein Jurist sein um mit klarem Verstand und Vernunft über so eine Sache urteilen zu können. An sich weiss Jeder/jede was richtig und wichtig ist, auch traumatisierte Gewaltopfer wissen intuitiv, dass es zwingend notwendig ist einen Straftäter anzuzeigen, sonst wird das alles nix und produziert im Nachhinein noch viel Leid, ein ständiges Unwohlsein und schlechtes Gewissen sich selber und anderen ggü und ggf. sogar noch neue Straftaten, die hätten verhindert werden können. Mir wäre mein reines Gewissen zumindest so wertvoll um auf Nummer Sicher zu gehen und ALLES in meiner Macht stehende zu tun um einen Straftäter anzuzeigen und seiner Strafe zuzuführen. Zumindest versuchen muss man es..auch wenn es unbequem für einen ist, auch wenn man dazu seine inneren Ängste besiegen muss (was an sich ja das Wichtigste an der SAche ist..da sollte man durch, sonst ist man nicht lebensfähig!) auch wenn man nicht immer Erfolg damit hat..aber hat man es versucht bleibt der Schwarze Peter nicht bei einem selber kleben.
Was passiert ist ist passiert...es hat eine Straftat stattgefunden und auf diese Aktion muss irgendwie ne angemessene Reaktion erfolgen, sonst siegt ja das Böse..sowas passt nicht in mein Weltbild..in meinem Umfeld kommt sowas halt nicht vor..und ein Einzelner kann an sich schon sehr viel dahingehend bewirken und wenn jeder das so konsequent und unerschrocken täte wie ich und einige andere Menschen, so wäre die Welt ein stückweit sicherer. Ich denke sowas kommt nur von der Basis her und der Achtsamkeit und dem Engagement Einzelner in ihrer Umgebung...erst dann ändert sich was, zieht auch weitere Kreise bis ins Rechtssystem und die Politik hinein.
Oft sehen Gewaltopfer nur sich selber...aber ich sehe sie immer im Kontext einer sozialen Gemeinschaft...Wenn einem einzelnen Unrecht geschieht ist das immer auch ein Schlag gegen alle, gegen eine soziale Gemeinschaft. WEnn man anfängt Regelbrecher zu dulden....fängt es an mit dem inneren Zerfall. Ein Gewaltopfer muss lernen für sich zu kämpfen against evil..gegen Aggressoren und damit kämpft es gleichzeitig für den Erhalt eines größeren Ganzen, das in meinen Augen erhaltungswürdig ist.
Wir leben nicht in der besten aller Welten aber relativ sicher, setzen aber indem wir schlechten Menschen, REgelbrechern zu viel Freiraum geben auch diese Sicherheit, die zwar verbesserungswürdig ist, die wir aber bereits haben aufs Spiel.

Es wäre wünschenswert wenn viel mehr Leute Courage zeigen würden sich mal einzumischen.
Moralisch bringt man andere Leute eh in Teufels Küche wenn man ihnen erzählt Mr. X oder Y ist ein Straftäter hat was Schlimmes getan, aber niemand geht gegen ihn vor. Ich habe das jedenfalls immer so gesehen und Menschen, die mich um HIlfe baten und mich über Straftaten unterrichteten dieses moralische Dilemma ganz klar und überzeugend verklickert. Mein Dilemma war ja auch das Dilemma des Opfers...Bei gleichzeitigem Vorschlag gemeinsam etwas zu unternehmen, der so gut wie immer dankend angenommen wurde, war dieses Dilemma an sich recht gut zu lösen. Bekloppterweise fühlen sich Gewaltopfer zunächst eher ggü dem Täter verpflichtet...diese Typen haben oft ne immense Macht über ihre Opfer und sie ziemlich indoktriniert, sich ggü versklavt im Denken und Tun...da ist ersmal einiges an Aufbauarbeit in Sachen Reaktivierung der Gehirnwäsche und Aktivierung der Reflexion und eigenen VErnunft nötig, damit ein Gewaltopfer erkennt, dass grad ne Anzeige wichtig ist um diese Macht des Täters ein für allemal zu brechen. Solange keine Abwehr erfolgt bleibt die Angst vor der Macht des Täters riesengroß.
Ich erinnere mich an meine erste erfolgreiche GEgenwehr gegen meinen damaligen Täter..da hatte es dann Klick gemacht und der schrumpfte zum Zwerg...sowas ist wichtig auf psychologischer Ebene.

Aus intuitiver Sicht ist es eine recht unwürdige Haltung wenn man von einem Unrecht weiss ohne etwas dagegen zu unternehmen (muss ja nicht zwingend Anzeige sein..ich habe mal ne außergerichtliche Wiedergutmachung erwirkt, wo aber hundertpro klar war, dass keine Wiederholungsgefahr bestand) Irgendwo verbleibt man, wenn man nix tut, auf der Täterseite...das beschmutzt das eigene Charma...So was lasse ich nicht an mir kleben. Was andere tun müssen sie selber entscheiden. Ich bewerte das nicht großartig. Jeder muss das mit sich selber ausmachen und mit seiner Entscheidung letztlich selber leben...den eigenen Blick in den Spiegel ertragen. DA ich ein recht moralischer und auch wie mein Freund der Anwalt sagt ein Mensch bin mit einem guten Gespür für Recht und Gerechtigkeit ist für mich glasklar wie ich handeln würde...und bisher bin ich diesen WEg auch immer erfolgreich gegangen. Obwohl ich echt oft auch mal ein Schisshase bin... aber seine inneren Ängste muss man halt immer wieder im Leben überwinden um voranzukommen und nicht unterzugehen. DAs ist nunmal so..entweder man packt's oder wird gepackt und das ggf. auch mal recht unsanft.

Ich war früher auch Gewaltopfer, aber irgendwann muss man Schluss damit machen und anfangen sich da rauszulösen um wie ein erwachsener reifer Mensch zu denken und zu v.a. auch zu handeln.

Gruß
Tyra
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Tyra,

wie gesagt, moralisch steht das für mich außer Frage, dass man da handeln muss. Stillschweigend drüber hinwegsehen geht auf keinen Fall.

Es ging mir wirklich nur um die Rechtslage.

Hast aber schon Recht, theoretisch könnte man das so auslegen, dass die Gefahr besteht, dass der Missbrauch weiter geht und man somit ja von der Planung einer Straftat weiß.

Ist halt die Frage, ob das wirklich strafrechtlich jemand verfolgen würde..
 
Gut, aber das würde ja bedeuten, daß man - wenn ein Straftäter eben das Gefängnistor hinter sich schließt - bei der Polizei auf der Matte steht und das meldet. ( Ich denke, daß die das aber auch wissen! ) Allein aus der Tilgung der Schuld ( Absitzen der Strafe ) kann man nicht eine neue Gefahr zimmern wollen. Was natürlich gerade für einen Rechtsstaat ziemlich blödsinnig wäre. Wir müssen bedenken, daß andere Straftäter wesentlich höher gefährdet sind, als möglicherweise Sexualstraftäter.
Zudem: Was soll die Polizei oder der Staatsanwalt denn machen, wenn ein verurteiletr und abgebüßter Straftaäter entlassen wird? Hinterherlaufen, begleiten.....?
 
Hallo Beate,

also so ganz blick ich da auch nicht durch...

Wichtig scheint die Zusammenfassung zu sein:

"Aus der Garantenstellung ergibt sich für einen Mitarbeiter
der öffentlichen und der freien Jugendhilfe, dass seine Handlungspflicht
dann im Erstatten einer Strafanzeige besteht, wenn mit der Anzeige einer
schon begangenen Straftat eine weitere Straftat an einem Kind mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert wird. Die Strafanzeige ist dann
auch datenschutzrechtlich zulässig."

Das könnte ja dann so in etwa auch für Lehrer gelten...
Ansonsten stand da recht deutlich, dass es keine Pflicht gibt, sowas anzuzeigen.

Und was heißt schon mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit? Wie soll ich das denn vorher wissen?
 
Wenn man ein bißchen überlegt, kann man das sich auch selbst zusammenreimen: Da die überaus meisten Mißbrauchsfälle in der Familie laufen kann es nicht sein, daß ein Familienmitglied zur Anzeige gegen ein anderes Familienmitglied unter Androhung von Strafe gezwungen werden kann. Ist war nicht schön und für das Mißbrauchsopfer sicherlich ein Albtraum - aber es kann nur so sein.
 

Anzeige (6)

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben