das hat nix mit anmassend zu tun, sondern ist schlichtes miteinander leben, wenn man in solchen fällen, wie du es beschrieben hast house, "eingreift".
als die eine familie, die oberhalb von uns wohnte (also ich da noch wohnte), und ich immer wieder hörte, wie die mit ihren kindern umgehen, habe ich mir das zu herzen genommen. zweimal bin ich hoch und habe die eltern gefragt, was das soll, ob sie die kinder umbringen oder was das tägliche geschreie soll. ich habe mich noch kurz mit der frau über erziehungsmethoden ausgetauscht, aber ich konnte nix ändern. meine eltern fanden, man hat sich nicht einzumischen. ich verstehe das auch irgendwie. manchmal gibt es auseinandersetzungen oder streitereieren und man sollte nicht immer zu den leuten hinrennen. aber vielleicht es auch ne frage von grenzziehung. wo ist privatssphäre und wo ist man als mitmensch gefragt, nicht wegzuschauen sondern einzuschreiten.
in diesem fall war die reaktion meines vaters klar, weil er auch ziemlich autoritär drauf ist und selber seine kinder so "erzogen" hat, respektive mehr verständnis für die streitenden eltern aufbringen konnte, als für die "seele" der kinder.
da ich natürlich als kind den ganzen terror erlebt habe und ich noch heute damit stress habe, konnte man mich nicht aufhalten, zu diesen eltern hinzugehen und mit denen ein paar worte zu wechseln. ich sah die kinder schon in meinem geistigen auge, wie sie als jugendliche draufsein werden.
auch mit anderen eltern habe ich im rahmen von nachhilfestunden für ein mädchen mich manchmal unterhalten.
irgendwann mal dachte ich mir, ich kann nicht ständig mich um andere kümmern, da a) nicht sozialarbeiter oder seelsorger und b) verdammt viele einfach abgestumpft sind und mit der super ausrede von "privatsphäre" einfach immer weggucken.
ich hasse zwar dann die welt und wie die leute drauf sind, andererseits kann ich mich nicht gegen den strom stellen. also können schon. und habs auch immer getan. aber ich löffle den scheiss von anderen nicht mehr aus.
aber mich einmischen tu ich schon.
@eufrank
ich finde, du hast auch recht. und ich habe das auch immer im hinterkopf. und das macht es dann noch schwerer.
viele verteilen "gutgemeinte ratschläge", bleiben aber als mensch auf distanz. kümmern sich nicht um das weitere geschehen.
es ist nicht einfach.. aber dennoch denke ich, ist es total normal, dass man sich in seine umgebung mit einbringt, respektive seine umgebung wahrnimmt und mit dieser in einer gewissen interaktion steht.
dieses pseudodistanziertsein finde ich voll schräg, voll unmenschlich und total deplatziert. wie viele menschen mühe haben, wie sie komische mauern aufrichten.
kennt ihr das lied von susan vega "my name is luca"? ich finde es grauenvoll und grausam und wird erwachsenen menschen nicht gerecht, wenn sie wegschauen. pseudogrenzen errichten.
manchmal hat man keine kraft und lässt es deshalb sein oder ist in seinem eigenen "stress" versunken. aber normale menschen mit normalen empfindungen sagen was, mischen sich ein. ich finde das gesund und normal.
wir sind keine bienen in ihren zellen, die von irgendwelchen "führern" angeleitet werden. wir sind menschen. und trotz betonmauern, die sich wohnung nennt, sehe ich mich als gemeinschaft. und es ist mir dann auch egal, ob ich als mensch von den anderen respektiert werde oder nicht. und ich schätze menschen, die das auch so machen.
es ist mein verständnis als mensch, der noch nicht abgestumpft ist, mich in eine gesellschaft einzubringen.
woran ich höchstens arbeite, ist meine kompetenzfähigkeit und deeskalationskenntnisse. aber mich nicht einzumischen? nein! da schau ich nicht weg und werde es nicht.
wir können nicht jeden scheiss den behörden oder ämtern abschieben. wie in der schule. die lehrer zeigen auf die eltern, die eltern auf die lehrer, usw. und derweil werden die kinder gestresst. ich finde das abnorm. ich war - wenn ich zurückdenke - für jede menschliche einmischung dankbar. ich war als jugendliche immer über die kalte schulter anderer sehr betrübt, sehr enttäuscht. ich verstand es nicht.
ich hatte das auch auf parties. als ich das erste mal auf einer unifete war und sah, wie man zugefüllte studenten einfach liegen liess.
ich weiss nicht, ich finde.. man muss aufpassen.... man stumpft ab, grenzt sich immer mehr ab, schweigt immer mehr.
es muss ja jeder für sich wissen. ich finds nicht human. und ich bin kein roboter. und ich werde als erwachsene in einer gesellschaft agieren und reagieren. da kann mir noch eine mutter oder vater kommen und sagen, ginge mich nichts an. weder die kinder noch erwachsene sind eigentum von irgendwem und können so nicht behandelt werden. und danach handle ich auch.
anmassend sind vorurteile, urteile, besserwissertum. das aufstülpen der eigenen sichtweise auf andere. im sinne von, wenn du nicht in meinen mokassins gelaufen bist, dann halt auch die klappe.
aber davon rede ich hier nicht. sondern das einfach normale miteinanderleben (was heutzutage ja scheinbar voll problematisch scheint).
viele sind auch schon so sehr abgestumpft oder schieben selber paranoia, dass man einfach so als hüllen nebeneinander her lebt. es scheint einfacher zu sein, sich in seinen vier wänden abzugrenzen. ich mag auch nicht die verantwortung für andere übernehmen, aber wenn in meinem direkten umfeld was geschieht und ich nicht mit 40grad fieber im bett liege, dann ist klar, dass ich was sag. klar, für viele ist glotze oder sonstwas wichtiger. und viele kommen dann auch mit dem argument, "unsere kultur", oder "meine familie".
da scheiss ich drauf: wenn erwachsene ihren frust an kindern auslassen oder menschen sich gegen andere S**** benehmen, gibt es für mich keinen halt. basta. und ich bin immer dankbar für menschen gewesen, die gleich reagiert haben.
ich wurde auch schon von menschen liegengelassen. da läuft es mir kalt den rücken runter. oder sogenannte "freunde", die einen einfach hängen lassen.
als mensch bin ich noch nicht tot. und ich hoffe, das bleibt so!