Meine Mutter ist gestorben als ich ungefähr 10 Jahre alt war. Spätestens an dem Punkt war mir klar, dass ich an Gott und seine Welt nicht glauben kann. Andere hier meinen, dass man durch einen Schicksalsschlag zu Gott finden kann. Da bin ich wohl bis jetzt resistent gewesen.
Andere Leute in einem anderen Forum erzählten mir was von: Es hat alles einen Sinn usw. Möchte mal wissen, welchen. Ach nein, möchte ich nicht. Verstehen werde ich es eh nicht. Für mich macht ihr Tod nämlich überhaupt keinen Sinn. Warum sollte ein junges Mädchen seine Mutter verlieren? Und bitte keine Sprüche mehr wie "Gottes Wege sind unergründlich" oder so.
Das sind keine Sprüche. Es gibt genügend Menschen, die schlimme Schicksalsschläge erlebt haben und trotzdem oder sogar gerade deswegen gläubig sind. Es gibt einen Unterschied, ob man nicht glauben KANN oder nicht glauben WILL. Können tut man nämlich
alles, was man will.
Und natürlich hat der Tod einen Sinn. Oder wo willst Du mit den ganzen Menschen hin, wenn niemand sterben würde?! Ich bin froh, dass es so ist, wie es ist, und wir nicht Zustände wie in "Flucht ins 23. Jahrhundert"
(wo man mit über 30 aufs sog. "Karussell" kommt...) oder der "Insel" haben... wobei sowas ja alles noch kommen kann...
Alles im Leben ist eine Frage der inneren Einstellung.
Ich hab auch mal an Gott gezweifelt. Als ich mir meinen Großonkel betrachtet habe, der nach einer Beinamputation im Alter von 72 Jahren noch wieder schwimmen und radfahren gelernt hatte und selbst nach der zweiten Beinamputation noch optimistisch und lebensfroh war, aber dann aufgrund von Komplikationen gestorben ist. Natürlich war dieser Mensch alt, aber ich fand es damals so unfair, dass jemand sterben musste, der sein Schicksal so wunderbar gemeistert und angenommen hatte.
Aber ich habe nie gesagt, dass es Gott nicht gibt. Ich habe nie den Kontakt abgebrochen. Ich habe lediglich gehadert und gesagt, lieber Gott, wenn es dich gibt, dann...
Und letztlich hat Gott mir immer zu gezeigt, dass es ihn gibt...
Aber solche Dinge sind zwangsläufig IMMER Interpretationssache... Atheisten sagen: Zufall, Gläubige sagen: Gott hat sich mir gezeigt. Man muss eben glauben wollen. Wenn man nicht will, dann hilft eben alles nichts.
Und um auf Deine konkrete Frage zu antworten, warum ein junges Mädchen seine Mutter verlieren sollte?! Nun, so war es meiner Großtante jedenfalls auch gegangen, ich glaub, sie war damals 11. Und das war nicht der einzige Schicksalsschlag. Und ich kenne auch andere Leute, die schlimme Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, trotzdem war der Glaube immer ihr Halt.
Man kann solche Fragen nicht beantworten, denn diese Fragen beantworten sich erst in der Ewigkeit, dann, wenn wir ALLES überblicken können, was wir nun mal heute mit unserem begrenzten Erdenverstand nicht überblicken können...
Ich weiß nicht mehr, wo ich es erst vor kurzem gelesen hatte, aber es gab so eine nette kleine Geschichte von zwei Engeln, die erst bei reichen Leuten übernachten, wo man sie nur im Keller auf Stroh schlafen lässt, und wo der junge Engel dann sieht, dass der Ältere nachts einen Riss in der Wand verschließt, und dann übernachten sie bei armen Leuten, wo sie total toll bewirtet und umsorgt werden, und dort stirbt in der Nacht die Kuh, die der Lebensunterhalt der Leute war. Der junge Engel fragt dann den Älteren, warum er bei den Reichen den Riss geflickt hat und dort die Kuh sterben ließ, und der Ältere erklärt ihm, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Er hat den Riss geflickt, weil er sah, dass dahinter eine Goldader verlief, und die hätte diese Leute erst recht verdorben, und bei den armen Leuten sollte eigentlich der Ehemann sterben, und der Ältere konnte dann mit dem Tod so weit verhandeln, dass er stattdessen eben nur die Kuh mit sich genommen hat...
Dies ist nur eine Geschichte. Aber es ist doch tatsächlich so: Auf den ersten Blick erscheinen die Dinge anders, als man es vielleicht unter normalen Umständen überblicken kann...
Hat nicht jeder von uns im nachhinein auch oft genug schon gesagt, dass irgendwas, was er in dem Moment total schrecklich fand, dann doch gut so war, wie es gekommen ist?! Also mir ist es schon häufiger so gegangen.
Und wenn ich an meinen Großonkel denke, ich hätte mir nicht vorstellen können, wie es mit zwei amputierten Beinen hätte weitergehen sollen... Und meiner Großtante geht es prima, sie hat mit einem anderen Mann noch Dinge erleben können, die sie sonst nie erlebt hätte. Trotzdem ist der Mensch ja nicht vergessen, und vielleicht pflegt man "spirituell" sogar eine engere Beziehung zu dem Menschen, als man es zu Lebzeiten gekonnt hätte...
Natürlich kann man sich fragen, wo ist der Sinn, wenn Morde, Vergewaltigungen, Naturkatastrophen etc. passieren... aber das ist müßig und bringt absolut nichts. Ich bin der Überzeugung, dass alles einen Sinn hat, aber wir diesen einfach aus unserer beschränkten Sicht heraus nicht erkennen können.
Und wie oft hab ich früher mit Gott gehadert, warum er mich nicht "normal" machen konnte, warum ich diesen Geburtsfehler haben musste, weshalb ich in meiner Kindheit so sehr gehänselt wurde und von meiner Mutter komplett abgelehnt...
Trotzdem finde ich das Gefühl manchmal sehr tröstlich, genau zu wissen, dass Gott sich etwas dabei gedacht hat, und dass er mich genau SO haben wollte, wie ich jetzt bin. Es war sein Plan, auch wenn ich ihn nicht verstehe... ER liebt mich, er ist vielleicht der einzige, der mich wirklich liebt... und es wird schon einen Sinn haben. Ich denke oft, dass ich wahrscheinlich ein total überheblicher arroganter Mensch geworden wäre, wenn das Schicksal nicht diesen Weg gegangen wäre. Ach, ich will gar nicht wissen, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich "normal" oder vielleicht sogar ganz objektiv attraktiv ausgesehen hätte.
Jedenfalls gibt es genügend Menschen, die ihre wirklich schlimmen Schicksalsschläge im Glauben ertragen und für die der Glaube dann Trost und Halt ist, ohne den sie in ihrer Trauer und in ihrem Elend zugrundegehen würden... so haben sie ihren Glauben und die Hoffnung darauf, den geliebten Menschen ja irgendwann wiedersehen zu können... und sie vertrauen darauf, dass sie in Gottes Hand geborgen sind, Er sie liebt und dass Gott alles zum besten fügt.
Ach ja, da fällt mir noch eine andere Geschichte ein, an die hab ich schon Jahre nicht mehr gedacht... hmm, krieg ich doch noch zusammen... also, die ging in etwa so:
Ein hoher Herr und sein Diener waren im Dschungel unterwegs, und der Diener hatte die Angewohnheit, bei allem zu sagen, Gott fügt alles wunderbar... Auch als der Herr sich versehentlich einen Daumen abschnitt, sagte der Diener, Gott fügt alles wunderbar... und da hat ihn der Herr -verständlicherweise - weggejagt...
Später wurde er von Eingeborenen gefangen, die ihn irgendeiner Göttin opfern wollten, aber als sie sahen, dass ihm ein Daumen fehlte, sagten sie, der ist nicht vollkommen, den können wir nicht opfern, und ließen ihn laufen. Da erinnerte sich der Herr an die Worte seines Dieners, suchte diesen und entschuldigte sich bei ihm. Der Diener aber sagte, er brauche sich nicht zu entschuldigen, es sei schon alles okay gewesen... hätte er ihn nicht verjagt, wäre er ja der Göttin geopfert worden, schließlich fehle ihm kein Daumen... Gott füge eben alles wunderbar...
😉
In diesem Sinne:
LG.
Nohope.