Hallo Marie,
Also ich bin auch Vertreter der Meinung, dass die Menschen NICHT allein Schuld am Klimawandel sind.
Ich hab selbst bis vor 5 Jahren als Geowissenschaftler in der Klimaforschung gearbeitet. Im nächsten Jahr will ich in dem Bereich weiterarbeiten - und wenn ich mir anschaue, wie sich in den letzten 5 Jahren die Prognosen verändert haben, dann muss ich sagen, dass die Erwartungen sehr viel schlechter geworden sind.
Klima ist ein überaus komplexes System. Man hat darum als Laie eigentlich keine Möglichkeit selbst zu beurteilen, was stimmt und was nicht. Man kann nur schauen, ob die Quellen, denen man glaubt seriös sind. Seriöse Quellen sind sicherlich die UNEP, der Club of Rome, und die Berichte renomierter Forschungsinstitute. Hier in Deutschland besonders das Wuppertal Institut oder das Alfred-Wegener-Institut in Bremen und das GEOMAR in Kiel. Auch das Potsdam Institut.
Mein Fachgebiet ist die Rekonstruktion des Klimas in der Vergangenheit. Ich kann darum mit Sicherheit sagen, dass es zwar gundsätzlich stimmt, dass Klimawandel normal ist. Überhaupt nicht normal ist aber die Geschwindigkeit des Klimawandels im letzten Jahrhundert.
Ein Beispiel von Vielen wäre die letzte Eiszeit, die so vor 13.000 Jahren endete. Das passierte nicht aprupt, sondern begann so vor 15.000 Jahren und dauerte bis vor 7.000 Jahren - an manchen Stellen sogar bis vor 5.000 Jahren. Das war damals eine natürliche aber trotzdem sehr schnelle Klimaveränderung - die 8.000 Jahre lang dauerte. In diesen 8.000 Jahren hat sich die Jahresmitteltemperatur in der Antarktis um knapp 6 Grad Celsius erhöht.
Wie gesagt, ich kenne mich mit dem Klima in der Vergangenheit aus, mit den Folgen des Klimawndels weniger, aber 6 Grad Temperaturunterschied in der Antarktis bedeuten -salopp gesagt- den Unterschied zwischen einer 20 Meter dicken Eisschicht über Deutschland oder den grünen Wälder die wir jetzt haben.
Wenn man sich nun dagegen die Erwärmung der letzten 100 Jahren anschaut, dann sieht das anders aus. Nur innerhalb des letzten Jahrunderts hat sich die Temperatur schon um knapp 1 Grad Celsius erhöht. Das muss man schon als katastrophal bewerten. Bis zum Ende des Jahrhunderts befürchtet man nun weitere 2 bis 5 Grad. Das ist eine Situation, die es zuvor noch nicht gegeben hat. Auch nicht in den erdgeschichtlichen Katastrophen, von denen wir aus der Vergangeneheit wissen. Es kann darum nicht natürlichen Ursprungs sein, was jetzt gerade passiert. Wenn es allerdings zusätzlich natürliche Faktoren gibt, die den Klimawandel auch noch beschleunigen - dann ist das um so schlimmer.
Wir leben jetzt und hier in einer in der Erdgeschichte einmaligen Situation. In historischen Zeiträumen gesehen, verändert sich das Klima ungewöhnlich schnell - in geologischen Zeiträumen gesehen verändert es sich aber explosionsartig.
Das lässt sich nicht wegdiskutieren und es wäre sehr unwahrscheinlich, wenn die Folgen für das globale Ökosystem und für unsere Zivilisation nicht von gravierend bis katastrophal sein werden. Das ist zu erwarten, da sich unsere Zivilisation in den letzten 5.000 Jahren nur entwicklen konnte, weil das Klima sehr stabil war. Wenn sich das ändert, wird es zum Beispiel sehr schwierig werden, Landwirtschaft zu betreiben.
Die Klimaveränderungen waren in den letzen Jahrzehnten übrigens in jedem Fall höher als von den seriösen Wissenschaftlern prognostiziert wurde. Was die Bildzeitung dazu schreibt, mag etwas anderes sein.
Die seriösen Prognosen gehen in die Richtung, das in den nächsten 10 Jahren eine Kehrtwende im Energieverbrauch gelingen muss, um die schon eingetretenen Folgen der vergangenen Fehler einzudämmen.
Es gibt dazu ja auch gute Konzepte, wie man reagieren kann.