Eine Garantie hast du ja grundsätzlich nie, egal ob ähnliches Alter oder größerer Altersunterschied. Und ja, auch ein gleichaltriger Partner kann jung schwer erkranken. Also geht es hier darum, das Alter für ein durchschnittlich gutes Miteinander zu beleuchten.
Ich glaube, dass (Ausnahmen mag es immer geben) viele einen großen Altersunterscheid nicht wirklich zu Ende denken und auf dieser Basis dann sagen, dass "es doch völlig egal sei, wie alt man ist" und dann zig Allgemeinplätze folgen "Man ist so alt wie man sich fühlt" "Das Alter ist doch nur eine Zahl auf dem Papier" etc. pp. Die wenigsten haben tatsächlich Erfahrungswerte und einen großen Altersunterschied auch bis ins höhere Alter erlebt. Und genau das ist der Knackpunkt. Anfangs spielt der wohl tatsächlich eher eine untergeordnete Rolle. Im Alter dann wird die Differenz dann aber eben doch nicht selten zum Problem.
Tatsächlich war ich in jungen Jahren mit einem deutlich älteren Mann zusammen. Uns trennten 25 Jahre, zusammengekommen sind wir als ich 25 war und angedacht war das von mir eigentlich nur als kickige Affaire. Es entwickelte sich dann aber doch anders - wir wohnten ein paar Jahre zusammen. Meine eigene Wohnung hab ich trotzdem immer behalten. Menschlich war diese Person wirklich eine der feinsten Personen, die ich bisher kennenlernen durfte. Aber es gab auch diverse Nachteile:
Er war fast so alt wie meine (sehr konservativen) Eltern. Entsprechend groß war die Empörung, wie ich nur... Obwohl wir einige Jahre zusammen waren, wollten meine Eltern und auch der Rest meiner Familie ihn nicht kennenlernen und sie haben das auch bis zur Trennung durchgezogen. Alles war kompliziert.
Dafür war ich dann so jung wie seine beiden Söhne. Der ältere hat ein Jahr nach mir an meiner Schule Abi gemacht. Wir kannten einander.. ich hab mich mit beiden in der Beziehung mit ihrem Vater super verstanden. Und tatsächlich haben wir sogar mal zusammen mit seiner Ex-Frau Weihnachten gefeiert. Das war schon irgendwie strange.
Die Kinderfrage stellte sich nicht offen. Er war mit 2 erwachsenen Söhnen fertig mit der Planung. Mir war aber immer klar, dass ich mal Familie haben wollen würde. Am Ende hab ich mich auch deshalb getrennt, obwohl er sogar nochmal offen gewesen wäre, um die Beziehung zu retten. Ich nicht; ich wollte einen Vater für mein Kind, das von ihm auch noch etwas hat.
Tierisch auf den Geist ging mir, dass wir regelmäßig für Vater und Tochter gehalten wurden und auch das Getratsche in unserem Umfeld.
Gerne werden auch immer Promi-Paare beispielhaft angeführt als Beleg dafür, dass "es ja funktionieren kann". Da denke ich dann immer, dass da wohl jemand zu lange beim Frisör war. Die Promi-Welt ist zudem eine gänzlich andere. Und selbst da muss es nicht klappen - erst kürzlich konnte man ja sehen, dass Brigitte Macron ihrem Mann sogar eine gepfeffert hat, auch wenn später versucht wurde, das zu bagatellisieren. Maria Furtwängler hat sich von Hubert Burda getrennt - ich möchte wetten, dass der nächste Partner nicht auch jenseits der 80 ist. Ganz sicher erwartet sie noch etwa vom Leben und da geht es spätestens ab 70 nun einmal naturgemäß bei den meisten ganz schön bergab. Eine Heidi Klum dreht schon jetzt am Rad und hält zu jeder Gelegenheit ihre Brüste in die Kamera, um jedem zu zeigen, wie sexy sie noch ist. Ihren jungen Waldschrat finde ich zwar gänzlich unattraktiv, dennoch scheint er sie oder eher sie sich massiv unter Druck zu setzen.
Und genau das ist der Knackpunkt. Was mit 20/30 und 20/25 Jahre älterem Partner noch kickig sein mag (z. B. Lebenserfahrung, Verständnis, wirtschaftliche Situation oder auch die sexuelle Erfahrung) wird mit 50 und dann eben 70/80 plötzlich ganz anders. Der eine noch in der Blüte seines Lebens und der andere schon mit vielen Zwickern und Zwackern, man ist nicht mehr so leistungsfähig und belastbar und auch die Krähenfüße lassen sich nicht mehr verdecken: Es entsteht nicht selten ein enormer Druck, weiterhin mithalten zu können. Das stelle ich mir unglaublich anstrengend vor.
Der Mann, von dem ich oben erzählte, ist übrigens mittlerweile verstorben. Wären wir zusammengeblieben, wäre ich mit 50 Jahren Witwe gewesen.
Mit meiner heutigen Erfahrung zum einen dieser Beziehung damals, aber eben auch meinen mittlerweile 60 Jahren und den eigenen Zipperlein würde ich um nichts in der Welt mehr einen solchen großen Altersunterschied eingehen. Ein paar Jahre okay, aber das ist es dann auch. Dafür müsste ich mir auch keinen Personalausweis zeigen lassen, da reicht schon ein genauerer Blick für eine ungefähre Einschätzung. Mein Mann ist übrigens 3 Jahre jünger als ich - passt auch. 😎