Hallo,
zunächst möchte ich sagen, dass du auf mich einen sehr selbstreflektierten Eindruck machst. Das find ich gut. Ich denke, du bist auf einem guten Weg und solltest schauen, da weiterzugehen und nicht aus Angst oder Bequemlichkeit, doch wieder alles beim Alten zu lassen.
Aber erstmal zu deiner Geschichte.
'wildere' Phase
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noch nie eine Beziehung
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wollte auch kein Junge mehr als nur Sex
Klingt ein bisschen so, als hättest du inzwischen gemerkt, dass dich dieses Leben nicht so richtig glücklich macht...
Allerdings habe ich Anfang dieses Jahres einen Jungen kennengelernt, der von Anfang an starke Gefühle für mich hatte. Ich lies mich mit ihm ein, sagte ihm aber, dass ich keine Beziehung möchte, weil mir von Anfang an bewusst war, dass er mehr empfindet als ich.
Auch wenn heutzutage oft die Ansicht vertreten wird, dass das okay ist, solange man ehrlich ist, glaube ich, du spürst, dass es eben nicht okay ist, auch wenn er wusste, was Sache ist. Eine solch prekäre, brüchige "Quasi-Beziehung" zu führen, immer in der Angst, dass es einfach von heute auf morgen vorbei sein kann, immer mit dem Druck, nur ja nichts falsch zu machen um den "Partner" nicht zu verlieren, sowas zerstört ganz langsam die Seele (die wahrscheinlich eh schon ziemlich angeschlagen ist, sonst würde man sich kaum auf sowas einlassen).
Ich versprach ihm auch, mich nicht parallel mit anderen Typen einzulassen. Bis Juli, also etwa 6 Monate, funktionierte das gut, ich war glücklich, wenn ich bei ihm war und hab jede Minute mit ihm genossen, mehrmals hatte ich ernsthaft überlegt doch eine Beziehung mit ihm einzugehen, schliesslich war es ja schon fast eine Beziehung, dadurch, dass wir uns dauernd gesehen haben und ich ja eingelenkt hatte nichts mit anderen anzufangen.
Das deutet stark darauf hin, dass du für ihn (schon damals) viel viel mehr empfunden hast, als für jeden anderen vorher! Eigentlich ein sehr guter Grund, endlich tatsächlich eine Beziehung einzugehen. Aber deine Angst stand dir wohl im Weg. (Angst ist kein guten Ratgeber!)
Ich wurde dann von einem Typen von meiner Schule, den ich schon laaaange wirklich richtig attraktiv fand und teilweise sogar Sexträume von ihm hatte, zu ihm nach Hause eingeladen. Mir war relativ bewusst was dort passieren würde - und ich bin trotzdem gefahren.
Du weißt selber, dass das Mist war. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das ein seltsamer Versuch war, dich selbst zu schützen. Und zwar vor deinen eigenen Gefühlen. Du musstest diese Gelegenheit ergreifen, dir zu beweisen, dass du innerlich immer noch "frei" genug bist, mit jemand anderem ins Bett zu steigen. Du hattest vielleicht Angst, deine Gefühle für ihn könnten zu stark werden, so dass du sie nicht mehr unter Kontrolle hast. Kann das sein?
Anschliessend hab ich das mit Ersterem beendet, weil ich gedacht habe, dass, wenn ich wirklich auch nur annähernd Gefühle für ihn gehabt hätte, es mir nicht so einfach gefallen wäre, mit einem anderen Typen zu schlafen, bei dem übrigens schon von Anfang an klar war, dass da nicht mehr als Sex passieren würde. Ich habe es wohl einfach auf die Langeweile geschoben, ich hatte nämlich vorher nie so lange Zeit nur etwas mit einem.
Erstmal find ich es gut, dass du direkt ehrlich warst und nicht weiter versucht hast, ihn dir warm zu halten, ohne tiefere Gefühle zu investieren. Deine Schlussfolgerungen halte ich jedoch nicht zwingend für richtig. Dass es dir so leicht gefallen ist, mit dem anderen zu schlafen, heißt nicht zwangsläufig, dass du für ihn wohl nicht so viel empfunden hast. Du wolltest evtl. die Gefühle für ihn einfach nicht zulassen, nicht zu stark werden lassen. Das ist fast das Gegenteil. Du hast dich nicht deshalb auf den anderen eingelassen, weil du zu wenig Gefühle für IHN hattest, sondern weil die Gefahr bestand, zu viele Gefühle für IHN zu entwickeln. Das scheint mir viel wahrscheinlicher.
Er hat mich dann tagelang auf allen möglichen Netzwerken zugespamt, dass ich ihn bitte zurücknehmen solle. ich habe es meistens ignoriert oder verneint.
Find ich gut, dass du da erstmal konsequent geblieben bist.
Naja mittlerweile denk ich anders über diese Geschichte. Ich glaube, ich wollte mich nicht mit etwas ernsthaften, mit ernsthaften Gefühlen und einer andauernden Beziehung (egal, welcher Art) beschäftigen und habe quasi die Flucht in das für mich unkompliziertere Bekannte gewählt.
Du hast inzwischen also ähnliche Schlüsse gezogen, wie ich oben.
🙂
Ich vermisse ihn, bin mir mittlerweile über meine gefühle bewusst und bin selber schuld. Seitdem ich das beendet habe, hatte ich nur auch nur einmal Sex, vor über 4 Monaten - ein persönlicher Rekord. Ich weiß nicht, seit ihm habe ich keine Lust mehr auf diesen unverbindlichen, schnellen Sex.
Das ist doch toll! Jetzt mach bloß nicht den Fehler, und versuche mit aller Gewalt ihn zu vergessen, damit du wieder Spaß am unverbindlichen, schnellen Sex gewinnst! Merkst du nicht, dass das ein riesen Fehler wäre? Du bist nicht dann frei, wenn du mit jedem x-beliebigen ins Bett steigen kannst, sondern du bist frei, wenn dich deine Ängste nicht daran hindern, dich auf andere einzulassen, wenn dich dein Misstrauen nicht daran hindert, deine Gefühle zuzulassen.
Ich weiß, dass er etwas besseres als mich verdient hat, weswegen ich auch keinen Kontakt aufgebaut habe und es auch nicht vor hatte.
Warum hast du so eine schlechte Meinung von dir? Du hast zwar Recht damit, dass er was Besseres verdient hat, als eine prekäre "Quasi-Beziehung", wie ihr sie hattet, aber ich bin sicher, dass du ihm mehr geben kannst. Du musst dich nur trauen. Du musst es dir zutrauen. "Er hat was Besseres verdient", ist ein billige Ausrede um nicht an sich arbeiten zu müssen. Um nicht das tun zu müssen, wovor man Angst hat!
...aber ich denke darüber nach ihm einen Brief zu geben wo genau das drin steht was ich auch hier eben geschrieben habe: Ich war/bin immer noch zu unreif mich auf etwas neues, besseres einzulassen, es war nicht seine Schuld und ich habe mich nie mit ihm gelangweilt. Ich weiß nicht wieso, aber auf einmal ist es mir unglaublich wichtig, dass er all diese Sachen weiß.
Ich kann verstehen, dass es dir wichtig ist, dass er das weiß. Er ist dir wichtig und du willst ihm klar machen, dass er keine Schuld hat. Einerseits denke ich auch, dass es sehr gut und wichtig für ihn wäre, darüber bescheid zu wissen. Zu wissen, dass du ihn wirklich gern hast, aber einfach (noch) nicht dazu fähig, dich auf eine Beziehung einzulassen. Grade weil du ihn so magst, kannst du nicht. Ich sehe aber auch die ganz große Gefahr, dass er sich dann wieder noch mehr Hoffnungen macht, du es aber nicht wirklich schaffst deine Ängste zu überwinden und ihn deshalb immer weiter verletzt.
Das Verkehrteste, was ihr m. E. machen könnt, ist, einfach da weitermachen, wo ihr vor diesem "Ausrutscher" wart. Selbst wenn er das will und vorschlägt oder gar einfordert. Tu ihm das nicht nochmal an, dass du mit ihm quasi eine Beziehung führst, wo du dir aber alle Türen offen lässt, indem du sagst, dass du gar keine Beziehung willst. Wenn du nicht bereit bist, irgendwie an deiner Beziehungsangst zu arbeiten, wenn du weiterhin glaubst, die größere Freiheit bestünde darin, dich nicht zu binden, dann lass es.
Alles Gute
M.