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manual-mode
Gast
@manual mode: Leider sind bei mir eine Menge Freizeitvergnügungen, Geselligkeiten sehr mit Alkoholkonsum verknüpft. Und das schon seit meiner Jugend. Ich bin sehr schüchtern und ängstlich und der Alkohol hilft mir Hemmungen abzubauen und einfach mal albern und easy sein zu können.
Weil ich fürchte dass ich mich in bestimmten Situationen zu leicht zum trinken verführen lasse, so vermeide ich diese Situationen. Das führt leider bei mir dazu dass ich mich sehr zurückziehe, was mir im Prinzip gar nicht so viel ausmacht, da ich Hobbies habe und ich bin ja auch Mutter und allein diese Tatsache reicht ja um sich nicht total zu verkriechen! Aber richtig zufrieden bin ich nicht. Schätze mal dass ich mich erst mal richtig dran gewöhnen muss.
Ich tröste mich dann mit Gedanken wie: "gefeiert hast du schon genug in deinem Leben" etc...
Ich kenne das sehr gut. Im Grunde pflege oder pflegte ich keine Freundschaften während der Woche, nur am Wochenende und da war, seit ich 14 Jahre alt war, immer Alkohol mit im Spiel. Ich musste nur in letzter Zeit feststellen, dass mein Verhalten bei starkem Alkoholkonsum immer durchgedrehter und verrückter wurde. Ich war schon zu Beginn eines Abends, an dem ich mir sicher war, Alkohol zu trinken, richtig euphorisch und überdreht, im Alkoholrausch steigerte sich das noch zusätzlich.
Außerdem war auch ich, so wie du es beschreibst, sehr schüchtern, ängstlich und zurückhaltend und der Alkohol war beinahe meine einzige Möglichkeit, mit Menschen des anderen Geschlechts in Kontakt zu treten.
Doch irgendwann kommt der Tag, an welchem man sich fragt: "Ist das wirklich, was ich mir für mein Leben vorgestellt habe? Ein regional bekannter Trinker, mit dem Jeder mal gesoffen haben will? Den manche Menschen gar nicht nüchtern kennen und denken, er wäre immer betrunken? Bin ich nüchtern so langweilig oder uninteressant? Möchte ich nur kurzfristige Affären haben, nur schnellebigen Spaß?"
Mit einem solchen Leben ist es doch wie bei einem Besuch in einem namhaften Fastfood-Restaurant: Man geht hin, haut sich die Hucke voll und fühlt sich für einen kurzen Zeitraum gut. Doch schon kurz danach geht es einem schlecht. Die große Zufriedenheit, die länger anhält und einem ein gutes Gefühl gibt, bleibt dennoch aus.
Die Schwierigkeiten bei der Abstinenz sind unter Anderem natürlich das Umfeld, das selbstverständlich weiterhin tut, was man gemeinsam tat. Die Gewohnheit Alkohol zu trinken oder besser gesagt ihn dazu zu missbrauchen, mit ihm Unsicherheit und Angst zu verlieren. Und nicht zuletzt die Angst, ohne den Alkohol nicht tun zu können, was man gerne tun möchte.
Und das, obwohl Alkohol uns in keiner einzigen Situation zu besseren, stärkeren, cooleren, sexieren oder intelligenteren Menschen werden lässt, sondern eher zum Gegenteil.
Was hast du eigentlich jetzt vor, da du abstinent sein möchtest? Wo möchtest du hin? Hast du ein bestimmtes Ziel? Denn ich glaube die Besänftigung deiner inneren Stimme, mit dem Satz "Ich habe in meinem Leben schon genug gefeiert" wird nicht für immer herhalten.
Suchst du nach Beständigkeit, Stabilität, persönlicher Verwirklichung oder willst du einfach nur nichts mehr trinken?
Ich wünsche dir auf alle Fälle viel Glück dabei!
Gruß
M-m