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30 Jahre - First World Problems...?

native86

Neues Mitglied
Guten Tag,
es ist mal wieder Montag und Montage waren schon während meiner Arbeits-Zeit immer so lala aber aktuell sind diese zum jetzigen Zeitpunkt der reinste Horror.
Kurz zu mir: 30 Jahre, männlich, Fernbeziehung, Master Betriebswirtschaft/Produktentwicklung, seit 01.06. arbeitssuchend, letztes Jahr um dieselbe Zeit noch voller Erwartungen und Tatendrang mein Leben in die richtigen Bahnen zu lenken.

Kurz zu meiner Vita:

Habe vor etwa 3,5 Jahren meinen Master gemacht und bereits ein halbes Jahr als Produktmanager gearbeitet. Während des Studiums noch zwei Auslandssemester und Abschlussnote 1,8. Alles super.
Problem war immer, dass meine Freundin auf Lehramt in einem anderen Bundesland studiert hat und wir durch Studium, etc. nun insgesamt bis heute schon fast 10 Jahre eine Fernbeziehung führen. Nach 3,5 Jahren Arbeit als Produktmanager habe ich mich nun auch nach einem neuen Arbeitgeber umgesehen. Ich wollte die Chance gleich nutzen, um zu sehen, wie mir die Arbeit im Vertrieb zusagt, da ich als PM nie so 100% erfüllt war.
Bereits im September des vergangenen Jahres hatte ich einen Arbeitgeber gefunden. Hier starten aber auch all meine Probleme:

Meine Freundin hat aufgrund unserer Vergangenheit im September 2016 unsere Beziehung in Frage gestellt. Alte Probleme kamen wieder auf den Tisch und „so richtig voran“ kommen wir ja eh nicht. In 10 Jahren Fernbeziehung lief eben einiges schief und ich habe zugegebener Maßen auch oft Entscheidungen sehr eigensinnig getroffen. Bis Weihnachten hatten wir uns wieder gefangen, aber in der Zwischenzeit hat sie ihr Referendariat in ihrem Heimatdorf angetreten und ich habe 2 Autostunden entfernt meinen Job im Vertrieb begonnen. Nunja, wenigstens waren wir schon mal im selben Bundesland. Mein Selbstbewusstsein hat dadurch dennoch einen Knick erfahren.

Im neuen Job konnte ich dann auch kein Fuß fassen und mein Chef meinte, ich soll mir überlegen, ob ich das weiter machen will. Da ich absolut unglücklich war, habe ich mich dagegen entschieden und bin seitdem arbeitssuchend. Mein Selbstwertgefühl ist seitdem am Boden und ich sehe nur noch negativ, in wirklich jedem belangen.

Bin nun erstmal wieder in meinem Elternhaus gemeldet und besuche seit dem 01.07.2017 von der WBS in Vollzeit. Meine Freundin wohnt auch noch bei ihren Eltern und ein zusammenziehen haben wir vorerst wieder ausgeschlossen, da die Gegend recht strukturschwach ist. Es ist damit nicht sicher, ob ich dort Arbeit finde und die Weiterbildung ist auch Ortgebunden.

Alles in allem fühlt es sich so an, als ob ich wieder ganz am Anfang stehe. Ich habe das Gefühl, dass ich nie wieder einen Job finde und schon gar nicht in der Nähe meiner Freundin. Die Kündigung in der Probezeit ist ein riesen Manko und ich hatte seit 01.06.2017 auch erst ein Vorstellungsgespräch. Richtig überzeugen kann ich hier aber aktuell aufgrund meines Selbstbewusstseins nicht. Die Weiterbildung zielt außerdem in den Bereich Personal ab. Mittlerweile habe ich jedoch die Zweifel, ob ich mir durch die Weiterbildung nicht alles verbaue, da diese eben in eine ganz neue Richtung abzielt.

Aktuell würde ich lieber wieder als Produktmanager arbeiten, als vom Staat zu leben. Erschwerend kommt hinzu, dass in meinem engen Freundeskreis nun langsam alle die nächsten Schritte gehen, obwohl wir mit Abstand am längsten zusammen sind. Nebenbei ist mein Vater auch noch ziemlich hoch verschuldet und ihn scheint es nicht wirklich zu kümmern. Alles lastet irgendwie auf mir.

Wie ihr seht, ist mein Leben gerade ziemlich am Ar…h. Donnerstag habe ich bereits einen Termin beim Psychologen, da ich diese Abwärtsspirale nicht mehr in den Griff bekomme. Ich bin ständig indifferent und stelle alles in Frage, selbst Sachen, die eine Woche vorher noch „super“ waren.

Am Wochenende hat mir der Schwiegervater noch schön den Kopf gewaschen und aufs Brot geschmiert, was ich alles falsch gemacht habe. Seitdem bin ich richtig am Boden.

Kennt ihr solche Probleme mit der eignen Einstellung und wie habt ihr diesen Kreis durchstoßen? Danke für eure Zeit.
 
Probleme wie diese - oder zumindest so ähnlich - wird vermutlich beinahe jeder kennen.
Was mir immer hilft ist, dass ich mich auf die Dinge konzentriere, die ich gut mache. Zu sehen "das kann ich, das mache ich richtig" ist für mich immer wie ein Fundament. Darauf kann ich nach und nach bauen.
Es bringt nichts zu sagen "das habe ich noch nicht erreicht, und das auch nicht und alle anderen sind schon viel weiter als ich!". Sicher sind Ziele wichtig. Aber sich auf die Tatsache zu versteifen, dass man das noch nicht erreicht hat bringt einen nicht weiter. Versuche mal deine Ziele konkret zu formulieren. Du hast ja welche und du weißt eigentlich schon was du willst, lässt dich nur sehr verunsichern. Wenn du diese Ziele ganz konkret vor dir hast, dann setze sie auf eine Liste und sortiere sie. Welches ist für dich am wichtigsten?
Was brauchst du um dieses Ziel zu erreichen? Wie kannst du es erreichen? Muss zuvor ein anderes Ziel erreicht werden?
Danach würde ich ein Ziel nach dem anderen machen. Bis du eine Art Plan hast. Ich weiß nicht ob dir das auch so geht, aber mir gibt es Sicherheit wenn ich weiß, was jetzt als nächstes kommt und wie ich das bewältigen kann. So ganz planlos können wohl die wenigsten Menschen durchs Leben gehen.

Die Grundvoraussetzungen hast du ja alle: Du willst etwas erreichen. Du willst nicht einfach nur faul rum sitzen. Und du scheinst doch recht realitätsnah zu sein. Vielleicht ein wenig pessimistisch und niedergeschlagen. Das hindert dich doch sehr daran deine Wünsche Realität werden zu lassen. Auch das hast du denke ich erkannt, suchst jetzt auch professionelle Hilfe. Das finde ich gut! Du bist auf dem richtigen Weg. 😉
 
ach, dass kenne ich leider.
das gute bei dir, du warst im beruf und weißt auch was du kannst und dir gefällt.
natürlich ärgerlich mit deiner freundin, aber bleibt ihr wirklich aus liebe zusammen?!
als produktmanager gibt es doch einige jobs und das würde ich unabhängig vom partner wählen.
ihr könnt auch in 2 jahre zusammenziehen, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.
das dich die gespräche runterziehen kann ich gut verstehen.
da du jetzt sonst kein bereich hast wo du dein selbstbewusst ziehen könntest, ist zumindest gerade bei mir so.
alle wissen es besser, alle zählen noch deine fehler auf usw.
ich habe jetzt intensiver mit sport und freizeitgestaltung begonnen.
und nehme für meine bewerbungsunterlagen die kritik an, weil ich einfach weiß, dass die vom amt nicht qualifiziert genug sind.
bestimmt meinen es die menschen es nicht böse, aber mir ist aufgefallen, das manche da richtig aufgehen und man muss sich auch nicht alles gefallen lassen. also darfst du auch bei deinem schwiegervater, dass gespräch beenden, wenn es nur darum geht deine fehler aufzuzeichnen.
fakt ist, man kann sie nun mal nicht ändern. und bewerbe dich da wo du denkst es könnte dir gefallen.
 
Was ich jetzt nicht so sehr herauslesen kann, ist der Beitrag deiner Freundin. Sie stellt eure Beziehung in Frage, gibt dir mit die Schuld, ist aber in 10 Jahren nicht bereit, ihren Job zu wechseln und in eine Gegend zu ziehen, in der du auch eine gute Stelle finden würdest?

Du bist vorerst besser qualifiziert als sie, deshalb sollte sich von der Logik her eure Planung eher nach deinem Einkommen richten, wenn ihr zusammen wohnen möchtet als nach ihrem.

Es klingt, als würden die anderen generell nichts ändern wollen, aber jeweils von dir erwarten, dass du dich ihnen anpasst, das kann auf Dauer nicht gut funktionieren.

Die Weiterbildung erscheint mir nicht sehr sinnvoll, du hast in diesem Bereich gar keine Erfahrungen, konzentriere dich lieber erst mal darauf, wieder eine Arbeit zu bekommen im Produktmanagement-Bereich. Arbeitsämter wissen mit Akademikern oft auch nicht viel anzufangen, bist du da in einer speziellen Akademiker-Beratung?

Eigentlich hast du den Kern selbst erfasst, du brauchst wieder mehr Selbstbewusstsein, musst deine Situation aktiv verbessern und dann schauen, wie alles noch zusammenpasst, so dass du selbst auch damit glücklich bist.
 
Hallo,

ich bedanke mich erstmal für euer ehrliches Feedback. Meine Freundin wird im Bundesland verbeamtet. Das sehe ich als gute Grundlage an, aber sicherlich hast du auch irgendwo recht.

In der Vergangenheit habe ich sie auch öfters vor den Kopf gestossen und es ist nun einfach so, dass sich unsere Rollen getauscht haben. Ich mach mich selber klein und sie hat gerade auch so viel um die Ohren, dass der jammernde Freund eben gerade auch nur noch ein Klotz am Bein ist. Auf Nachfragen bekomme ich immer, dass nichts ist. Gefühlt denke ich aber, dass die Beziehung nicht mehr lang halten wird.

Bewerbungen laufen nur schleppend. Hier mal ne Einladung, da mal ein Telefonat. Die vergangen zwei WOchen waren dennoch gut. Ich war motiviert und habe viele Bewerbungen geschrieben. Weiterbildung lass ich parallel laufen.

Seid gestern hänge ich aber wieder in einem Loch. Ich bekomme meine Baustellen einfach nicht bereinigt und habe mitlerweile die Bedenken, dass ich später auch wieder wie bei meiner Arbeit versagen werde.

Donnerstag wieder Psychologe und jeden Tag Sport. Ich hoffe es bessert sich wieder, aber diese Gefühlsschwankungen sind einfach der Horror. Danke für eure lieben Worte, auch wenn ich mich länger nicht gemeldet habe.

Ich hoffe weiter auf Besserung und halte euch hier gerne auf dem Laufenden.

So long

Native
 

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