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24 und keine Perspektive?

Adelin

Neues Mitglied
Einen schönen guten Abend,

kurz zu mir: Ich bin 24 Jahre alt und mache derzeit eine schulische Ausbildung zur PTA (Pharmazeutisch-technische Assistenz).
Ich habe bereits ein Jahr wiederholt, weil ich mit dem Stoff nicht so gut klar kam, bin also schon seit September 2023 dabei.
Die Ausbildung habe ich begonnen eher aus einer Not heraus, leider hatte ich vor Ausbildungsstart eine schwierige Zeit in der ich u.a. ein Alkoholproblem hatte und mit diversen Ängsten zu kämpfen hatte, die mich in einer Zeitspanne von 18-22 Jahren arbeitslos machten. Dies hatte mich sehr belastet, ich habe dann viel an mir gearbeitet und bin mittlerweile deutlich offener, seit 3 Jahren trocken und möchte auch gerne Geld verdienen gehen.

Nun zu meinem Problem: Ich bin irgendwie total überfordert mit jedem potenziell nächsten Schritt.
In der Ausbildung nähert es sich nun den Prüfungen, meine Aussichten sind schlecht da mir weder Naturwissenschaften sonderlich gut liegen, noch kann ich mich gut konzentrieren..es fällt mir wahnsinnig schwer, die Lehrer unterstützen einen nicht und man wird täglich angeschrien, man muss ihnen ständig wegen allem hinterher rennen, sie erwarten von einem dass man den Stoff bereits kann ohne zu erklären und fehlen ständig sodass uns viel Unterricht verloren geht etc. die Zustände in dieser Schule sind katastrophal und das spiegelt sich auch in den Durchfallquoten wieder. Darüber kann ich mittlerweile leider nicht mehr hinweg sehen, da ich mich sehr schwer mit den Unterrichtsfächern tue. Ich habe außerdem eine Dyskalkulie und für mich ist es sowieso schon sehr schwer, dem Unterricht zu folgen, ich weiß nicht weshalb aber es fühlt sich an als würde jedes gesagte Wort an meinem Kopf abprallen und auf den Boden fallen.
Ich sehe keine Chance mehr, diese Ausbildung zu schaffen. In mir kam das Bedürfnis auf, mich nach einer Alternative umzuschauen. Aber da fängt es auch an, ich weiß nicht wo und wie! Ich habe bereits Recherchen betrieben und versucht, mich zu informieren aber ich komme immer wieder in so eine Art "Freeze-Modus", ich möchte voran kommen aber ich fühle mich plötzlich wie gelähmt und dann kommt Tag für Tag wieder nichts zustande.
Es kommt mir vor wie eine exekutive Dysfunktion?
Es frustriert mich sehr denn ich habe das Gefühl ich sollte mich langsam mal entscheiden, da ich auch mittlerweile in der Ausbildung so unglücklich bin, dass ich Verdauungsbeschwerden entwickelt habe die mich plagen und eine Müdigkeit die kaum mehr in Worte zu fassen ist.
Ich könnte den ganzen Tag schlafen bin einfach kaputt, es zehrt an meinen Kräften und meine mentale Verfassung geht den Berg herab das merke ich.
Ich bin überfordert, wie es für mich weitergehen soll. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wie ich denn die große Lücke und die "verhauene" Ausbildung in meinem Lebenslauf erklären sollte.
Habe bislang ja nicht wirklich etwas erreicht, da stellt sich mir schon die Frage wer sollte mir denn dann eine Chance geben mit solch einem Werdegang? Ich bin nicht auf die große Karriere aus, aber ich möchte einfach endlich mal einer richtigen Tätigkeit nachgehen und selbstständiger werden. Ich will nicht wieder in die Arbeitslosigkeit abrutschen!
Und gibt es vielleicht irgendeine Stelle an die ich mich wenden kann, bei der ich unterstützt werden kann in so einem Fall?
Gibt es eine Art Hilfe bei der mich evtl. jemand unterstützen könnte, solche Aufgaben zu bewältigen? Oder auch eine Unterstützung für den Einstieg ins Berufsleben, etwas in der Art?
Ich möchte aus diesem Kreislauf heraus kommen.

Ich bedanke mich schonmal im Voraus für eure Zeit & für jeden helfenden Kommentar!
 
Ich hatte mal einen Leistungsabfall in der Schule und im Endeffekt war es Schilddrüse und Eisenmangel. Dadurch war ich müde und unkonzentriert. Mit Tabletten gings dann wieder Berg auf.
Also was ich sagen möchte, vielleicht hat es auch medizinische Gründe und du solltest mal mit einem Arzt es abklären. Ein Versuch ist es auf jeden Fall Wert.
Die Ausbildung würde ich versuchen durchzuziehen.
Klar die Lehrer erwarten auch eine selbstständige Haltung von den Azubis. An Lernen kommt man da nicht vorbei und wenn der Lehrer nur die Unterlagen hinknallt, dann lernt man das. Haben unsere auch nicht anders gemacht. Unsere Lehrerin hat genau das abgelesen was drauf stand. Aber verstehen musste man es selber.
Bei Unterstützung kenn ich mich nicht aus, da ich mich immer selber durchgekämpft habe...
Aber vielleicht weiß ja jemand anderer was 🙂
 
Ich möchte aus diesem Kreislauf heraus kommen.

Zunächst möchte ich sagen, daß Dein Beitrag sehr nachvollziehbar ist. Das, was Du beschreibst, wirkt nicht wie fehlende Motivation oder mangelnder Wille, sondern wie eine massive Überforderung, die sich über längere Zeit aufgebaut hat. Besonders der von Dir geschilderte „Freeze-Zustand“, also das Gefühl, wie gelähmt zu sein und trotz des Wunsches nach Veränderung nicht ins Handeln zu kommen, paßt sehr gut zu psychischer Erschöpfung und exekutiver Überlastung.

Du bist also nicht gescheitert, sondern hast eine schwere Zeit hinter Dir, in der es Dir gelungen ist, Dein Alkoholproblem zu bewältigen. Daß du schon drei Jahre trocken bist, empfinde ich als enorme Leistung und ziehe respektvoll meinen Hut davor. Daß Du danach versucht hast, wieder ins Berufsleben einzusteigen, zeigt, daß Du Verantwortung übernehmen willst – auch wenn sich der eingeschlagene Weg jetzt als unpassend herausstellt.

Zur PTA-Ausbildung selbst:
Unter den Bedingungen, die Du schilderst (Dyskalkulie, große Schwierigkeiten mit naturwissenschaftlichen Fächern, fehlende Unterstützung durch Lehrkräfte, ein respektloses Schulklima und hohe Durchfallquoten), ist es absolut legitim, diese Ausbildung infrage zu stellen. Eine Ausbildung, die dauerhaft krank macht und bei der realistisch kaum Chancen bestehen, muß nicht um jeden Preis durchgezogen werden. Daß Dein Körper mit starker Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden und mentalem Abbau reagiert, sind ernstzunehmende Warnsignale.

Viele raten in solchen Situationen schnell zur klassischen Berufsberatung. Das Problem dabei ist jedoch, daß diese zwar jeder kennt, Menschen mit Überforderung, Ängsten oder exekutiven Schwierigkeiten aber oft nur begrenzt weiterhilft. Deshalb hier einige weniger bekannte, dafür häufig passendere Unterstützungsangebote:

Integrationsfachdienste (IFD)
Integrationsfachdienste arbeiten nicht wie klassische Berufsberatungen, sondern sehr individuell und begleitend. Sie unterstützen Menschen mit psychischen Belastungen oder Lernschwierigkeiten beim Einstieg oder Wiedereinstieg ins Berufsleben. Ein Schwerbehindertenausweis ist dafür nicht erforderlich. Sie helfen unter anderem bei der beruflichen Neuorientierung, beim Umgang mit Brüchen im Lebenslauf, bei der Suche nach geeigneten Tätigkeiten und begleiten teilweise auch den Start in Arbeit über einen längeren Zeitraum.

Sozialpsychiatrischer Dienst (SPD)
Der sozialpsychiatrische Dienst ist kostenlos, niedrigschwellig und ohne Überweisung zugänglich. Er richtet sich an Menschen, die merken, daß sie überfordert sind und Unterstützung benötigen, bevor alles zusammenbricht. Dort erhält man Gespräche zur Stabilisierung, Hilfe beim Strukturieren der nächsten Schritte und Unterstützung bei der Vermittlung zu passenden weiteren Angeboten – auch im beruflichen Bereich.

Psychosoziale Träger (z. B. Caritas, Diakonie, AWO oder lokale Vereine)
Viele psychosoziale Träger bieten arbeitsnahe Begleitung oder berufliches Coaching für Menschen mit psychischer Belastung an. Dabei handelt es sich nicht um oberflächliche Motivationsangebote, sondern um praktische Unterstützung: gemeinsam Optionen durchgehen, Unterlagen sortieren, Entscheidungen strukturieren und das Tempo anpassen. Gerade bei Überforderung und Entscheidungsblockaden kann das sehr entlastend sein.

Ambulante psychosoziale Betreuung (ASP / APB)
Diese Form der Unterstützung ist besonders hilfreich bei Schwierigkeiten mit Struktur, Organisation und Umsetzung im Alltag. Man wird dabei nicht bewertet, sondern praktisch begleitet, etwa beim Vorbereiten von Terminen, beim Treffen von Entscheidungen oder beim Dranbleiben an kleinen, machbaren Schritten. Auch dieses Angebot richtet sich nicht nur an „schwere Fälle“, sondern genau an Menschen, die alleine nicht mehr weiterkommen.

Wichtig außerdem:
In einem solchen Zustand ist der erste Schritt oft nicht die endgültige berufliche Entscheidung. Häufig braucht es zunächst Stabilisierung, Entlastung und Begleitung. Orientierung wird dann wieder möglich.

Auch Dein Lebenslauf ist nicht so hoffnungslos, wie er sich für Dich anfühlt. Zeiten der Erkrankung, der Stabilisierung und der Neuorientierung lassen sich erklären, und mit 24 Jahren erwartet niemand einen geradlinigen Werdegang. Viele Arbeitgeber reagieren verständnisvoller, als man denkt, wenn jemand reflektiert und ehrlich ist.

Du wirkst nicht wie jemand, der nicht arbeiten möchte. Du wirkst wie jemand, der sehr lange sehr viel alleine getragen hat. Unterstützung anzunehmen kann hier der entscheidende Schritt sein, um aus diesem Kreislauf herauszukommen.

Ich wünsche Dir sehr, daß Du einen Weg findest, der Dich nicht weiter erschöpft, sondern Dir neue Kraft und Perspektive gibt.
 
Erstmal: Hut ab an Dich und deine Leistungen! Nicht jeder hat die Kraft und die Motivation, sich nach so einer Krise herauszuziehen und weiterzumachen.

Was mir durch eine schwierige Prüfungsphase geholfen hat (leide unter Platzangst), mir immer wieder vorzuhalten, warum ich das mache. Wenn dir der Job wichtig ist, musst du dir ein inneres Bild von dir als die Person schaffen, die du sein möchtest (und eig im inneren auch bist 😉) und was das für dich bedeuten würde die Ausbildung zu beenden: Glücksgefühle, Unabhängigkeit und die Möglichkeit, weiter durchzustarten. Vllt kannst du dir dann einen kleinen Satz schreiben und den mit morgendlichen Atemübungen zu verbinden 🙂

Hast du guten Kontakt zu den anderen Azubis ? Oftmals hilft das, in Gruppen zu lernen oder ein wenig ,Nachhilfe‘ in Anspruch zu nehmen.

Und selbst wenn du dich dafür entscheidest, die Ausbildung vorab abzubrechen: Du bist mit 24 noch jung. Ich kenne einige, die mit Ende 20 umsatteln oder noch durch die Welt reisen und noch gar keine Ausbildung angefangen haben. Dir stehen noch unglaublich viele Türen offen, du musst sie nur sehen 🙂

Liebe Grüße und ganz viel Kraft!
 
Moin,

Du hast von Sonate tolle Anlaufstellen bekommen. Kann ich nur zustimmen.

Dyskalkulie habe ich auch: von der ersten bis zur 13 Klasse ein 4 im Zeugnis trotz Lernen. Habe ein Mint Fach studiert

Während des Studiums hatte ich auch eine Krise, ähnlich nach Deiner Beschreibung. Ich war in einer psychosomatischen Klinik. Dann wurde alles besser.

Du hast viel erreicht. Wenn man ein Suchtproblem hatte, dann brauchte man viel Energie. Du brauchst gute Hilfe UND dann gucke was Dir liegt. Klappere alle Beratungsstellen ab, was gut ist, nehme es an.

Du bist nicht verloren. Ich finde, Du machst das schon ganz gut. Alkohol Problem gelöst und machst Dir Gedanken über Lösungsmöglichkeiten.

24 Jahre ist noch jung

Verliere nicht den Mut

Kolya
 
Was interessiert dich denn wirklich?
Denn deine jetzige Ausbildung scheint ja nicht so deins zu sein - und dem solltest du rechtzeitig Rechnung tragen!
Horch in dich hinein - und dann wechsle rechtzeitig!
 
Ich sehe keine Chance mehr, diese Ausbildung zu schaffen.
Das liest sich tatsächlich so.
Ich könnte den ganzen Tag schlafen bin einfach kaputt, es zehrt an meinen Kräften und meine mentale Verfassung geht den Berg herab das merke ich.
Das liegt an der permanenten Überforderung.
Mach den Pflegeassistenten, würde ich sagen.
Oder geh in den Einzelhandel.
 
Pflege oder Einzelhandel würde ich dir in deiner Situation eher nicht empfehlen. Vielleicht wäre eine Tätigkeit im Backoffice eine gute Alternative.
Eine Beratung bei der Arbeitsagentur könnte dich dabei ebenfalls unterstützen.

Was interessiert dich denn besonders, und wo siehst du deine Stärken?
 

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