@Rumpelstilzchen
Meine Gedanken haben bis heute ständig um ihn gekreist, weil ich eben nicht wusste, was ich will.
Ich habe versucht mit einzureden, dass er mir mit seinem Verhalten, was er am Sonntag gezeigt hat, überhaupt nicht mehr gefällt. Ich wollte es mir damit einfach machen: nicht mehr verkrampft sein, wenn er in der Nähe ist und nicht mehr nachdenken müssen, wie ich mich in Zukunft verhalten soll. Mich nicht mehr schlecht fühlen müssen, wenn er mich ignoriert.
Jetzt scheint wohl das Schicksal entschieden zu haben.
Als ich heute Morgen zu seiner Mutter kam, war ich richtig erschrocken über ihren Zustand. Sie schlief so tief und fest, dass ich sie nicht wecken konnte und war total verschleimt. Außerdem hatte sie Fieber. Die Pflegefachkraft informierte den Sohn über den schlechten Zustand. Er machte sich sofort auf den Weg. Ich habe ihn dann nicht mehr kommen sehen, weil ich zu einer Fortbildung musste. Vielleicht wäre es aber auch gar nicht gut gewesen, in dem Moment zum Zimmer der alten Dame zu gehen. Was hätte ich sagen sollen? Er hatte sicherlich vor dem Besuch bei seiner Mutter ein Gespräch mit der Pflegefachkraft. Hätte ich sagen soll, dass es mir leid tut, dass es ihr so schlecht geht? Ihn trösten sollen?
Es ist gut möglich, dass seine Mutter in den kommenden Tagen verstirbt. Ins Krankenhaus soll sie nicht mehr. Selbst wenn ich ihn noch mal in ihrem Zimmer antreffen werde, wird ihm wohl kaum der Sinn nach einem lockeren Gespräch stehen. Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass Angehörige am liebsten ungestört bei dem sterbenden Menschen sitzen wollen. Es fällt mir auch schwer, dann adäquat auf sie zuzugehen. Manche mögen meine mitleidigen Blicke nicht und kommen nicht damit klar, wenn ich selbst einen traurigen Eindruck mache.
Falls die Bewohnerin vor dem Wochenende versterben sollte, würde ich ihm natürlich mein Beileid aussprechen, aber ansonsten gibt es wohl nichts mehr zu sagen. In jungen Jahren hätte ich vielleicht sogar den Mut gehabt ihm anzubieten, meine Telefonnummer zu geben, falls er mal jemandem zum Reden braucht. Heute würde ich das niemals machen. Ich stelle mir vor, er gibt das an die Wohnbereichs- oder Pflegedienstleitung weiter, dass ich ihm meine Telefonnummer geben wollte. So etwas kann schließlich aufdringlich wirken, wenn der Andere nicht vorher ernsthaftes Interesse signalisiert hat.
Meine Gefühle schwanken zwischen Erleichterung und Traurigkeit. Erleichterung, weil ich meinem Job wieder wie gewohnt ohne Gefühlsduseleien nachgehen kann und Traurigkeit, weil ich ihn nicht wiedersehen werde.
Dieser Beitrag lässt mich sprachlos zurück...
Eine deiner Lieblingspatientinnen baut gerade scheinbar überraschend total ab und die Angehörigen mussten verständigt werden, dass es 'zu Ende gehen kann'....
Und deine Hauptsorge ist, dass ein Angehöriger mit dem du keine 10 Sätze gewechselt hast, nun vielleicht deshalb bald kein regelmäßiger Besucher mehr ist???
Es gab zwischen dir und ihm KEINEN nennenswerten Kontakt und ein paar scherzhafte und freundliche Floskeln haben dich von der 'großen Liebe' träumen lassen?
Bist du 15???
Der Mann hat ja offensichtlich ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Mutter und muss möglicherweise in den nächsten Stunden/Tagen endgültig Abschied nehmen.
Du bist für ihn eine Pflegerin, die nicht zu einer lockeren und unverbindlichen Kommunikation zu Zeiten, als es seiner Mama gut ging, in der Lage war.
Mehr nicht.