Danke für euer weiteres Feedback.
Es wurde ja ziemlich eingehend die Tatsache beleuchtet, dass dieser Mann sich wirklich rührend um seine Mutter kümmert, sie täglich besucht und auch körperlich sehr seine Zuneigung zeigt. Dass er sie "überschwänglich" geküsst hat, ist der richtige Ausdruck. Er hat sie so geküsst, wie man es tut, wenn man jemanden am liebsten "auffressen" würde. Deshalb war ich zuerst etwas irritiert, weil ich es noch nie bei Angehörigen gesehen habe. Auf der anderen Seite fand ich es toll, dass er so ganz ohne Hemmungen seine Zuneigung zeigt.
Ich würde niemals verurteilen, wenn ein Mann seine Mutter täglich besucht - egal ob zuhause oder in einer Pflegeeinrichtung. Manchmal geschieht das nicht einmal unbedingt aus einer vielleicht übertriebenen Liebe zum Elternteil. Eine gemeinsame Bekannte hat mir erzählt, dass auch ein Ex-Freund von mir seine Mutter jahrelang täglich im Pflegeheim besuchte, obwohl er nie eine innige Bindung zu ihr hatte. Seine Oma war seine Mama. Trotzdem hat er sich seiner Mutter gegenüber verpflichtet gefühlt, da es keine weiteren Angehörigen gibt. Ich finde das einen sehr schönen Charakterzug.
Ich versuche realistisch zu sein und denke gar nicht an die Möglichkeit, dass dieser Mann ehrliches Interesse an mir haben könnte. Falls es so wäre, hätte ich in der Hinsicht überhaupt keine Bedenken, da seine Mutter eine sehr begrenzte Lebenserwartung hat. Schade, dass sie dement ist, sonst könnte ich über sie mehr über den Sohn rausfinden. So wie meine Lieblingsbewohnerin mir von sich aus sehr viel Intimes über ihre Familie anvertraut hat. Diese Bewohnerin hat wohl nicht viel mehr Erinnerungsvermögen als dass er immer ein "guter Junge" war, nie verheiratet war und keine Kinder hat.
@Marisol
Ich habe ihn seit Sonntag nicht wiedergesehen. Ich bin diese Woche im Frühdienst und er kommt ja immer am frühen Abend zu Besuch. Ich werde ihn am Montag wiedersehen. Hoffentlich bin ich dann nicht allzu enttäuscht, wenn er mich wie gewöhnlich wieder nur flüchtig grüßt.
Wobei er zu Beginn ja einige Male versucht hat, ein wenig mit mir ins Gespräch zu kommen, was seine Mutter betrifft. Er fragte mich z.B., ob ich irgendwelche Informationen zur Biografie benötige. Ich habe ihm geantwortet, dass ich die Informationen doch von seiner Mutter selbst bekommen könne. Sie kann sich trotz ihrer Demenz noch an vieles erinnern. Außerdem wollte er wissen, ob man nicht sofort an der Ähnlichkeit sehe, dass es seine Mutter ist. Vielleicht einfach ein Versuch, locker ins Gespräch zu kommen. Ich habe noch geantwortet, dass das für mich nicht zutrifft. Erst kurze Zeit später habe ich gesehen, dass er ihr fast wie aus dem Gesicht geschnitten ist.
Es ärgert mich, dass ich so verkrampft bin, wenn mir ein Mann gefällt. Wenn mich jemand gar nicht reizt, kann ich mich ganz zwanglos unterhalten. Es gibt z.B. einen Kollegen, mit dem ich schon über viel Privates gesprochen habe. Das gelingt mir nur so gut, weil ich ihn maximal als Kumpel ansehen könnte.