In den letzten zwei Jahrzehnten hab ich mich nicht genug damit beschäftig. Man müsste dazu einen Haufen Bücher durchackern.
Dieses würde ja nur dann funktionieren, definierte man "vernünftig" als Fixpunkt in der Gesamtgleichung.
Was aber ist "Vernunft"? Bedeutet Vernunft, einen Krieg gegen ein von einem Diktator beherrschtes Land zu führen? Oder wäre es vernünftig, den Diktator und all seine Organe einschließlich Beamter hinzurichten/inhaftieren, um die Zivilbevlkerung zu schonen? So als Beispiel?
Was also ist Vernunft, und scheitert die Gleichung "Vernunft schlussfolgert Moral" nicht bereits an dieser Definition?
Ja genau, Vernuft ist einer der Fixpunkte in der Gleichung.
Vernunft ist dabei nur ein Prinzip - also erstmal ohne konkrete Vorgaben nach dem man sich bei Entscheidungen richten könnte. Konkret wären zum Beispiel die 10 Gebote mit: "Du sollst nicht töten." In dem Fall des Diktators, den du schreibst, wär es schon wieder fraglich, ob das Gebot so konkret Sinn macht. Ob eine Entscheidung moralisch wertvoll ist, hängt darum immer von der Situation ab.
Also kann es Vernunft und Moral geben ohne die dazugehörigen Lebewesen, welche beide Ideale leben?
Ein moralischer Mond?
Man geht davon aus, dass Moral ein übergeordnetes Prinzip ist, das das Denken des Menschen beeinflusst oder prägt - viel mehr kann man darüber nicht rauskriegen. Aber -zumindest nach logischen Maßstäben- heisst das, dass Moral schon existiert bevor Menschen denken und darum auch ohne dass Menschen denken.
Was meinst du mit moralischem Mond?
Sofern es einen Gott gäbe.
Wie finden wir also heraus, was die ultimative Moral ist? Denn ganz offensichtlich gibt es in verschiedenen Kulturkreisen verschiedene Vorstellungen von Moral ... ein Großteil muss also falsch liegen. Wie geht der "richtig liegende" moralische Mensch damit um?
Sofern es einen Gott gäbe, genau. Das es verschiedene Vorstellungen von Moral gibt liegt einerseits daran, dass man als Mensch nur eine subjektive Moral von einem objektiven Prinzip ableiten kann - und daran, dass die Situationen verschieden sind.
Eine ultimative Moral gibt es darum im menschlichen Handeln nicht.
Bitte erkläre das mir, einem unglücklicherweise höchst unmoralischen , aber ausgesprochen logisch (vernünftig?) denkenden Menschen.
Ich erkenne keinen Sinn in deiner Aussage.?
Ja, aber das kann schnell den Rahmen sprengen. Man braucht für eine objektive Aussage erstmal einen Fixpunkt, den man als sicher annehmen kann - der also nicht subjektiv, sondern bei allen Menschen gleich ist. Darum ist die Erkenntnistheorie Grundkage der Ethik. Man hat zu erst untersucht, wie Menschen denken. Dabei findet man gewisse Strukturen, ohne die man eineseits nicht denken kann, die aber andererseits in sich auch nicht schlüssig sind. Zum Beispiel gehen wir davon aus, dass eine Ursache eine Wirkung hat. Wenn man einen Ball tritt, dann fliegt der weg. Es wäre undenkbar, dass er das nicht tut. Oder auch, dass er das einmal tut und ein anderesmal einfach so nicht. Man kommt also zu einer Kette von Ursachen und Wirkungen, wegen der unsere Welt funktioniert. Ein logisches Problem ist aber der Anfang dieser Kette. Dort müsste ja eine Ursache sein, die keine Ursache hatte. Es muss also noch ein Prinzip geben, nach dem die Realität funktioniert. Den Anfang der Kette kann man sich mit einem anderen Konzept erklären, dass wir in unserem Denken haben, nämlich freie Entscheidungen. Also etwas ohne Beeinflussung zu verursachen. Mit anderen Worten zufällig. Das ist aber auch inkonsequent, da man ja nicht entscheien kann, ohne durch Entscheidungskriterien beeinflusst zu sein. Aus diesem logischen Widerspruch folgert man, dass es noch ein drittes Konzept geben muss. Das ist dann die Bewertung nach richtig oder falsch - also die Moral.
Die nächste Frage wäre dann, warum man davon ausgeht, dass Moral objektiv, also unabhängig vom Menschen ist. Dabei stösst man an die Grenzen dessen, was man wissen kann. Man kann ja nicht über etwas nachdenken, mit dem man denkt. Das man denkt ist aber evident. Es muss also einen Grund für unser Denken ausserhalb unseres Denkens geben, dass die Strukturen verursacht, mit denen wir denken.
Das können wir aber nicht beeinflussen und müssen oder können es darum als objektiv annehmen.
Wenn man soweit ist, hat man einen fixen Punkt, an dem man eine objektive Moral aufbauen kann. Man kann daraus aber keine konkreten Gebote ableiten, wie "Du sollst nicht töten". Was man als Kriterium ableiten kann, ist dass ein objektives moralsiches Gesetz existiert, das ein Maßstab für moralisch wertvolles Handeln ist.
Objektiv und darum moralisch wertvoll ist eine Entscheidung, die jeder andere Mensch unter den gleichen Umständen aus vernünftigen Gründen auch als moralisch wertvoll beurteilen würde. Mehr Kriterien gibt es leider nicht. Es zählt also -sehr logisch und konsequent- eigentlich nur die Absicht, die man bei einer Entscheidung hat und nicht das Ergebnis einer Handlung. Das ist natürlich problematisch und in der Ethik bislang nicht gelöst.
Es ist also zwar sicher, dass es ein moralisches Prinzip gibt - aber die Werte, die man daraus ableitet, sind subjektiv geprägt. Besonders ist die Frage, welche Gründe jeweils vernünftig sind und welche nicht, natürlich subjektiv. Weitmöglichst objektiv verhält man sich, wenn man, sozusagen nach bestem Wissen und Gewissen, versucht sich moralisch wertvoll zu entscheiden.
Nun, aber dem von mir postulierten Grundsatz folgend, dass Moral eben hochgradig subjektiv ist (wie ich ja beschrieb), würde das bedeuten, dass jeder Mensch seinen moralischen Mikrokosmos mit sich herumschleppen würde, was wiederum nach sich zieht, dass jene, welche Moral schlichtweg als hinderliches Schaftum ansehen und selbst auch keine moralische Verpflichtung kennen, eben auch nicht moralischen Gesetzen unterworfen sein können.
Wenn Moral also ewiges, festes Gesetz wäre - was hat dann deiner Meinung nach mit jenen zu geschehen, die Moral schlichtweg ablehnen, weil sie sie als evolutionär entstandene Eigenschaft des Sozialwesens (und Säugetiers) "Mensch" betrachten?
Und die viel eher bereit sind, auch hochgradig amoralisch zu handeln?
Also, dass Moral nicht subjektiv ist, das ist widerlegbar. Aus den Gründen, die ich oben versucht hab zu erklären.
Was mit unmoralischen Menschen zu geschehen hat? Keine Ahnung - eine Hölle oder sowas ist in der Ethik bislang nicht bekannt.
🙂
Ja, du suchst Sicherheit im luftleeren Raum, das ist offensichtlich, aber kein Beinbruch.
Kannst du dir vorstellen, Fixpunkte zu schaffen, wenn sich empirisch keine finden lassen? Könnte es sein, dass du dir emotionale Krücken bastelst?
Ich würds nicht luftleeren Raum, sondern höchstmögliche Gewissheit nennen. Auch wenn dabei nicht viel bleibt.
Wenn ich mir selbst Fixpunkte schaffen würde, wär ich wahrscheinlich religiös. Menschen, die sich ihre eigene Moral basteln, sind mir suspekt. Ich glaub, damit kommt man nicht weit - oder man übernimmt man sich zwangsläufig.
Emotionale Krücken haben -glaub ich- eher mit dem alltäglichen Leben zu tun. Diese philosophischen oder wissenschaftlichen Betrachtungen kommen erst auf, wenn man sonst keine akuten Probleme hat.
Am Ende bleibt wohl "welchen Sinn hat mein Dasein", was dich antreibt. Moral ist ja in gewisser Form sinnvoll, nämlich dem Gemeinwesen dienend. Wenn du also Moral als unabänderlichen Fixpunkt setzt, dann definierst du dich selbst auch als Teil der Gesamtmenschheit, was dir das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein, sondern in ein Sinn ergebendes Ganzes eingefügt zu sein.
Schäfchen in der Herde eben.
Argumentierst du da nicht etwas zielgerichtet?
Aber kannst du (wenn ich mal deine Argumentation verwenden darf) nicht ebenso darauf vertrauen, dass du mit großer Wahrscheinlichkeit das Falsche tust?
Man tut mit Sicherheit das Falsche, in dem Sinne das man das objektive Richtige nicht erreichen kann. Es gibt dabei halt ein Gefälle. Die Möglichkeit sich "möglichst Richtig" zu verhalten besteht aber - eben durch vernünftige Gründe.