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Ich halte mich selbst in der Depression gefangen.

Tiefseeträumer

Neues Mitglied
Hallo,

ich schreibe hier, weil ich einfach nicht mehr weiterweiß. Ich bin schon seit Jahren überfordert, depressiv und sozial ängstlich. Mittlerweile bekomme ich nur gerade so das Nötigste hin und verwahrlose immer mehr. Bei der Arbeit schaffe ich immer weniger und ein Privatleben habe ich im Grunde nicht. Wenn ich mich mal mit meiner Familie treffe, spiele ich alles etwas herunter und fühle mich danach richtig unzulänglich. Zu Hause lasse ich mich nur noch von Videos im Internet berieseln, um von der Stille oder Gedanken abzulenken.

Meine Wohnung ist nach drei Jahren immer noch nicht fertig eingerichtet. Es fehlen manche Möbel, an der Decke hängen nur Glühbirnen, mein Balkon ist überhaupt nicht eingerichtet bzw mit Kartons zugemüllt. Allgemein ist alles immer wieder zugemüllt und ich komme mir einfach erbärmlich vor.

Ich hatte in der Vergangenheit auch schon mehrere Therapien und psychiatrische Hilfe mit Medikamenten. Trotzdem hänge ich fest. Ich merke, wie ich alle wegstoße - vor allem die, die mir eigentlich helfen wollen. Ich weiß, dass ich Probleme habe und dass mein Verhalten absolut kontraproduktiv ist, aber ich tue trotzdem nicht wirklich etwas dagegen.
Dazu kommt, dass ich ständig in Suizidgedanken abdriften. Oft, weil ich mich der nötigen Veränderung einfach nicht stellen will und keinen Platz für mich in dieser Welt sehe. Vor allem aber, weil ich so unglaublich müde bin. Ich schlafe generell sehr viel und oft - Wochenenden und Urlaube verschlafe ich im Grunde komplett, um der Realität zu entfliehen.

Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich von anderen noch hören will. Mir ist rational klar, dass viele das durchgemacht und irgendwie überstanden haben. Trotzdem halte ich stur an dem Gedanken fest, dass ich ein Sonderfall bin, dem man sowieso nicht helfen kann. Ich weiß, dass das unlogisch ist aber der Gedanke sitzt fest.

Kennt jemand diese tiefe Blockade, diese extreme Flucht in den ewig Schlaf und diesen festgefahrenen Glauben, dass einem eh nicht mehr zu helfen ist?

Wie seid ihr damit umgegangen?

Danke fürs Lesen.
 
Huhu,

ich habe vor 2 Jahren die Diagnose bekommen: schwere Depression.

Was getan wurde:
1) Lichttherapie. Jeden Tag 30 - 60 Minuten. Google: Lichttherapie Lampe
2) jeden Tag rausgehen. Auch 30 - 60 Minuten. Bei schei-- Wetter ausnahmsweise 10 Minuten.
Es gibt kein falsches Wetter nur falsche Kleidung.
Motivationshilfe z. B. Hundesitting.
3) Medis. Das sollte nicht Dr. google entscheiden.
Da müssen Profis ran.

Aktueller Status - Depressionen. Aber diese auch nicht immer.
Mir hilft Musik. Habe gute Kopfhörer und finde immer neues was mir hilft.

Sehr wichtig. Kein Alkohol!. Grüße aus einer Suchtklinik.
 
Zuletzt bearbeitet:
Kennt jemand diese tiefe Blockade, diese extreme Flucht in den ewig Schlaf und diesen festgefahrenen Glauben, dass einem eh nicht mehr zu helfen ist?
Ja.
Wie seid ihr damit umgegangen?

Therapie. Immer wieder aufstehen und nach anderen Möglichkeiten der Hilfe suchen. Die Ratschläge wirklich annehmen und ausprobieren (für länger) auch wenn sie mir manchmal blöd und wenig zielführend vorkamen.

Konkret war das Beste auf meiner Therapiereise der sozialpsychiatrische Dienst, ein Betreuer kam über 2 Jahre 3x wöchentlich für 1,5h zu mir nach Hause. Ein Personal Coach sozusagen.
Auch habe ich sehr profitiert vom Hören von Affirmationen. Das konnte ich sehr gut in mein Leben einbauen, insbesondere wenn ich im Freeze-Modus war.

Ich wünsche dir Hoffnung 🍀
 
Hallo @Tiefseeträumer, ja so ähnliches kenne ich auch. Als ich in meinem Fall verstanden habe, dass meine Krankheit chronisch und unheilbar ist, fiel eine Last von mir ab. Es geht seitdem darum, so gut wie möglich damit zu leben. Bei Problemen, die ich nicht selber in den Griff bekomme, suche ich mir Hilfe. Bin auch medikamentös eingestellt und das wird sehr wahrscheinlich auch für immer so bleiben.
Eins noch. Deine Art zu denken, wie Du es beschreibst, könnte von der Depression kommen. Das zu wissen macht für mich einen Unterschied, denn so hab ich raus gefunden, dass das teilweise nicht ich bin, dey so denkt, es ist die Krankheit.
 
Deine Art zu denken, wie Du es beschreibst, könnte von der Depression kommen. Das zu wissen macht für mich einen Unterschied, denn so hab ich raus gefunden, dass das teilweise nicht ich bin, dey so denkt, es ist die Krankheit.
Das ist ein ganz wichtiger Satz !
Ich habe auch chronisch Depressionen.
Ich komme mit meinem Medikament soweit hin, das ich aktionsfähig bin, aber immer nur kleine Schritte. Bin ganz schnell genervt, erschöpft, verkrieche mich im Bett.
Was ich allerdings nie hatte, auch im schlimmsten Tief nicht, waren Suizidgedanken.
Aber wenn man so will, ist der Schlaf ja der kleine Bruder vom Tod, hab ich mal wo gelesen.
Wenn man immer nur schlafen möchte, ist das auch eine Art Flucht, Bewusstsein abschalten, weg sein. Mir hat in meiner Schlimmsten Phase nur ein Klinik-Aufenthalt geholfen. Mit allen möglichen Therapien, und ja, einiges an Medikamenten.
 
Wie seid ihr damit umgegangen?
So handeln, als hätte man diese Antriebslosigkeit nicht. Das geht nur in kleinen Schritten, aber es geht. Räume ein paar leere Kartons von deinem Balkon. Und am nächsten Tag faltest du die zusammen. Und wieder ein paar Tage später bringst du die Pappen zu einer Tonne für Papierabfälle.

Das kannst du ein paar Wochen so machen, bis dein Balkon wieder begehbar ist. Teil dir deine Kräfte ein, lass dir Zeit. Aber tue etwas! Dein Kopf folgt dem Körper, nicht umgekehrt. Warten bis es dlr besser geht bringt nichts, weil dieses Signal nie ankommt.

Versuch macht klug. Wenn du arbeiten gehst, können dir ja nicht sämtliche Kompetenzen abhanden kommen, sobald die Wohnungstür aufgeht. Natürlich fühlt es sich so an, dein Kopf sagt es dir so. Aber es ist nicht an dem.
 
Ich kenn das mit dem Berieseln lassen, aber was bei mir oft mehr hilft: von guter Musik berieseln lassen. Denn wenn ich Videos gucke, lieg oder sitz ich nur da. Die Gedanken drehen sich im Karussell und selbst das Gucken von Filmen lenkt oft nicht ab. Und es passiert halt auch nichts, was die Situation ändern könnte.

Aber beim Musik hören, kann ich was machen. Also kann ich auch das, was mich zusätzlich gerade nervt wie z.B. aufräumen, Kartons durchgucken, Lampen anbringen - mit guter Musik machen und bin mit dem Kopf also woanders.

Das klappt vielleicht erstmal nur ganz kurz und du bist schnell erschöpft, aber egal. Sei dann einfach stolz drauf, was du geschafft hast. Du kannst dir dann auf die Schulter klopfen (wirklich machen!) und sag laut zu dir selbst: Hey, das hab ich endlich geschafft. Eine Sache weniger, die mich nervt und belastet.

Das macht mich persönlich dann immer ein wenig happy. Das Gefühl, was getan zu haben und was mich länger schon stört oder nervt beseitigt zu haben. Fang ganz klein an z.B. erstmal den Müll sammeln und raus damit. Das reicht dann schon erstmal. Es sei denn, du hast noch Bock und Energie! Das ist wichtig, es darf dich nicht überfordern.

Dich scheint deine Wohnung sehr zu belasten. Zusätzlich zu belasten wohl gemerkt! Aber das ist etwas, was du wirklich angehen kannst. In kleinen Schritten. Aber du wirst jedes Mal merken, wenn du was getan hast, das du mit der Wohnung auch ein wenig dich selbst "aufräumst". Denn ich kann absolut verstehen, das eine "unfertige" Wohnung einen noch mehr runterreisst.

Und wo wir dabei sind: ich wollte auch noch eine Kiste durchsehen und dann wegpacken 😀 Das mach ich jetzt mal, fühl mich motiviert 😀
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja, kenn ich. Ich kam raus, weil ich musste. Leider kann man diesen Zwang nicht als Ratschlag weitergeben, denn vielleicht gibt es in deinem Leben nichts, was dich zwingt. Seither weiß ich aber, dass es fast immer geht, wenn man keine Wahl hat. Das heißt: Es steckt bereits in dir. Stehe jetzt auf und beseitige einen Karton auf deinem Balkon. Und morgen tust du dasselbe.
 
Warst du je stationär in Therapie?
Nimmst du aktuell Medis?
Hast du dich mal über Zusammenhänge von Depressionen und Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen informiert?

Möchtest du wirklich anders leben, bist du bereit, dich dafür anzustrengen, oder wählst du lieber den vertrauten und bequemeren Zustand?
Das muss man gar nicht werten, es ist lediglich eine Entscheidung, die man trifft, mit den zugehörigen Konsequenzen.
 

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