Dein Verlobter scheint recht selbstherrlich unterwegs zu sein und hat das zu wenig, was dir fehlt. Die Überzeugung, dass die eigene Meinung eine Daseinsberechtigung hat. Das Problem mit deinem Sohn ist zwischenzeitlich in zwei Hälften zerfallen - und leider jedes für sich wichtig.
Von Trennung zu sprechen, wie es hier einige tun, finde ich verfrüht. Und der Zeitpunkt, an dem dieser Konflikt eskaliert ist, ist natürlich auch denkbar ungünstig. Damit, dass du deinen Sohn anderweitig untergebracht hast, hast du m. E. eine sehr gute kurzfristige Lösung gefunden - und da darf dir völlig egal sein, wie dein Partner das sieht. Dem sollte nämlich aktuell eher daran gelegen sein, dass du ohne Sorgen in der Klinik sein kannst; anscheinend fehlt ihm hier absolut die Empathie, etwas gravierender ausgedrückt, könnte man auch sagen, er verhalte sich rücksichtslos. Daher darf dir auch herzlich egal sein, ob er beleidigt ist bzgl. der Lösung, die du gefunden hast. Sag ihm doch, er dramatisiere da und reagiere über. 🤪
Aber im Ernst: Sein Verhalten ist nicht okay. Und dass dein Sohn rebelliert ist m. E. schon ein Stückweit eine normale Reaktion auf die Anspruchshaltung deines Verlobten. Druck erzeugt Gegendruck - und der kam zwischen den beiden zum Vorschein. Und das würde auch weiter so laufen, falls dein Verlobter seine Haltung nicht ändert.
Tatsächlich glaube ich, dass du es zu lange einfach genossen hast, an jemanden geraten zu sein, der der Stärkere in der Beziehung war. Einfach mal schwach sein dürfen, Verantwortung abgeben. Allerdings kann eben nicht jeder mit soviel Handlungsspielraum umgehen. Dein Partner hat keine Erfahrung in der Kindererziehung und noch einmal weniger mit Jungs in der Pubertät. Die darfst du ihm auch ruhig absprechen, während du seit 15 Jahren Mutter bist. Ein Kind wird nicht gemanaged, das ist kein Projekt. Euch beide unterscheidet zudem, dass du dein Fleisch und Blut liebst, für deinen Verlobter ist er dein Kind, das er akzeptieren muss. Wahrscheinlich würde er keine Sekunde zögern, wenn er die freie Wahl hätte, den Jungen z. B. an den Vater zu geben.
Ich befürchte auch, dass da noch Stress auf dich zukommen wird. Eine Lösung muss gefunden und im Idealfall gemeinsam erarbeitet werden. Wenn du mit der Kleinen zu Haust bist und sich erste Routinen eingestellt haben, wäre m. E. eine Familienberatung für euch das Beste. Du kannst dich gegen deinen Verlobten nicht durchsetzen, wirst das aber müssen, wenn du das neue Vertrauen, das dein Junge gerade in dich setzt, nicht verspielen möchtest. Dann womöglich dauerhaft.
Es ist völlig normal, dass leibliche Kinder die Nummer 1 sind in deinem Leben - zumindest solange nicht etwas völlig schief läuft. Das sehe ich bei deinem Jungen nicht. Und Grund für eine "harte Hand" sehe ich erst recht nicht. Hier bin ich sogar etwas erschrocken, denn offenbar hat - anders als du - dieser Mann bis heute nicht begriffen, dass er sogar gesetzeswidrig unterwegs war, als er körperlich gegen deinen Sohn wurde. Das war kein Kavaliersdelikt!
Umso wichtiger fänd ich, dass all das, was bisher geschehen ist, nochmal aufs Tapet kommt. Ein/e Familienberater/in wäre da der/die richtige Ansprechpartner/in. Darauf vor deinem Partner zu bestehen sähe ich sogar als beste Chance, dass ihr euer Familienkonstrukt wieder in den Griff bekommt und jeder für sich verlinnerlicht, dass man sich in solchen Gefügen an Regeln halten muss, damit das Miteinander klappt. Bestimmt hat da auch dein Sohn Hausaufgaben zu machen - dein Verlobter muss aber an seiner Haltung arbeiten. Das ist nochmal eine andere Baustelle. Lasst ihr einfach weiter laufen, wird es recht sicher weitere Konflikte und schlimmstenfalls Eskalationen geben.