Zum Beispiel bei der Gestaltung seines Zimmers: welche Farbe die Wände haben sollen, wie er es einrichten möchte, welche Möbel oder Dekorationen ihm gefallen. Auch bei Dingen wie der Auswahl seiner Kleidung, der Gestaltung seines Schreibtisches, welche Hobbys er ausprobieren möchte, welche Ausflüge oder Unternehmungen wir machen, welche Filme wir gemeinsam schauen.
Blauregen, also wirklich. Das sind völlig normale Dinge, die Eltern meiner Meinung nach IMMER berücksichtigen. Meine Tochter "durfte" diese Dinge schon für sich entscheiden, als sie unter 10 war. Durfte deshalb in Anführungszeichen, weil sie es sogar selbst entscheiden sollte.
Der Rollerführerschein ist bei uns tatsächlich schon länger ein Thema. Wir haben ihm auch in Aussicht gestellt, ihn zu ermöglichen, allerdings an ein paar Bedingungen geknüpft,
Die Bedingungen sind wahrscheinlich wieder in Richtung Leistung: Schule ordentlich, d.h. keine 4ren, zusätzlich zu seinen eh schon vorhandenen Verrichtungen im Haushalt weitere eigenständige Erledigungen zu tätigen, "freiwllig" weniger Zocken dafür mehr "freiwillig" lernen usw.
Andere Eltern belohnen ihr Kinder oder wollen sie einfach verwöhnen, alles ganz ohne Bedingungen. Du forderst sehr viel von deinem Sohn, die Privatschule war übrigens keine Belohnung für ihn. Geben, aber ohne Bedingungen ist keine Option?
Über einen Welpen als mögliche Geste habe ich ehrlich gesagt bisher noch nicht nachgedacht.
Das halte ich auch für keine gute Idee. Man kann nicht ein Tier durch ein anderes ersetzen. Zumal ein Hund ja nun schon im Haushalt lebt.
Das war bei meinem Sohn tatsächlich etwas anders. Er hatte von klein auf feste Aufgaben im Haushalt und es war für ihn selbstverständlich, sich einzubringen. Die hat er über viele Jahre auch meistens ohne großes Murren erledigt.
Deshalb war meine Erwartung nicht, dass er plötzlich etwas völlig Neues von selbst erkennt, sondern dass er an etwas anknüpft, das er schon lange kannte.
Hier wieder Forderungen und Erwartungen. Mich wundert wirklich nur, dass dein Sohn noch so folgsam ist und noch nicht total rebelliert hat. Er hat seit Jahren Aufgaben im Haushalt (warum?) und soll jetzt selbst erkennen, so deine Erwartung, dass er selbstständig noch mehr tut, weil er ja Aufgaben im Haushalt schon kennt?
Ich empfinde diese Entwicklung hier wirklich immer furchtbarer und ich bin fast geneigt zu sagen, dass du besser nie Mutter geworden wärst.
Du (ihr) verkackt die Beziehung mit dem Kindesvater, was eh schon schlimm für Kinder ist und anstatt dann für dein Kind ausnahmslos dazu sein, erziehst du ihn zu einem kleinen Haushaltshelfer und Ja-Sager. Und wunderst dich, dass du gerade Probleme mit ihm hast.
Das bedeutet aber nicht, dass ich unterschätzen sollte, wie wichtig es für meinen Sohn gewesen wäre, sich wirklich gehört zu fühlen.
Du kannst dir hundert mal anhören, was dein Sohn dir zu sagen gehabt hätte, deine Entscheidung fielen immer als Vorteil für dich aus, nicht für ihn.
Die jetzige Wandfarbe hat er selbst ausgesucht und entschieden. Die einzige Einschränkung war, dass sie nicht komplett schwarz sein sollte.
Er entscheidet zum Beispiel selbst über seine Kleidung, seinen Haarschnitt, was er gerne essen möchte.
Schwarze Wandfarbe kann per se sehr elegant aussehen, das nur mal am Rande.
Aber ich hab es oben schon geschrieben: Das ist doch nicht nur normal, sondern notwendig, um eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, einen eigenen Stil oder Trends mitzumachen. Es ist mir ein Rätsel, wie du diese Beispiele anführen kannst, um zu zeigen, dass dein Sohn doch einige wenige Sachen selbst entscheiden darf. Das ist Selbstverständlichkeiten, keine Superleistung einer Mutter.
Mein Verlobter hat sich deshalb angeboten, diese Dinge mit ihm zu machen, nicht um meinen Platz zu ersetzen, sondern weil er weiterhin jemanden haben sollte, mit dem er diese Interessen teilen kann.
Du bist aber die emotionale Stabilität deines Sohnes (gewesen), war es denn der Wunsch deines Sohnes, dass dein Verlobter dich da ersetzt? Ich denke nicht.
Du willst so viel Kontrolle über deinen Sohn, willst bestimmen, jede Situation beherrschen. Daher auch die Zimmerkontrollen und die Bestimmung darüber, ob und wann dein Sohn das Haus verlassen darf, wenn er nicht zu deiner Zufriedenheit spurt.
Dein Sohn fängt langsam an zu rebellieren (über Balkon abhauen, angetrunken zurück kommen) und du merkst immer noch nicht, wie elend sich dein Sohn bei all den Regeln, Entwurzelungen, Forderungen nach Dankbarkeit und Pflichten fühlt. Ich empfinde alles irgendwie viel zu viel bei dir.
Du hattest geschrieben, dass du als Kind eine eher arme Lebensform hattest. Ja, die eigenen Kinder sollen es mal besser haben, als wir es hatten. Das ist ein normaler Instinkt, den jede Eltern haben. Aber du übertreibst es komplett und hast dich da total verrannt. Ein User schrieb, dass du wohl deinen Sohn deine verpasste Kindheit leben lässt, egal was er möchte. Und dem Gedanken kann ich mich nur anschließen. Dir wird es mit deiner Kindheit nicht besser gehen, wenn du es auf diese Art versuchst, es deinem Sohn aufzudrücken. Wenn sich für deinen Sohn nicht absehbar einiges verbessert, kann niemand ausschließen, dass er mit 16 noch bei euch lebt. Da bin ich mit ziemlich sicher.