Ich würde gerne noch etwas hinzufügen.
Mir kam das schon seit langer Zeit so vor. Auch wenn ich mit meiner Mutter geschrieben habe, musste die Initiative immer von mir ausgehen. Ich habe sie gefragt, wie es ihr geht, wie ihr Arbeitstag war oder was sie gerade beschäftigt. Solche Fragen kamen von ihr mir gegenüber eigentlich nie. Sie hat kaum Interesse daran gezeigt, was in meinem Leben passiert.
Selbst jetzt, wo ich gerade meinen Techniker mache, fragt sie überhaupt nicht danach. Es kommen keine Nachfragen, kein Interesse. Ich bin immer diejenige, die einfach von sich aus erzählt. Stattdessen meinte sie sogar, dass ich die Schule eigentlich gar nicht machen müsste, weil die Welt sowieso bald untergehen würde und dann nichts mehr funktionieren werde.
Am Sonntag war das alles so extrem, dass ich irgendwann einfach gegangen bin.
Seitdem hat meine Mutter mir bis heute auch nicht geschrieben. Leider war das schon immer so: Die Initiative ging fast ausschließlich von mir aus. Ich habe gefragt, wie ihr Arbeitstag war, wie es ihr geht oder was sie gerade macht. Von ihr kam das nie zurück. Dadurch hatte ich immer stärker das Gefühl, dass sie sich überhaupt nicht für mein Leben interessiert.
Ich vermute, dass sie inzwischen nur noch auf ihre Bibel und diese ganzen religiösen Themen fokussiert ist. Sie hat sogar einmal gesagt, dass ihr das Leben in dieser Welt keinen Spaß mehr macht und sie glücklicher wäre, wenn sie irgendwann bei Gott sein könnte. Sie meinte das nicht im Sinne von Suizid, aber trotzdem hat mich diese Aussage sehr getroffen. Für mich hat es sich so angefühlt, als wäre ich ihr gar nicht mehr wichtig.
Ich habe das Gefühl, ich habe meine alte Mutter verloren. Ich vermisse sie sehr.
Trotzdem möchte ich den Kontakt nicht komplett abbrechen, weil meine Mutter sonst kaum noch jemanden hat. In unserer Familie sind fast alle miteinander zerstritten. Sie hat zwar ihre Kollegen auf der Arbeit, aber das war es dann auch schon.