Gestern gab es den Versuch einer telefonischen Aussprache zwischen meiner Nachbarin und ihrem Sohn.
Alles endete damit, dass der Sohn sie wutentbrannt aus der Leitung gedrückt hat.
Nachbarin fragte zu Beginn , was sie falsch gemacht habe.
Sie würde es gern wissen wollen, damit sie ihre Fehler reflektieren und sich entschuldigen könne.
Sohn wollte sich anfangs nicht auf dieses Gespräch einlassen.
Dann rückte er mit einer, meiner Meinung nach, an den Haaren herbeigezogenen Story raus, die sich ereignet hat als er in der 8. Klasse war.
Es muss das Jahr 2011 gewesen sein.
Das ganze liegt also eineinhab Jahrzehnte zurück.
In der Schule fand eine sogenannte Projektwoche statt, die von Montag morgen bis Freitag mittag dauerte.
Für den Freitag nachmittag lud der Klassenlehrer die Schüler seiner Klasse zu einem Grillnachmittag in seinen Garten ein, quasi als krönenden Abschluss der Woche.
Die Teilnahme war freiwillig, da außerhalb der Schulzeit.
Nachbarssohn war bereits Tage vorher schlecht gelaunt, wegen dieses Grillnachmittags.
Er hatte zu der Zeit einen schlechten Stand in der Klasse und wurde oft gehänselt, weil er sich lieber bei den Mädchen aufhielt anstatt mit den Jungs Fußball zu spielen.
Auch seinen Klassenlehrer mochte er nicht sonderlich.
Er wollte da eingentlich partout nicht hin, war sich aber unsicher, ob er seinen Mitschülern durch die Nichtteilnahme vielleicht noch mehr Grund zum Lästern liefern könnte.
Er redete immer wieder mit seiner Mutter darüber.
Nachbarin erinnert sich nur noch vage, aber sie glaubt gesagt zu haben:
"Wenn du so ungern bei Hernn X grillen willst, dann geh nicht hin. Ich könnte mir frei nehmen und wir beide fahren stattdessen zum Shoppen und Eisessen nach YZ."
Die Entscheidung wurde gefällt: Nachbarssohn würde nicht am Grillnachmittag teilnehmen.
Er änderte seine Meinung dann aber noch kurzfristig und teilte seiner Mutter mit, dass er doch lieber mit der Klasse grillen möchte.
Und dann soll seine Mutter gesagt haben: "Ich wäre enttäuscht, wenn du beim Grillen mitmachst."
Und dieser Satz ist derjenige welcher, der den Kontaktabbruch ins Rollen gebracht hat.
Nachbarssohn hat diese Story angeblich stundenlang mit einem Freund analysiert und man sei gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, das sei hochgradige emotionale Erpressung.
Meine Nachbarin kann sich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass sie diese Äußerung gemacht hat.
Und selbst wenn sie das tatsächlich so formuliert haben sollte, dann hat sie es eben gesagt.
Ich sehe darin kein Vergehen.
Man kann diese Äußerung doof , egoisitisch oder unangemessen finden - aber mehr auch nicht.
Für mich klingt das alles sehr rätselhaft.
Entweder will Nachbarssohn nicht mit dem eigentlichen Problem herausrücken oder ich zweifel an seiner psychischen Gesundheit.