Mittlerweile fast täglich frage ich mich, bin ich zu schwach und weich, oder ist es wirklich einfach zuviel?
Du bist weder zu weich noch zu sensibel.
Was du beschreibst, ist
massive Überforderung in einer Situation, in der du
viel zu viel allein trägst und gleichzeitig
emotional abgewertet wirst.
Du arbeitest, versorgst zwei kleine Kinder, organisierst den gesamten Alltag, hältst finanziell alles zusammen – und bekommst dafür nicht nur keine Entlastung, sondern regelmäßig
Beschimpfungen, Schuldzuweisungen und verbale Gewalt. Das ist keine Kleinigkeit und auch kein „Beziehungsproblem“, das man mit mehr Durchhalten löst.
Dass dein Partner krank ist, erklärt manches – aber es
rechtfertigt nichts davon:
- nicht, Kinder als „unnütz“ zu bezeichnen
- nicht, dich kleinzumachen
- nicht, dich von deiner Familie zu isolieren
- nicht, Versprechen immer wieder zu brechen
- nicht, Verantwortung konsequent abzugeben und gleichzeitig Kontrolle auszuüben
Das, was du beschreibst (launischer Wechsel zwischen Abwertung und Liebesbekundungen, Lautwerden, Angst vor seiner Reaktion, körperliche Stresssymptome, Tränen, innere Unruhe), sind
klassische Zeichen von emotionaler Erschöpfung und psychischer Belastung – nicht von Schwäche.
Dein Körper meldet sich sehr deutlich. Übelkeit, Schmerzen, ständige Anspannung – das sind Warnsignale, kein Versagen.
Besonders wichtig:
Dein Gefühl,
hier bleiben zu wollen, wo deine Familie ist, ist sehr klar und sehr gesund. Menschen, die gut für uns sind, machen uns nicht kleiner und ziehen uns nicht von Unterstützung weg. Der Wunsch, dich räumlich weiter zu isolieren, während du ohnehin schon alles allein trägst, ist ein ernstzunehmendes Alarmsignal.
Du siehst den Wald sehr wohl.
Du beschreibst ihn gerade – nur stehst du mitten drin, müde, verletzt und ohne Pause.
Vielleicht ist der „Wink von außen“ dieser:
Nicht die Frage
„halte ich das noch aus?“ ist entscheidend, sondern
„was brauchen meine Kinder und ich, um sicher, respektvoll und nicht in Angst zu leben?“
Du musst heute keine Entscheidung treffen.
Aber du darfst anfangen,
dich ernst zu nehmen:
- sprich mit einer Vertrauensperson außerhalb dieser Beziehung
- hol dir Beratung (Frauenberatungsstelle, Familienberatung – unverbindlich!)
- bleib dort, wo du Unterstützung hast
- und glaub deinem Gefühl – es ist nicht dein Feind, sondern dein Schutz
Du bist nicht kaputt.
Du bist erschöpft, überlastet und allein gelassen.
Und du hast jedes Recht, dass sich daran etwas ändert.