Hi Sadie und danke für deine Antwort.
Ich danke dir sehr für deine lieben Worte.
Bzgl meiner Erkrankung: Grundsätzlich ist es so, dass forschende Ärzte der Überzeugung sind dass diese Erkrankung sogar geheilt werden kann. Leider fehlt Geld für die Forschung. Bevor ich selbst daran erkrankt bin hab ich noch nie etwas davon gehört und hätte mir niemals denken können dass es eine Erkrankung gibt die von der Politik und auch von vielen Ärzten fälschlicherweise so missinterpretiert und geleugnet wird, obwohl die Erkrankung nicht selten ist.
Also ja, theoretisch besteht die Chance auf Besserung. Ohne medikamentöse Intervention stehen die Chancen gering, aber Wunder gibt es ja immer wieder ?
Ich hatte zu Beginn meiner Erkrankung einen engagierten Professor an einer Universitätsklinik. Dieser hat mir (und einer handvoll anderen Patienten) Antikörper Infusionen verabreicht. Er sagte immer, die Krankenkasse wird das zahlen wenn er als Professor dies verordnet. Haben die Kassen wohl nicht bezahlt, er wurde nämlich entlassen und unsere Therapie endete. Er verabreichte uns die Infusionen weil durch Spendengelder mal eine kleine Studie mit 10 Personen durchgeführt werden konnte und es einigen mit den Infusionen besser ging.
Auch ich konnte von den Infusionen profitieren und mich stabilisieren, aber dadurch dass mir von heute auf morgen dann die Therapie verweigert wurde und keine weitere Therapie in Aussicht ist, bin ich mir unsicher in wie weit ich mich selbst so stabilisiere dass ich wieder arbeiten kann. Hatte damals eine Fortführung der Therapie bei der Krankenkasse beantragt, wurde abgelehnt. Aus dem Homeoffice könnte ich, mit freier Zeiteinteilung, für vielleicht 2h am Tag arbeiten. Leider lässt mein AG das nicht zu, obwohl mein Job aus dem Homeoffice möglich wäre. Es ist ein Trauerspiel und man kann eigentlich selbst kaum noch glauben was so passiert. Der Arbeitsmarkt ist nicht für kranke Menschen gemacht. Entweder funktioniert man so wie es erwartet wird (also 8h vor Ort im Büro sitzen) , oder man ist raus.
Und bzgl meiner Beziehung: also klar, habe ich Gefühle und natürlich fühlt sich durch meine Kindheit auch alles vertraut an. Tatsächlich halte ich aber auch daran fest weil nicht alles schlecht in der Beziehung ist und ich sonst ziemlich alleine wäre. Durch die Beziehung komme ich raus, ich habe eine weitere Person, neben meiner besten Freundin, die sich regelmäßig mit mir trifft und etwas mit mir unternimmt, mit mir in den Urlaub fährt und mich sogar dahingehend unterstützt (finanziell zum Teil, Koffer tragen etc). Also einen Großteil meiner Urlaube und Unternehmungen zahle ich natürlich alleine, ich bin niemand der sich aushalten lässt, aber zum Geburtstag bekomme ich dann auch mal was geschenkt oder werde zum Essen eingeladen etc. Es ist hauptsächlich die Begleitung zur Unterstützung falls ich sie brauche. Und auch wenn ich mich damit in eine Abhängigkeit begebe und es von mir irgendwie auch nicht fair ist, dabei will ich niemanden ausnutzen oder so, fällt es mir so schwer loszulassen. Meine Psychologin sagt immer, ich solle mir halt immer bewusst machen zu welchem Preis ich in dieser Beziehung bleibe. Und es ist mir bewusst. Aber die Alternative wäre, nur noch einen Ansprechpartner zu haben den ich regelmäßig sehe (meine beste Freundin) und ansonsten alleine in meiner Wohnung zu sitzen. Und davor habe ich Angst, weil ich das nicht möchte. Durch die Beziehung habe ich ein Stück weit das Gefühl wenigstens ein bisschen ein normales Leben zu führen und „raus“ zu kommen. Ich bin verliebt und habe Gefühle, aber ich weiß auch dass wenn ich gesund wäre, ich aus dieser Beziehung wegen der emotionalen und psychischen Gewalt, vermutlich schon ausgestiegen wäre. Aber wer weiß… Es ist so ein bisschen Zuckerbrot und Peitsche.
Zumindest hier weiß ich wie es mir psychisch besser gehen würde: indem ich mich trenne und mich selbst wieder an erste Stelle setze und mich von diesen destruktiven Mustern löse. Aber die Vorstellung alleine in meiner Wohnung zu sitzen und nur eine Person ab und zu leibhaftig zu treffen und mich auszutauschen löst in mir so eine Panik aus, dass ich denke ich ertrage lieber diese Beziehung als komplett alleine zu enden.
Wobei ich mir da ja auch was vormache… Ich bin zwar körperlich nicht alleine und komme raus etc, aber emotional bin ich in der Beziehung alleine. Und dann fühle ich mich schlecht, weil ich trotz meiner Verliebtheit niemanden „ausnutzen“ möchte. Aber ich weiß halt auch, dass mir diese Beziehung psychisch nicht gut tut, da mein Partner an einer Persönlichkeitsstörung leidet. Er ist zwar in Therapie, aber er hat durch die Störung Wahrnehmungsverzerrungen und ist nicht einsichtig. Zudem stellt er mich gerne als die „Schuldige“ in seinem Umfeld hin. Als würde ich ihn schlecht behandeln. Er ist bei anderen und bei mir wie zwei verschiedene Menschen und ich denk mir immer, dass die Leute in seinem Umfeld nicht checken dass er nicht dieser liebe und nette ist, der er vorgibt zu sein. Es gibt alle paar Tage dramatische Inszenierungen von seiner Seite und das zehrt unglaublich an meiner Kraft, da ich stets therapeutisch korrekt handeln „muss“, damit er nicht ausrastet. Und auch das ist keine Garantie.
Es ist ein Teufelskreis und ich sehe auch ein dass ich zum Teil selbst schuld bin. Aber ja, auch in Anbetracht der Wohnungssuche. Durch die frühere Obdachlosigkeit ist da auch diese Angst natürlich da, dass wenn ich keine Wohnung finde, ich zumindest dort unterkommen könnte. Vieles wird durch meine Ängste gesteuert, wobei ich da Verständnis für mich selbst habe durch meine bisherigen Erfahrungen.
Man soll sich ja in so Momenten der Angst immer fragen, was wäre das schlimmste was passieren kann ? Also damit man sieht, dass seine Ängste nicht schlimm sind und man es überstehen würde.
Aber das schlimmste was passieren würde, wäre dass ich wieder auf der Straße sitze, aber diesmal mit schwerer Krankheit, die zum Teil nichtmal anerkannt ist und stand jetzt offiziell nicht therapierbar und das dann auch noch alleine. Ich weiß, ich hab meine beste Freundin und ich bin auch wirklich dankbar sie zu haben, aber sie kann das alles nicht alleine tragen. Sie kann mich unterstützen, aber den Weg gehen muss ich am Ende selbst und mit diesen „Aussichten“ weiß ich nicht ob ich das schaffe.
Es tut mir leid dass ich so viel geschrieben habe und es tut mir auch leid falls mein Text sich anhört als würde ich mich als „Opfer“ sehen. Das möchte ich nicht, ich bin kein Mensch der sich als Opfer sieht oder bemitleidet werden will. Aber diese Gefühle müssen raus und ja, die Erkrankung macht mich sauer weil ich weiß dass soviel mehr möglich wäre wenn diese Krankheit nicht wäre.
Andere verwirklichen sich selbst, gründen eine Familie, machen Karriere und man selbst versucht sich ein Stück weit Normalität durch Urlaube zu erhaschen, damit man wenigstens auch noch was erlebt hat und versucht sich selbst über Wasser zu halten, indem man in einer ungesunden Beziehung bleibt.
Weil alles irgendwie besser ist, als gar nichts zu haben oder überwiegend alleine zu sein.