Das klingt furchtbar und tut mir sehr leid für dich.
Weiß deine Tochter von dem Geburtsvorgang und deiner unermesslichen Belastung?
Ich wurde per Kaiserschnitt geholt und mit dem Skalpell gleich ordentlich verletzt. Die Narbe ist mit mir mitgewachsen.
Meine Mutter wurde abgeschossen, sie sah mich erst 48 Stunden später. Das hat sie schwer traumatisiert.
Ich habe das sehr sehr oft in meinem Leben gehört... "Alle hatten dich schon gesehen, nur ich nicht."
Das war ja kein Vorwurf an mich, aber das Gefühl der Schuld wuchs von Erzählung zu Erzählung in mir.
Das tut mir sehr leid, Drölfchen.
Man mag gar nicht darüber nachdenken, wie es sich für ein Neugeborenes anfühlen muss, das Licht der Welt zu erblicken und zeitgleich mit einem Skalpel derartig verletzt zu werden, dass eine lebenslange Narbe bleibt.
Neben dieser immer sichtbaren Narbe hat das mit Sicherheit auch tiefe eine Narbe in deiner Seele verursacht.
Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr auch deine Mutter gelitten haben muss.
Versuche, in ihren Worten: "Alle hatten dich schon gesehen, nur ich nicht" zu erkennen, dass sie dich einfach nur gern als allererste gesehen und in ihre Arme genommen hätte - wie es bei Geburten üblich ist. Aber ich kann auch gut nachvollziehen, dass solch eine Äußerung Schuldgefühle erzeugen kann. Für ein Kind muss sich das wie ein Vorwurf anhören.
Bei mir waren es zum Glück keine 48 Stunden, die ich von meinem Kind getrennt war.
Direkt nach der Geburt wurde sie mir kurz gezeigt. Diese übereifrige junge Ärztin sagte noch, dass mein Kind jetzt gründlich untersucht wird.
Dann wurde ich zusammengenäht, was vielleicht 2 Stunden gedauert hat.
Anschließend schob man mich in ein Zimmer. Mein Mann saß dort am Bett unserer Tochter.
Endlich erfuhr ich, dass unser Kind weder einen zu großen Kopf, noch sonst irgenwelche Auffälligkeiten hatte. Ihre Vitalwerte waren top.
Nachdem ich damals aus der Narkose erwachte, musste ich noch eine Weile still liegenbleiben.
Während ich dort lag, habe ich bei dem Gedanken an ein schwerkrankes Kind Qualen ausgestanden.
Ich fühlte mich in meinem Leben nie wieder so allein und so unglücklich.
Wenn ich so darüber nachdenke, macht es mich heute noch wütend, dass man mir nicht gleich nach dem Aufwachen aus der Narkose gesagt hat, dass die Ärztin sich getäuscht hat und dass mein Kind kerngesund ist.
Ich habe meiner Tochter später von ihrer Geburt erzählt. Aber der Fokus lag dann immer auf der "doofen Ärztin", die uns völlig grundlos in Angst und Panik versetzt hat.
Deshalb glaube ich nicht, dass sie dadurch Schuldgefühle entwickelt hat.