Das habe ich eigentlich dich gefragt.
Ach, du fragst mich? Ausgerechnet jemanden, der fürs Gendern ist?
Na ja, ich kann’s ja trotzdem versuchen: Vielleicht liegt die inkonsequente Anwendung einfach daran, dass gendergerechte Sprache bei vielen sofort zu nervösen Zuckungen führt - Stichwort: ideologischer Kurzschluss.
Man kann schwer etwas konsequent umsetzen, wenn schon beim ersten Genderstern ein halber Kulturkampf ausbricht. Also: Frag lieber nicht mich, warum nicht durchgängig gegendert wird - frag lieber diejenigen (dich eingeschlossen), die es bei jeder Gelegenheit torpedieren.
"Täter" ist nicht geschlechtsneutral, von daher kann es auch nicht so gemeint worden sein.
Deshalb ja mein Beispiel mit dem Begriff "Verursacher", welcher ebenfalls nicht geschlechtsneutral ist.
Es geht ja hierbei nicht um Meinungen, sondern um Richtig oder Falsch.
Wenn du sagst, „Täter“ sei nicht geschlechtsneutral, dann gilt das konsequenterweise auch für Begriffe wie „Arzt“, „Lehrer“ oder „Wähler“, oder? Denn auch die sind grammatikalisch maskulin und stehen im generischen Maskulinum. Deine Argumentation bringt also gerade sehr gut auf den Punkt, warum viele Menschen genau deswegen gendern - weil diese angeblich „neutralen“ Begriffe nicht wirklich neutral wahrgenommen werden.
Ich kann deine Ausreden jetzt nicht nachvollziehen. In meinem, und in einer Vielzahl anderer Beispiele, wurde ja nicht gegendert.
Das nennt man rhetorisches Ausweichen: Ich erkläre dir den Grund, warum Menschen gendern - du sagst: „Aber da wurde doch gar nicht gegendert.“ Ja. Und das ist exakt Teil des Problems. Danke fürs Beispiel.
Und wenn nicht, ist es ja nicht so schlimm. Bei Ärztin oder Beamtin wäre es ja ein nennenswertes Problem, würde man dies nicht in dieser Form gendern.
Bei Mörder oder Dieb ist es kein Problem wenn sich dies nicht auf Frauen bezieht.
Also wenn ich dich richtig verstehe:
Gendern ist schlimm - es sei denn, es geht um Straftaten.
Dann ist es plötzlich ein empörender Beweis für ein gesellschaftliches Ungleichgewicht.
Ganz schön flexibel, deine Ablehnung.
Nur zur Einordnung:
Ich bin für konsequentes Gendern - auch bei negativen Rollenbildern.
Sprache soll nicht nur dann gerecht sein, wenn es gut klingt oder dem Image dient. Sie soll immer gerecht sein, selbst dann, wenn es um Täter*innen geht.