G
Gelöscht 131759
Gast
Hallo zusammen,
ich bin neu hier, weil ich mir unbedingt jetzt sofort den ganzen Mist von der Seele schreiben muss.
Seit dem ich vor 20 Jahren das Gymnasium völlig überfordert abgebrochen habe, begleitet mich eine generalisierte Angststörung mit Panikattacken. Demzufolge sollte ich stolz sein, auf das, was ich bisher geleistet habe. Nur ging das alles in die völlig falsche Richtung.
Früher einmal war ich musikalisch und wollte Musik studieren. Allerdings war ich darin auch perfektionistisch und habe das Handtuch geworfen, bevor ich es versucht habe. Die hätten mich auch ohne Abi genommen. Aber nein. Ich habe ältere Studenten spielen gehört und kam mir dumm und nichtig vor.
Sodann habe ich in den gelben Seiten geschaut, was es für Unternehmen gibt, wo ich eine Ausbildung machen könnte (ich wusste nicht, was ich sonst im Leben tun sollte) und unter A wie Anwalt wars gekauft. Ich hab eine Ausbildung zur RA-Fachangestellten gemacht. Das Thema lag mir gut. Nur leben konnte ich vom Verdienst nicht. Das waren damals ca. 900 EUR netto pro Monat (ausgelernt).
Also hab ich in ein Inkassounternehmen gewechselt, mich 5 Jahre mit Schuldnern, Gläubigern und Gerichtsvollziehern herumgestritten und nebenbei den Wirtschaftsfachwirt und den Betriebswirt bei der IHK gemacht. Im Anschluss hatte ich schwerste Probleme einen Job zu finden, weil ich keine Praxiserfahrung hatte. Nur alles theoretisch gelernt habe. Im Umgang mit Zahlen und Finanzen bin ich leider eine Flasche. Keine Ahnung, warum ich also den Betriebswirt gemacht habe. Ich wollte in die Industrie, weil man da besser verdient.
Nach 200 Bewerbungen habe ich eine Stelle als Assistentin gefunden. Wurde dann nach 6 Jahren zusammen mit meinem Chef im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen entlassen und kam glücklicherweise direkt bei einer anderen Firma unter, wo ich nun seit 3 Jahren bin.
Ich verdiene genau so gut, bin im Homeoffice, der Job ist eher langweilig, undurchsichtig (man kann es an vielen Stellen nur falsch machen, egal wie), aber wenn sie mich in Ruhe lassen, bietet der Job viel Geld für viel Freiheiten.
Über die letzten 3 Jahre bin ich träge geworden. Ich habe keinen Antrieb mehr, etwas Neues zu lernen und noch einmal zu wechseln. Ich habe letztes Jahr nebenbei den Personalreferenten gemacht um wechseln zu können aber auch da fehlt mir Berufserfahrung. Lauter Absagen.
Nun habe ich mich für ein Fernstudium Wirtschaftsrecht eingeschrieben ab April 25. Keine Ahnung, ob mich das weiter bringt. Das letzte Semester ist ein Praxissemester. Die Fernhochschule hat dabei Unterstützung angeboten, einen Betrieb zu finden, in dem ich das machen kann. Darauf zähle ich.
Nebenbei kommen jetzt aber zwischenmenschliche Konflikte bei der Arbeit auf. Wir sind 7 Leute mit Assistentin und Vorgesetzter. 3 Davon sind Ingenieure, kümmern sich um Patente und sind von Haus aus was besseres. Einer davon hat eifrig ein Programm programmiert, mit dem wir arbeiten, von dem die IT aber nichts wissen will. Der Programmierer geht demnächst in Rente.
Ich und 2 andere Kollegen kümmern uns um Marken und Designs. D. h. wir scrollen uns durch Millionen von Bildern durch und ackern und pflügen die Welt nach eventuellen Plagiaten und Verletzungen durch. Die Grenzen zwischen Verletzung oder nicht sind oft nicht ganz klar und müssen mit Patentanwälten geklärt werden. Eigene Entscheidungen sind nicht an der Tagesordnung. Quasi alles muss abgestimmt werden. Letztens kam vom Programmierer die Ansage, dass ich und meine beiden Kollegen die ganze Zeit Akten falsch im Programm angelegt hätten. Das sagt man uns nach 3 Jahren. Und dann bleibt es nicht dabei zu sagen, "macht das in Zukunft so und so", sondern es wurde drauf herumgeritten. Immer wieder wiederholt und warum unser Fehler so übel war und blablabla. Meine Vorgesetzte hat das aufgegriffen und ist sogar noch einen Monat später drauf rumgeritten. Das war nicht das erste Mal. Inzwischen rechne ich jeden Tag mit ähnlichem, dass von schräg hinten wieder was kommt, was wir eigentlich wieder alles für einen Mist gemacht haben.
Heute habe ich zu einem Thema eine positive Lösung gefunden, wäre mit etwas mehr Arbeit für uns verbunden aber in Summe echt gut - wurde nieder gemacht und schlecht geredet von der Vorgesetzten. Kann ja nicht sein, dass wir mehr tun müssen.
Meine beiden Kollegen sind vom Typ her eher zurückhaltend und sagen nie von sich aus, wenn sie was nervt. Höchstens wenn ich frage, äußern sie sachte Unmut aber das ist eben so und man könne nix machen. Die eine nimmt eh alles gleich auf sich und hängt immer an die große Glocke was sie falsch gemacht hat (auch wenn sie es gar nicht war) und der andere ist detailverliebt und verzettelt sich ständig, ist aber mit seiner Meinung zurückhalten und schluckt viel. Brauchen halt beide das Geld.
Es wird echt mühsam und positiv ist echt nur noch das Homeoffice und das Geld. Aufgrund der Angsterkrankung (ist in Zeiten von Corona wieder schlimmer geworden) traue ich mir einen normalen Job draußen im Büro gar nicht mehr zu. Ich traue mich auch nichts Neues mehr und fühle mich in der Situation gefangen. In einem falschen Beruf gefangen aber ohne Perspektive. Das Studium würde 3 Jahre gehen. Wer weiß, was bis dahin kommt. Ich müsste es noch 3 Jahre in diesem Beruf aushalten.
Mein Elternhaus und mein Partner sind leider karrieregeil und finden es wichtig, gut zu verdienen. Einen Freundeskreis habe ich nicht, seit ich zu meinem Partner gezogen bin (200km weg), habe ich es nicht geschafft, Freunde zu finden. D. h. zu kündigen, bei Edeka Regale einräumen und nebenbei studieren ist ein no go. Zumal ich mich auch an das gute Gehalt gewöhnt habe.
An vielen Tagen bin ich innerlich einfach nur stumpf, mache Dienst nach Vorschrift, lasse 5 gerade sein und denke "Am A**** vorbei" und an manchen Tagen flackert in mir was auf und ich denke WTF tue ich hier eigentlich. Aber was besseres fällt mir dann auch nicht ein. Dann bin ich frustriert - so wie jetzt - und gehe abends einkaufen oder online shoppen oder spiele Lotto als Belohnung für diese beschissene Situation.
ich bin neu hier, weil ich mir unbedingt jetzt sofort den ganzen Mist von der Seele schreiben muss.
Seit dem ich vor 20 Jahren das Gymnasium völlig überfordert abgebrochen habe, begleitet mich eine generalisierte Angststörung mit Panikattacken. Demzufolge sollte ich stolz sein, auf das, was ich bisher geleistet habe. Nur ging das alles in die völlig falsche Richtung.
Früher einmal war ich musikalisch und wollte Musik studieren. Allerdings war ich darin auch perfektionistisch und habe das Handtuch geworfen, bevor ich es versucht habe. Die hätten mich auch ohne Abi genommen. Aber nein. Ich habe ältere Studenten spielen gehört und kam mir dumm und nichtig vor.
Sodann habe ich in den gelben Seiten geschaut, was es für Unternehmen gibt, wo ich eine Ausbildung machen könnte (ich wusste nicht, was ich sonst im Leben tun sollte) und unter A wie Anwalt wars gekauft. Ich hab eine Ausbildung zur RA-Fachangestellten gemacht. Das Thema lag mir gut. Nur leben konnte ich vom Verdienst nicht. Das waren damals ca. 900 EUR netto pro Monat (ausgelernt).
Also hab ich in ein Inkassounternehmen gewechselt, mich 5 Jahre mit Schuldnern, Gläubigern und Gerichtsvollziehern herumgestritten und nebenbei den Wirtschaftsfachwirt und den Betriebswirt bei der IHK gemacht. Im Anschluss hatte ich schwerste Probleme einen Job zu finden, weil ich keine Praxiserfahrung hatte. Nur alles theoretisch gelernt habe. Im Umgang mit Zahlen und Finanzen bin ich leider eine Flasche. Keine Ahnung, warum ich also den Betriebswirt gemacht habe. Ich wollte in die Industrie, weil man da besser verdient.
Nach 200 Bewerbungen habe ich eine Stelle als Assistentin gefunden. Wurde dann nach 6 Jahren zusammen mit meinem Chef im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen entlassen und kam glücklicherweise direkt bei einer anderen Firma unter, wo ich nun seit 3 Jahren bin.
Ich verdiene genau so gut, bin im Homeoffice, der Job ist eher langweilig, undurchsichtig (man kann es an vielen Stellen nur falsch machen, egal wie), aber wenn sie mich in Ruhe lassen, bietet der Job viel Geld für viel Freiheiten.
Über die letzten 3 Jahre bin ich träge geworden. Ich habe keinen Antrieb mehr, etwas Neues zu lernen und noch einmal zu wechseln. Ich habe letztes Jahr nebenbei den Personalreferenten gemacht um wechseln zu können aber auch da fehlt mir Berufserfahrung. Lauter Absagen.
Nun habe ich mich für ein Fernstudium Wirtschaftsrecht eingeschrieben ab April 25. Keine Ahnung, ob mich das weiter bringt. Das letzte Semester ist ein Praxissemester. Die Fernhochschule hat dabei Unterstützung angeboten, einen Betrieb zu finden, in dem ich das machen kann. Darauf zähle ich.
Nebenbei kommen jetzt aber zwischenmenschliche Konflikte bei der Arbeit auf. Wir sind 7 Leute mit Assistentin und Vorgesetzter. 3 Davon sind Ingenieure, kümmern sich um Patente und sind von Haus aus was besseres. Einer davon hat eifrig ein Programm programmiert, mit dem wir arbeiten, von dem die IT aber nichts wissen will. Der Programmierer geht demnächst in Rente.
Ich und 2 andere Kollegen kümmern uns um Marken und Designs. D. h. wir scrollen uns durch Millionen von Bildern durch und ackern und pflügen die Welt nach eventuellen Plagiaten und Verletzungen durch. Die Grenzen zwischen Verletzung oder nicht sind oft nicht ganz klar und müssen mit Patentanwälten geklärt werden. Eigene Entscheidungen sind nicht an der Tagesordnung. Quasi alles muss abgestimmt werden. Letztens kam vom Programmierer die Ansage, dass ich und meine beiden Kollegen die ganze Zeit Akten falsch im Programm angelegt hätten. Das sagt man uns nach 3 Jahren. Und dann bleibt es nicht dabei zu sagen, "macht das in Zukunft so und so", sondern es wurde drauf herumgeritten. Immer wieder wiederholt und warum unser Fehler so übel war und blablabla. Meine Vorgesetzte hat das aufgegriffen und ist sogar noch einen Monat später drauf rumgeritten. Das war nicht das erste Mal. Inzwischen rechne ich jeden Tag mit ähnlichem, dass von schräg hinten wieder was kommt, was wir eigentlich wieder alles für einen Mist gemacht haben.
Heute habe ich zu einem Thema eine positive Lösung gefunden, wäre mit etwas mehr Arbeit für uns verbunden aber in Summe echt gut - wurde nieder gemacht und schlecht geredet von der Vorgesetzten. Kann ja nicht sein, dass wir mehr tun müssen.
Meine beiden Kollegen sind vom Typ her eher zurückhaltend und sagen nie von sich aus, wenn sie was nervt. Höchstens wenn ich frage, äußern sie sachte Unmut aber das ist eben so und man könne nix machen. Die eine nimmt eh alles gleich auf sich und hängt immer an die große Glocke was sie falsch gemacht hat (auch wenn sie es gar nicht war) und der andere ist detailverliebt und verzettelt sich ständig, ist aber mit seiner Meinung zurückhalten und schluckt viel. Brauchen halt beide das Geld.
Es wird echt mühsam und positiv ist echt nur noch das Homeoffice und das Geld. Aufgrund der Angsterkrankung (ist in Zeiten von Corona wieder schlimmer geworden) traue ich mir einen normalen Job draußen im Büro gar nicht mehr zu. Ich traue mich auch nichts Neues mehr und fühle mich in der Situation gefangen. In einem falschen Beruf gefangen aber ohne Perspektive. Das Studium würde 3 Jahre gehen. Wer weiß, was bis dahin kommt. Ich müsste es noch 3 Jahre in diesem Beruf aushalten.
Mein Elternhaus und mein Partner sind leider karrieregeil und finden es wichtig, gut zu verdienen. Einen Freundeskreis habe ich nicht, seit ich zu meinem Partner gezogen bin (200km weg), habe ich es nicht geschafft, Freunde zu finden. D. h. zu kündigen, bei Edeka Regale einräumen und nebenbei studieren ist ein no go. Zumal ich mich auch an das gute Gehalt gewöhnt habe.
An vielen Tagen bin ich innerlich einfach nur stumpf, mache Dienst nach Vorschrift, lasse 5 gerade sein und denke "Am A**** vorbei" und an manchen Tagen flackert in mir was auf und ich denke WTF tue ich hier eigentlich. Aber was besseres fällt mir dann auch nicht ein. Dann bin ich frustriert - so wie jetzt - und gehe abends einkaufen oder online shoppen oder spiele Lotto als Belohnung für diese beschissene Situation.
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