Ich finde, ihr müsst ein bisschen aufpassen, was ihr ihm alles andichtet, für mich schießt das ganz schön über das Ziel hinaus
Ich habe nicht behauptet, dass er seine Tochter eindeutig sexuell missbraucht. Wie sollte ich das auch wissen? Wie ich schon geschrieben hab, es ist diese
Kombination aus verschiedenen, teils seltsamen Verhaltensweisen, die mich misstrauisch macht bezüglich seiner Gefühle und Absichten gegenüber seiner Tochter und gegenüber Dream.
Gerade eben kommt mir ein Gedanke: Kann es sein, dass er sich innerlich von dir, Dream, abgewendet hat, weil er realisiert hat, dass du wirklich keine eigenen Kinder willst? Vielleicht ist sein Wunsch, seine Phantasie, dass er in einer Familie mit mehreren Kindern das Gruppen-Geborgenheitsgefühl erleben würde, das er als Kind in seiner Familie mit seinem Bruder/Brüdern nie erlebt hat. Oder viel zu wenig davon.
Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass er sich tief im Inneren einsam fühlt. Zu seiner Ursprungsfamilie hat er den Kontakt abgebrochen oder verloren. Zu seiner Noch-Ehefrau scheint er kein gutes Verhältnis zu haben. Er traut sich nicht, dir seine Geschichte zu erzählen. Man muss sich ja nicht absolut alles erzählen, aber er sagt dir fast nichts über seinen Lebensweg und über seine seltsamen Verhaltensweisen. Also fühlt er sich so, wie er ist, nicht wirklich liebenswert. Seiner Tochter kann er sein Inneres auch nicht anvertrauen, aber er versucht, eine äußerliche größtmögliche Harmonie mit ihr herzustellen, also Aggressionen auf beiden Seiten zu vermeiden.
Ich hab das Zitat gefunden, das ich gestern vage im Sinn hatte. Ist aber anders, als ich es in Erinnerung hatte!
🙂 Es geht nicht um eine psychologische Sexualisierung durch den Vater. Es stammt aus einem Band mit Märcheninterpretationen von Eugen Drewermann: "Rapunzel, Rapunzel, laß dein Haar herunter". Drewermann ist ein sehr bekannter katholischer Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller, inzwischen aus der Kirche ausgetreten. Das Zitat stammt aus der Interpretation von "Rapunzel" und bezieht sich auf die Zauberin, die alte Frau Gothel, die Rapunzel durch eine Erpressungsgeschichte an sich reißt und in den Turm sperrt. Drewermanns Interpretation fußt auf einer angenommenen Identität von Mutter und Zauberin. "Rapunzel [...] ist ein überaus schönes Kind, voller Anmut und Liebreiz, und die Mutter eines solchen Mädchens wird gewiß alles nur Erdenkliche unternehmen, um ihren Sonnenschein ins rechte Licht zu rücken: Von früh an wird sie das Mädchen auf das entzückendste und vorteilhafteste kleiden; mit ängstlichem Bedacht wird sie es in der Kunst unterweisen, sich selber geschmackvoll und apart in Szene zu setzen, und ohne es selber besonders zu merken, wird sie geneigt sein, allen möglichen Gefühlsregungen und Ausdrucksformen im Leben ihrer Tochter einen ebenso verheißungsvollen wie bedrohlichen Nebensinn beizumessen. Das ganze Leben Rapunzels wird auf diese Weise von Anfang an durchsexualisiert sein, ohne indessen jemals eine erlebbare sexuelle Empfindung oder Erfahrung zulassen zu dürfen; denn käme es dazu, so müßte die Gettoschranke der mütterlichen Verbote augenblicklich Rapunzels Ich gefangennehmen. [...] Sie blickt zu ihrer Tochter auf wie zu einer weltenthobenen Königin, und wirklich muß sie selber sich glücklich preisen, wenn sie an Rapunzels goldenen Haaren immer von neuem zu dem Niveau ihrer Tochter emporgehoben wird [...]."
Dein Partner ist natürlich nicht eins zu eins die alte Zauberin, aber ich finde, da passt einiges. U. a. wird sie vermutlich ihrer Mutter entfremdet. Wenn das Mädchen in die Pubertät kommt und sich für Jungs (oder Mädchen) interessiert, wird dein Partner sich vermutlich wie eine Furie aufführen, weil seine Stütze wegbricht.
Das Verhältnis deines Partners zu seiner Tochter ist rein rechtlich nicht dein Bier. Aber ich finde es sehr problematisch, dass das Mädchen in dieser schwierigen Situation von seiner Mutter psychologisch abgetrennt wird, indem es beim Papa alles darf und die dann weniger und weniger Einfluss auf das Kind hat. Könntest du dir vorstellen,
anonym irgendwo anzurufen, z. B. bei der Telefonseelsorge oder beim Kinderschutzbund, und fragen, wie sie diese Situation sehen? Eigentlich bräuchte die Mutter Beistand, finde ich.
Und was eure Beziehung anbelangt: Könntest du dir vorstellen, deinen Partner mal, wenn ihr für längere Zeit allein seid, in einer ruhigen, liebevollen Stimmung zu fragen, warum er dir so wenig von sich erzählen will? Ob er kein Vertrauen hat? Ob er schon erlebt hat, dass andere ihn verletzen, wenn er sich öffnet?
Wenn er tief innen drin, sozusagen "genetisch bedingt"
😉 mehrere Kinder will, dann hat eure Beziehung wohl wenig Chancen. Aber wenn er sich mehr Kinder nur wünscht, weil er etwas nachholen will, das nicht mehr nachzuholen ist, weil er sich einer Partnerin nicht öffnen kann und sich dann einsam fühlt, dann wäre es vielleicht etwas anderes.
Allerdings gibt es für die meisten Männer ja nichts Einfacheres als sich zu öffnen 😁