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Jugendlicher Mitbewohner - darf ich noch einen Rückzieher machen?

Ana

Mitglied
Ich befinde mich gerade in einem ernsten Dilemma: Wann darf man ein Hilfsangebot rückgängig machen? Darf man das überhaupt? Und wenn ja - wie gehe ich vor?

Ich muss ein kleines bisschen weiter ausholen, damit die Zusammenhänge verständlich werden:

Mein Sohn ist im November 2022
zu seinem Vater gezogen. Im August 2023
hat er den Kontakt zu mir abgebrochen und kam dann im Dezember 2023 wieder zu mir nach Hause, nachdem das Experiment mit einem Vater ziemlich unglücklich ausgegangen ist. Sein Vater hat darauf den Kontakt zu ihm auf sehr unfeine Art und Weise abgebrochen, worunter er heute noch sehr leider.

Das hat mit meinem eigentlichen Problem nichts zu tun, ist aber wichtig für die Dynamik dahinter.

Im April diesen Jahres haben mein Sohn und der Nachbarsjunge (beide 17) gefragt, ob die Möglichkeit besteht, dass der Nachbar bei uns nach den Sommerferien einzieht. Ich wusste, dass er bereits letztes Jahr mit dem Jugendamt Kontakt hatte um evtl. in eine betreute Wohngruppe zu ziehen, da die Verhältnisse bei ihm zuhause ehr schwierig sind (Mutter ist Borderliner, Alkoholikerin und er hat mindestems schon zweimal nach einem Suizidversuch für sie den Rettungswagen rufen müssen, was für einen Teenager alles andere als schön ist. Vater lebt ziemlich weit weg, ebenfalls Alkoholiker). Nachdem seine Mutter dann aber vorübergehend deutlich besserer Verfassung war, hat er das wieder fallen lassen.

Ich hatte die Frage der beiden vage offen gelassen, dachte ich doch, dass sich das bis zu den Sommerferien noch mehrfach ändern kann.

Drei Wochen später kam ich abends nach dem Sport nach Hause als der Junge völlig zerstört auf meinem Sofa saß. Er hatte großen Stress zuhause und musste zumindest kurzfristig woanders hin.

Ich habe ihm angeboten, erst mal über Nacht zu bleiben. Daraus wurden dann fünf Nächte, bis er sich mit seiner Mutter zu einer Aussprache getroffen hat. Die hatte ihn aber quasi schon „ausgeplant“, ihn gebeten, am Wochenende seine Möbel abzuholen und den Schlüssel dann in ihren Briefkasten zu werfen.

Mein Sohn bat darum, dass er bei uns bleiben darf und habe erstmal zugestimmt. Immer noch in der Annahme, das eine Mutter sowas nicht ernst meinen kann und dass das eine vorübergehende Situation ist.

Samstags war ich mit einer Freundin verabredet und als ich nach Hause kam war mein Arbeitszimmer leer geräumt und seine Möbel dort aufgebaut. Das hat mich schon ein wenig überfahren, aber ich hatte ja gesagt, dass er bleiben darf, also hab ich das so akzeptiert.

Er ist eigentlich ein großartiger Junge. Viel zu vernünftig und selbständig für sein Alter. Man merkt ihm an, dass er sich schon sehr lange um sch selbst kümmern muss. Und er hat ständig Sorge, etwas falsch zu machen oder anzuecken.

Aber: Mein Sohn tut sich extrem schwer damit, jemanden anderes im Haus zu haben. Es kommt immer wieder zu Konflikten wegen Kleinigkeiten zwischen den Jungs. Mein Sohn ist sehr introvertiert, braucht seinen Rückzugsort und Zeit für sich, der andere Junge ist extrem extrovertiert und will ständig Anschluss. Wenn er den bei meinem Sohn nicht findet, kommt er zu mir (ich arbeite zu 100% aus dem Home Office, bin also immer zuhause).

Das führt dazu, dass mein Sohn und ich teilweise kaum noch Kontakt haben , weil er sich lieber in sin Zimmer zurückzieht als eine Dreier-Situation im Wohnzimmer zu haben. Gerade da wir nach der Rückkehr von seinem Vater auch noch in der „Aufarbeitungsphase“ waren als der andere Junge einzog ist das auch für mich problematisch.

Jetzt sind Ferien, neide Jungs den ganzen Tag zuhause und die Situation beginnt richtig schwierig zu werden. Mein Sohn wird immer gereizter wegen der beengteren Wohnsituation und auch ich merke, dass es mich doch sehr stört, in meiner eigenenWohnung keine echte Privatsphäre mehr zu haben. Letztes Jahr waren fast täglich Freunde zu Besuch, das fällt jetzt komplett weg, weil ich quasi wie in einer WG mit zwei Halbwüchsigen wohne.

Dazu kommt, dass ich gerade einen Mann kennengelernt habe, der vielleicht eine wichtigere Rolle in meinem Leben spielen könnte, aber ich bin faktisch nicht besuchbar. Es mag egoistisch sein, aber das stört mich gerade extrem.

Wie oben erwähnt: Der Junge ist toll und „pflegeleicht“. Aber er ist nicht Familie - und ich weiß nicht, ob ich diese Situation noch drei Jahre aushalten kann (er beginnt im September ein FSJ und macht danach vermutlich sein Fachabi).

Ich mache mir Sorgen um meine Beziehung zu meinem Sohn und ich fürchte, dass es mir schwer fallen wird, mit den aktuellen Wohnverhältnissen eine neue Partnerschaft aufzubauen - gerade weil er kein kleines Kind mehr ist sondern de facto ein „fremder“ Erwachsener in meiner Wohnung.

Aber ich kann ihn doch jetzt auch nicht einfach vor die Tür setzen, zumal ich nicht weiß, welche Unterstützung er überhaupt bekommen würde - jetzt wäre ja vermutlich noch das Jugendamt im Boot, aber was passiert im Februar, wenn er 18 wird?

Wie komme ich aus dem Dilemma raus, idealerweise ohne dem Jungen das Gefühl zu geben, unerwünscht zu sein?
 
Hallo Ana,

kann dir bei deinem Problem nicht helfen, wie du da raus kommst, aber ab 18 kann er in eine eigene Wohnung ziehen, die vom Jobcenter finanziert wird, in solchen Härtefällen.
Muss nicht eh das Jungendamt informiert werden, wenn er bei dir wohnt? Ich meine wer zahlt denn sein Essen und so?
Die Mutter bezieht dann zu unrecht das Kindergeld und versäuft es, oder wie? Weiß garnicht ob er rein rechtlich einfach so bei dir wohnen darf...er ist eben noch nicht volljährig. 🤔

Wenn der Junge eine BPS-Mutter hat, dann wird er nicht gelernt haben das Personen persönliche Grenzen haben und diese unbewusst überschreiten, wenn man ihm keine setzt, wird das immer schlimmer, dein Junge scheint sich auch nicht gut abgrenzen zu können und verkriecht sich deswegen vermutlich lieber..oder grenzt sich so irgendwie ab. Das macht er sicher nicht mit Absicht, das Feingefühl wird er zu Hause nicht gelernt haben. Birgt aber auf jeden Fall Konfliktpotential.
Nicht alle BPS sind so schlimm wie die Mutter des Jungen...es ist ein Spektrum, aber er wird Schaden davon getragen haben, tut mir leid das er solche Abwertung erfahren musste.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich würde ganz klar machen, dass der Einzug eine vorüberhehende Lösung ist und zusammen mit dem Jungen zur Beratung das Jugendamt aufsuchen , um die Unterbringung in der Wohngruppe voranzutreiben.

Es käme für mich persönlich überhaupt nicht in Frage bei beengten Wohnverhältnissen einen fremden Jugendlichen in meiner Wohnung zu beherbergen, der noch so lange in der Ausbildung sein wird. Erst recht nicht, wenn mein eigenes Kind drunter leidet.

Zahlt die Mutter Unterhalt, wie er ihm zusteht? Oder finanzierst du den Jungen auch noch?
 
Ich würde mit dem Jungen ein Gespräch
suchen , dass leider der Zustand keine Dauerlösung ist , er Euch aber nach Absprache besuchen kann .

(...............................)

Hier wäre die Ansprechpartnerin als erstes die Mutter und das Jugendamt.
(..................................)
Auch mit Deinem Sohn würde ich das Gespräch suchen.
(.................................)
 
Zuletzt bearbeitet:
Helfen zu wollen ist die eine Sache. Leider macht einem das Leben nicht selten recht deutlich, dass die eigenen Ressourcen dafür nicht ausreichen und begrenzt sind. Daran ändert auch der Wunsch des Helfenden womöglich nicht viel. Es macht nur deutlich, wie dünn das Eis wirklich ist, auf dem wir stehen.

Es ist ungerecht, unfair und schmerzvoll, dass Du vor der Entscheidung stehst, zwischen diesen beiden jungen Menschen und auch Dir selbst wählen zu müssen. Wenn er Deinen Jungen "an die Wand drückt", weil er ist, wie er ist, dann sollte niemand ihm das zum Vorwurf machen. "Komm damit klar" ist die probate Ausrede für so manche, die primär den eigenen Vorteil suchen. Aber Du hast nicht diesen "Ausweg", Du bist seine Mutter. Seine Mutter hat schon "klein bei gegeben".

Wie kommt man scheinbar ausweglosen Situationen bei? Schritt für Schritt und Tag für Tag. Auf zum Jugendamt, zu unterstützenden Institutionen und mitfühlende und klare Gespräche führen. Wenn Du zusammen klappst, hilft das Dir recht wenig. Die Realität tut immer wieder verdammt weh, aber sie tut noch mehr weh, wenn man sie ignoriert. Ich wünsche euch allen viel Kraft und kluge Entscheidungen.

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Zuletzt bearbeitet:
Termin beim Jugendamt vereinbaren.
Mit dem Jungen reden, dass du in der ersten Notsituation geholfen hast, er inzwischen ein wenig durchatmen konnte und ihr euch jetzt um seine Zukunft kümmern müsst.
Deshalb Beratungsgespräch beim Jugendamt.

Manchmal werden auch Wohnungen für Minderjährige gezahlt.
Kennst du jemanden, der eine kleine Wohnung vermieten würde? Dann könntest du das ins Gespräch beim Jugendamt einbringen. Auch, dass der junge Mann so selbständig ist; wohl aufgrund seiner bisherigen Lebenssituation werden musste, wenn er nicht abstürzen wollte. Vielleicht ließe sich das so lösen? Wenn er weiter willkommen ist bei euch als Besucher, du ein offenes Ohr für ihn hast, mach das deutlich. Aber nur dann.

 
Helfen zu wollen ist die eine Sache. Leider macht einem das Leben nicht selten recht deutlich, dass die eigenen Ressourcen dafür nicht ausreichen und begrenzt sind. Daran ändert auch der Wunsch des Helfenden womöglich nicht viel. Es macht nur deutlich, wie dünn das Eis wirklich ist, auf dem wir stehen.

Es ist ungerecht, unfair und schmerzvoll, dass Du vor der Entscheidung stehst, zwischen diesen beiden jungen Menschen und auch Dir selbst wählen zu müssen. Wenn er Deinen Jungen "an die Wand drückt", weil er ist, wie er ist, dann sollte niemand ihm das zum Vorwurf machen. "Komm damit klar" ist die probate Ausrede für so manche, die primär den eigenen Vorteil suchen. Aber Du hast nicht diesen "Ausweg", Du bist seine Mutter. Seine Mutter hat schon "klein bei gegeben".

Wie kommt man scheinbar ausweglosen Situationen bei? Schritt für Schritt und Tag für Tag. Auf zum Jugendamt, zu unterstützenden Institutionen und mitfühlende und klare Gespräche führen. Wenn Du zusammen klappst, hilft das Dir recht wenig. Die Realität tut immer wieder verdammt weh, aber sie tut noch mehr weh, wenn man sie ignoriert. Ich wünsche euch allen viel Kraft und kluge Entscheidungen.
Mit 17 ist die Resonanz der Hilfeangebote sehr bescheiden , besonders in Gesprächen weisen die öffentlichen Stellen ist nicht Gefahr im Verzug drauf hin , dass sie bald nicht mehr zuständig sind.
Auch hat der Junge Erziehungsberechtigte.
Diese sind zuständig , der TE würde gar keine Auskunft erteilt .
 
Mit 17 ist die Resonanz der Hilfeangebote sehr bescheiden , besonders in Gesprächen weisen die öffentlichen Stellen ist nicht Gefahr im Verzug drauf hin , dass sie bald nicht mehr zuständig sind.
Auch hat der Junge Erziehungsberechtigte.
Diese sind zuständig , der TE würde gar keine Auskunft erteilt .
Ja, das macht alles nicht einfacher und übersteigt ganz schnell jede Geduld und jede Hilfsbereitschaft. In diese Mühlen zu geraten, ist zermürbend und frustrierend, weil oft die Kluft zwischen dem, was sein müsste und sein kann so groß ist. Wenn seine Eltern einfach ausfallen, dann nützt auch der Hinweis leider nichts, dass sie das weder sollten noch dürfen. Man kann nur mit dem arbeiten, was da ist.
 
Mit 17 ist die Resonanz der Hilfeangebote sehr bescheiden , besonders in Gesprächen weisen die öffentlichen Stellen ist nicht Gefahr im Verzug drauf hin , dass sie bald nicht mehr zuständig sind.
Auch hat der Junge Erziehungsberechtigte.
Diese sind zuständig , der TE würde gar keine Auskunft erteilt .

Es braucht manchmal ein wenig Hartnäckigkeit und es ist gut, vorbereitet und informiert in solche Gespräche zu gehen.

Der Junge sollte möglichst seine Optionen kennen und wissen was er möchte. Das wäre von Vorteil.
 

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