Hallo Anja,
zunächst einmal mein herzliches Beileid; ich kann gut verstehen, dass ihr alle im Moment emotional sehr belastet seid und weder Lust noch Kraft für irgendwelche Nebenkriegsschauplätze habt.
Ich weiß nicht - ist das tatsächlich so üblich? Auf allen Beerdigungen, an denen ich bislang teilgenommen habe, waren die jeweiligen Partner an der Seite ihrer besseren Hälfte.
Denn die Verabschiedung des Verstorbenen ist ja nur ein Teil dessen, warum diese Personen dort sind. Der andere Teil ist die seelische Unterstützung ihres Partners bei diesem ja doch schweren Gang.
Deswegen denke ich, dass die Freundin deines Bruders in erster Linie um deines Bruders willen mitgeht und demzufolge logischerweise an seiner Seite sein möchte. Vielleicht kann man das ja auch unter einem positiven Blickwinkel betrachten.
Ich bin zB auch auf der Beerdigung der Oma meines Mannes und auch der Mutter meines Mannes gewesen, obwohl ich die Oma quasi gar nicht und die Mutter nicht sehr gut kannte. Verheiratet waren wir damals auch noch nicht. Aber für mich war es selbstverständlich, mitzugehen, einfach weil ich auch für meinen Mann da sein wollte. Ich bin damals an seiner Seite, ich glaube auch an seiner Hand gegangen, um ihm Halt zu geben. Das ist mittlerweile über 20 Jahre her, und bis heute bin ich ehrlich gesagt noch nie auf die Idee gekommen, dass das evtl unangemessen gewesen sein könnte.
Ich wünsche euch, dass ihr es schafft, euch in dieser schwierigen Zeit gegenseitig Halt zu geben, statt euch an (das ist aber nur meine persönliche Empfindung) Formalitäten aufzureiben. Wenn es deinem Bruder gut tut, sie bei sich zu haben, würde ich es dabei belassen. Es führt ansonsten am Ende ja doch nur zu mehr Unfrieden, damit ist doch niemandem gedient.
Ich wünsche euch viel Kraft. Alles Gute!