Weil ich Angst davor habe unfair zu sein indem ich ihn unter druck setze mit der Jobsuche wegen seiner Psyche.
Leider.
Es ist mitten in der Woche und jeden Tag habe ich Angst dass er wieder trinkt.
Er braucht aber den Druck! Zunächst nicht mit der Jobsuche, sondern erst einmal mit dem Entzug.
Und noch einmal:
Er muss AUFHÖREN mit trinken, nicht weniger trinken, das funktioniert bei Alkoholiker-Gehirnen einfach nicht. (Hab ich erstmals verstanden als ich das Buch vom Schreiber gelesen habe, der erklärt dass irgendwo.)
Wenn er noch im riskanten Konsum wäre, könnte er vielleicht zum Kontrollierten Trinken kommen, aber er ist bereits süchtig. Und um davon weg zu kommen, muss ein starker Wille da sein, der wiederum bei allen, die mir je begegnet sind, nur durch massiven Leidensdruck zustande kam.
Also: wenn Du ihm helfen willst, erhöhst Du den Druck! Und zwar den Druck, nüchtern zu werden.
Kein Essen, keine Wäsche, keine Zärtlichkeiten, und auch keine Gespräche über Befindlichkeiten länger als 2 Minuten außer es geht um den Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören bzw. um konkrete Schritte dazu.
Ich kann Deine Angst so gut verstehen, aber sie macht Dich passiv und ermöglicht ihm, weiter zu machen. Zieh Konsequenzen. Die Angst davor ist verständlich, aber unvermeidlich.
Und die Angst vor dem, was Dich erwartet, wenn Du Dich nicht rettest, sollte größer sein.
Al-Anon kann gut sein (kann aber auch ein furchtbarer Jammer-Stuhlkreis von Coabhängigen sein) - ausprobieren!
Lebt Ihr in einer Großstadt, Kleinstadt oder auf dem Land?
In größeren Städten gibt es täglich AA-Meetings. Die Teilnahme ist unverbindlich und kostenlos und die einzige Voraussetzung ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören.
Es gibt auch AA-Meetings, die einmal im Monat für Angehörige geöffnet sind, da kannst Du auch einfach mal ohne ihn hin gehen. Kann evtl. sogar besser sein als Al-Anon.
Und keine Angst, das ist keine Sekte und man muss auch nicht an den lieben Gott glauben, auch wenn der in den 12 Schritten immer wieder vorkommt. Falls Du gläubig bist, kann das Programm super sein. Falls nicht: es gibt inzwischen auch atheistische Versionen der 12 Schritte und auch atheistische Meetings. Es gibt auch Onlinemeetings, glaub ich jedenfalls.
Wenn Du möchtest, dass Du hier Links und Tipps bekommst, lass uns das wissen! Und wenn Du per PN Euren Wohnort mitteilen möchtest, können die Tipps noch konkreter sein.
Nur Mut. Es fühlt sich natürlich gerade alles schlimm an, aber es muss nicht so bleiben, wenn DU den Mut hast, trotz und mit Deiner Angst Schritte zu gehen, die schon viele Menschen vor Dir gegangen sind und die letztlich geholfen haben.