Ich würde mich gerne über Narzissmus austauschen. Hat Jemand Interesse?
ich habe selbst daran gedacht, das Thema zu eröffnen.
Ich habe gerade einen spannenden Vortrag gehört über Narzissmus. Das passt nicht ganz zu Deinem Thema. Es ging um Narzissmus in Führungspositionen. Aber was ich mitgenommen habe, ist die Unfähigkeit sich selbst zu reflektieren. Und dass der Therapeut sagte, er hat manchmal in einer Stunde das Gefühl, dass er echt mit seinem Patienten weiter gekommen ist, dass da eine Einsicht ist, aber in der nächsten Stunde ist es, als wäre nie was passiert.
Die Störung beruht auf einer tiefen Verletzung des Egos. Dass man sich als Kind so klein und nicht gesehen fühlt. Es ist das Gefühl, nichts wert zu sein. Und das kompensiert man, indem man ständig das Gefühl hat, sich groß machen zu machen, jemand zu sein.
Kurz gesagt: Ich muss mich von zwei Menschen in meinem Leben trennen, aber aus Angst vor der Unberechenbarkeit habe ich das Gefühl diesen Schritt nicht zu schaffen. Die große Kunst ist alleine schon das begreifen. Begreifen benutzt und missbraucht (Missbrauch bedeutet nicht/nur sexuell) zu werden.
Hast Du die Unberechenbarkeit schon an anderen Stellen erlebt?
Es kommt selten jemand auf einen zu und sagt, nur damit Du es weißt, ich bin Narzisst. Leider muss man das meistens auf schmerzhafte Weise erst rausfinden. Wenn Du von Unberechbarkeit sprichst, hat das auch etwas damit zu tun, dass Du nicht damit gerechnet hast, verletzt zu werden? Dass Vertrauen gebrochen wurde? Weil zumindestens jetzt weißt du, sich von jemand mit einer narzisstischen Störung zu trennen, geht nie gut aus. Es ist eine Kränkung für die Person, es verletzt das Selbstbild und weil die Person sich nicht selbst reflektieren kann, kann sie den Schmerz nur nach außen tragen. So verstehe ich das jedenfalls.
Du weißt also jetzt an der Stelle, der Cut muss klar und schnell sein; mit so viel Abstand wie möglich.
Wir alle benutzen Menschen mehr oder weniger. Vor allem eben dann, wenn eine Persönlichkeitsstörung vorliegt. Und bis zu einem gewissen Grad lassen wir das eben auch zu. Und von daher denke ich, und das ist nur meine Meinung, dass man schnell in diese Abhängigkeit gerät. Das hat etwas mit Vertrauen zu tun. Wer gar nicht mehr fähig ist, jemandem zu vertrauen, fällt aus der Gemeinschaft völlig raus. Ich bin da sanfter mit mir geworden. Es gab eine Zeit, da habe ich mich für meine Naivität verurteilt. Mittlerweile habe ich für mich beschlossen, es ist eine schöne Eigenschaft, Menschen gegenüber vertrauensvoll zu sein. Gerade auch in meinem Job. Neugierig auf andere zugehen können, das ist immer wieder ein guter Anfang. Ich habe aber auch gelernt, Dinge nicht mehr auszuhalten. Und früh zu merken, mit dem Menschen fühle ich mich nicht wohl. Sodass ich früher auf mich achten kann.
Die Verletzung ist natürlich immer da, tut weh und will geheilt werden. Aber berührbar bleiben, heißt leider auch, bis zu einem gewissen Grad verletzbar bleiben.
Das war jetzt aber nicht so dein Thema. Sorry für den Exkurs.
Womit man sich auseinander setzen sollte, narzisstisch veranlagte Menschen können mit emotionalem Schmerz nicht umgehen. Das um sich schlagen ist ein Zeichen von Schwäche, die er eben gerade nicht zugeben kann. Jedes Verlassenwerden ist eine existentielle Bedrohung der eigenen Existenz. Darum sind die Folgen so dramatisch. Sie brauchen dieses großartige Bild von sich selbst, um dieses Gefühl der Wertlosigkeit zu übertünchen. Und dazu gehört eben auch, man ist charmant, einzigartig, der große Helfer und Unterstützer, dafür wird man geliebt. Wenn man als Kind nicht gesehen wurde, wenn man nicht existent war, lernt man, dass Liebe etwas ist, um das man kämpfen muss, das man erkaufen muss. Und damit hängt das Selbstbild daran, dass man dieser wunderbare Mensch ist, von allen angehimmelt, von allen geliebt. Darum ertragen Narzissten - oder eben solche mit narzisstischen Tendenzen - keine Kritik. Sie können ihr Selbstbild nicht korrigieren, weil sonst alles zusammenbricht. Die wunderschöne Illusion, jemand zu sein.
Damit benutzen Menschen mit narzistischen Tendenzen andere, um ihr Bild zu füttern, es aufrecht zu halten. Am Anfang umschmeicheln sie, weil sie die Tendenz haben, dass die Dinge perfekt sein müssen, einem bestimmten Bild entsprechen müssen. Damit heben sie die Partnerin/den Partner zunächst auf ein Podest und dann sind sie darauf angewiesen, eben genau dieses Bild zu kontrollieren. Und dann wird die Situation für den anderen immer schwieriger. Weil sie einem vermitteln, dass man selbst schuld ist an der Entwicklung. Aber das ist nicht so. Kein Mensch kann perfekt sein oder gar nach dem Bild eines anderen leben. Im Grunde muss man in so einer Beziehung das "Ich-Sein" aufgeben und das ist nie gesund.
Ich finde es gut, dass Du erkannt hast, die Beziehung zu diesen Menschen tut dir nicht mehr gut. (Aber sie hat dir zu einem Zeitpunkt gut getan? Das darf man auch für sich wertschätzen, ohne den Missbrauch in Frage zu stellen. Das Leben ist ambivalent.). Und vielleicht gehört jetzt zur nächsten Phase dazu zu akzeptieren, es wird nicht ohne Verletzungen abgehen, sich von den Menschen zu trennen?
Ich bin vor einem Jahr von jemandem sehr verletzt worden, bei dem ich vorher auch die narzisstischen Tendenzen nicht erkannt habe. Der hat mir Dinge vorgeworfen, die so einfach nicht passiert sind. Und das geht mir immer noch nah, weil er eben auch direkt in offene Wunden geschlagen hat. Der wusste, wie und wo er treffen muss. Wenn ich heute sein Verhalten betrachte (leider habe ich manchmal noch etwas mit ihm zu tun), sehe ich so klar, was für ein Narzisst das ist. Das ist mir vorher nicht aufgefallen. (Und ich hoffe so, dass ich jetzt mal gelernt habe für mich, wenn jemand an keiner Stelle in einer Gruppe Fuß fassen kann, überall "seine Feinde" hat, dann stimmt da was nicht. Und es sind nicht die anderen, die das Problem haben.)
Ich weiß nicht, ob Du mit meinem Beitrag was anfangen kannst. Das sind gerade mehr so meine Gedanken und meine Einschätzung, weil mir das Thema gerade auch sehr nahe geht. Aber vielleicht kannst Du was davon mitnehmen.