Ein Baum der regelmäßig Druck und Zwang durch die Elemente ausgesetzt ist, wächst stärker und widerstandsfähiger als einer, der niemals Zwänge erlebt und dann beim ersten Sturm zerbricht.
Mit Menschen ist es das gleiche. Resilienz ist nur teilweise angeboren, den Rest erwirbt man sich - oder nicht, auf eigenes Risiko, dann gleich beim ersten scharfen Wind in Stücke zu gehen.
Es wird wahrscheinlich kaum einen Beruf geben (außer ein paar Nischenberufen, die sich aus geliebten Hobbys entwickelt haben) wo es nicht zumindest hin und wieder Belastungen, Zwang und Stress geben wird. Wer also schon die eher geringfügige "Belastung" durch das Jobcenter nicht verkraftet, wie soll der dann erst in einem Beruf durchhalten können? Da ist das Scheitern doch vorprogrammiert.
Naja, zum einen sind wir Menschen keine Bäume und ich sehe den Vergleich nur als bedingt passend an. Zudem gibt's auch genug Umwelteinflüsse, die Bäume schädigen, deswegen kann ich dem Bild, bzw. der Aussage dahinter gerade insgesamt nicht so viel abgewinnen.
Dass Druck durch das Jobcenter Resilienz fördert, ist nun ein in meinen Augen doch eher abwegiger Gedanke. Ja, es gibt Menschen, Lebensphasen, Situationen, in denen es sinnvoll und wichtig ist, dass es äußere Zwänge gibt, denn Struktur wirkt sich teilweise sehr positiv auf die Psyche aus. Das kann man aber auf keinen Fall verallgemeinern à la "Struktur/ Druck ist immer gut". Nö, ganz wichtig ist das individuelle Sinnerleben dahinter. Und während es für manche Menschen ganz positiv sein kann, zB einen gewissen Druck zu haben, für die eigenen Kinder zu sorgen, sich in der Gemeinde zu engagieren oder gute Kontakte zu Freund:innen zu pflegen, kann es zermürben und niederschmettern, ständig zu als sinnlos empfundenen Maßnahmen gezwungen werden oder Jobs auszuüben, die demütigend und körperlich sehr belastend sind... Und sich dahingehend gerade als überhaupt nicht selbstwirksam zu erleben, denn Selbstwirksamkeitserleben ist ein wichtiger Faktor für Zufriedenheit. Und wenn ich zu irgendeinem Mist gezwungen werde, da mir ansonsten meine Lebensgrundlage entzogen wird, ist das nicht unbedingt eine Situation, aus der ich viel Erfüllung schöpfe. Im Gegenteil, es kostet Kraft, es kostet Selbstwertgefühl und am Schluss auch Hoffnung.
Es wird niemals ein Modell geben, das für alle passt, da Menschen und Lebenssituationen extrem unterschiedlich sind. Leute aber einfach nur der Beschäftigung wegen zu beschäftigen, ohne zu schauen, was das mit einem Menschen macht, ist meines Erachtens fast immer falsch.