Die Frage ist wirklich schwierig und stimme meinem Vorredner in seiner Aussage, dass es nicht pauschal zu beantworten ist, zu.
Wenn ich 15-20 Jahre zurückdenke, sehe ich mich als unbekümmerten Jugendlichen. Lebensfroh und immer gut drauf. Ich hatte meine Probleme ( meine Familie war halt einfach ein Griff ins Klo ), aber nichts was nicht irgendwie durch Eigeninitiative ausgleichbar gewesen wäre. Ich hatte Freunde, darunter auch wirklich sehr gute Freunde. Ich hatte Zeit für mich und allein schon durch das jugendbedingte Unwissen viel weniger Sorgen.
Denke ich aber an heute: 30 Jahre, 3 Kinder, verheiratet, ca 200 Arbeitsstunden und mehr im Monat. Ich denke ständig an das Geld, an die Zeit mit meinen Kindern, an die Zeit mit meiner Frau ( die noch ihre ganz eigenen Probleme mit sich bringt ) und daran, dass es schwierig bis gar unmöglich ist allen gerecht zu werden. Zeit für mich habe ich in meinen Arbeitspausen oder Abends wenn die Kinder und meine Frau schlafen. Doch dann ist es "Zeit oder Schlaf?"
Zusätzlich kommen noch Gesellschaftliche Probleme dazu für die man einfach teils mehr Verständnis hat als der Durchschnitt der Gesellschaft selbst. Missstände die einen teils in Rage bringen, neue Trends die offensichtlich nichts gutes mit sich bringen und und und...
Mit Lebenserfahrung kommt Verständnis, mit Lebenserfahrung kommt Wissen.
Und meine Meinung dazu ist ganz klar:
Wer weis und versteht sieht mehr Probleme als der Unwissende.
Wer weis und versteht ist von Problemen auf eine viel intensivere Art und Weise betroffen.
Das Glück ist in dem Fall mal wieder mit den Dummen, die wissen und verstehen nicht. Das machts deutlich einfacher.
Es "kann" natürlich auch anders laufen. Schließlich versteht man mit wachsender Lebenserfahrung auch mehr als "zum Beispiel" Jugendlicher. Dinge und Probleme die man früher hatte, belächelt man später vielleicht.
Prinzipiell verlagern sich Probleme und der damit einhergehende Schmerz einfach.
Leichter wird es dadurch einfach nicht.
Es kommt aber natürlich auf viele Faktoren an.
Denke ich an mich kann ich sagen:
Meine Lebenserfahrung hilft mir im beruflichen Alltag immens, außenstehende sind oft beeindruckt weil ich zu so ziemlich jedem Thema ein gutes Grundwissen aufweise, Probleme analysieren, verstehen und lösen kann.
Gehe ich allerdings auf Probleme ein die ich zum Beispiel mit meiner Frau habe, ändert sich das Bild. Ich verstehe einfach zu viel, ich sehe Probleme aufgrund meiner Lebenserfahrung aus zu vielen Perspektiven. Das ist nicht nur teils extrem verletzend, sondern auch sehr zehrend und anstrengend.
Denke ich aber wiederum an meine Kinder ist es wieder anders. Dinge die für mich beim ersten Kind noch anstrengend waren ( erste mal Magen-Darm Infekt zum Beispiel ), sehe ich mittlerweile extrem gelassen und bin die Ruhe selbst. Damals: Die erste Beule bei der großen "Ohhh nein, es könnte eine Gehirnerschütterung sein, lieber also mal ins Krankenhaus". Heute: "Oh nein meine Tochter ist gegen die Tischkante gelaufen und hat eine kleine Platzwunde.... ok, beruhigen, verbinden, beobachten... Kind ist ruhig, nichts blutet mehr, alles gut, alles easy, Erfahrung halt."