Nachtgespenst
Aktives Mitglied
Ich kann meinen Vater nicht zu einer Therapie zwingen.
Nein, du kannst deinen Vater nicht zu einer Therapie zwingen. Wie kommst du überhaupt auf die Idee? Aber du kannst dich entscheiden nach einer Therapie für dich zu suchen.
Wo lehne ich alles ab? Nur weil ich nicht ins Internat oder ins Ausland möchte? Wie soll ich eine Therapie oder eine Aussprache umsetzen wenn mein Vater das absolut nicht will? Zwingen kann ich ihn nicht.
Es gab hier deutlich mehr Ideen als Internat und Ausland. Und ich hatte nicht den Eindruck, dass du auf irgendeine davon ernsthaft eingegangen bist bzw. sie in Erwägung gezogen hättest. Das immer wiederkehrende Argument gegen alles ist wie schwierig es auf dem Dorf ist ohne Auto und ohne Geld. Ja, das erschwert die Lage, aber was ist mit meiner Überlegung dich stattdessen dort, wo du zur Schule gehst umzuschauen? Darauf bist du leider gar nicht eingegangen.
Ich finde es sehr unfair mir vorzuwerfen ich will die Situation nicht ändern. Alleine und sofort geht das einfach nicht. Ich warte auf überhaupt keine Erlösung.
Doch, das geht alleine. Nur du kannst etwas ändern, niemand sonst. Nein, sofort geht nicht. Und trotzdem, irgendwann muss man mit jeder Neuerung einmal anfangen, wenn sich etwas ändern soll. Hast du vor in den nächsten zwei Wochen - oder bis zu den Sommerferien oder was auch immer - mit einem/einer Vertrauenslehrer/in zu sprechen? Oder zu deinem Hausarzt zu gehen? Oder einen Termin bei einer Jugendberatungsstelle auszumachen? Oder Kontakt mit der "Nummer gegen Kummer", die dir hier verlinkt wurde, aufzunehmen?
Willst du mir wirklich unterstellen das es meine Schuld ist warum die Beziehungen von meinem Vater vorher nicht gehalten haben? Im Ernst? Nur ich bin Schuld?
Ich bin ehrlich erschrocken, dass du aus meinem Text herausliest, ich würde dir die Schuld am Ende der vorherigen Beziehungen geben. Vielmehr habe ich die Vermutung angestellt, dass die betreffenden Freundinnen auf die Situation - also auf das Miteinander von deinem Vater und dir - anders - nämlich mit Rückzug - reagiert haben. Das wäre, wenn es denn eine Rolle gespielt haben sollte, aber nicht deine Schuld sondern die Entscheidung dieser Frauen auf eine komplexe Situation auf eine bestimmte Weise zu reagieren. Hast du denn mit einer der beiden heute noch ein so gutes Verhältnis, dass du sie mal fragen könntest, wie sie die Beziehung zwischen dir und deinem Vater wahrgenommen haben? Die kennen euch immerhin im Gegensatz zu uns hier im Forum und vielleicht könntest du aus so einem Feedback etwas für die aktuellen Probleme mitnehmen.
Vielleicht passt ihr auch einfach meine Nase nicht. Trotzdem muss man mich dann nicht so behandeln. Wenn sie kein Bock auf mich hat dann hätte sie sich nicht auf meinen Vater einlassen sollen. Ich bin nunmal da. Oder ist es normal das Kind muss gehen und unsichtbar werden. Sieht so Liebe aus? Wie kann man verlangen sich zwischen dem Kind und ihr zu entscheiden? Wenn sie ihn wirklich lieben würde dann mit allem auch mit mir.
Nein, es ist ganz sicher nicht richtig, wenn Kinder - auch jugendliche Kinder - bei einer neuen Beziehung auf einmal und so plötzlich von den Eltern vernachlässigt werden bzw. "unsichtbar sein" sollen. Da ist das Verhalten deines Vater absolut nicht okay. Und doch denke ich, dass es genauso wenig normal ist, dass es genau so weiter geht wie zuvor und sich zwischen dir und deinem Vater gar nichts verändert. Er hätte mit Sicherheit langsamer und behutsamer sein müssen, aber die Geduld und das Fingerspitzengefühl scheint er leider nicht zu haben. Von der Freundin kann man jedenfalls meiner Meinung nach nicht verlangen, dass sie die (fast erwachsene!) Tochter des neuen Partners als untrennbar zu ihm gehörenden Teil annimmt. Das hat Grenzen, sie hat ihn ausgesucht nicht dich. Ja, du bist da und es ist natürlich absolut daneben dich schlecht zu behandeln. Keine Frage. Und doch finde ich deine Anspruchshaltung teilweise ganz schön hoch. Du beteuerst hier zwar immer wieder, du willst nur deine Ruhe, aber dann wünschst du dir doch immer wieder, dass es so wird wie früher, dass dein Vater für dich da ist, sich um dich kümmert. Das ist TOTAL verständlich. Aber mir erzeugt es schon beim Lesen Druck und vermittelt eben ganz und gar nicht das Gefühl, dass es dir reichen würde in Ruhe gelassen zu werden. Hast du wirklich gar keine andere (erwachsene) Bezugsperson als deinen Vater?
Ich finde es wirklich daneben das ich alleine an allem Schuld sein soll.
Wo habe ich geschrieben, dass du ALLEINE die Schuld an allem hättest? Ich bin etwas baff, dass das bei dir so angekommen ist. Also noch mal in aller Klarheit: das denke ich absolut NICHT. Was ich glaube ist, dass du eben AUCH einen Anteil daran hast, was derzeit zwischen euch dreien schief läuft. Ungefragt haben sowohl dein Vater als auch seine Freundin genauo ihre jeweiligen Anteile.
Kann ich das mit einem Therapieplatz komplett alleine regeln?
Du könntest bei Kinder- und Jugendtherapeut/innen in deiner Nähe anrufen und fragen, ob und wie du ohne das Wissen deines Vaters bzw. ohne seine Zustimmung Therapie machen kannst, das wäre der direkteste Weg. Alternativ würde ich wie gesagt eine Jugend- und Familienberatungsstelle empfehlen, da ist es vermutlich leichter jemanden ans Telefon zu bekommen und du bekommst schneller einen Termin.
Edit:Zur besseren Verständlichkeit Zitate eingefügt...
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