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Tod meines Vaters (Patientenverfügung)

Hallo,

Es ist folgendermaßen: Ein TOTER Patient ist ein SCHLECHTER Patient! Denn der bringt ja überhaupt gar kein Geld mehr.

Von daher ganz gut so, wie alles gekommen ist. Natürlich kann man alles versuchen, was nur geht. Wenn es im Sinne des Parienten ist, wird das auch gerne gemacht. Was meinst du, wie viel Kohle so ein Luftröhrenschnitt und die anschließenden Maßnahmen einbringt? Das kann dann zwar das Leben vielleicht noch ein bisschen verlängern und wenn das der Patient so wünscht, wird es selbstverständlich gerne gemacht.

Also deine Vermutung, dass die Ärzte "keinen Bock mehr" gehabt hätten oder dass sie gerne ein Bettchen frei gehabt hätten, kann man getrost widerlegen. Für die geht es da schlicht und ergreifend auch ums Geld. Und das bringt ein Patient, solange er noch lebendig ist.

LG und Beileid,
SFX
Ich bin wirklich froh das so zu hören wie du das sagst. Es war einfach so verwunderlich, erst hiess es noch er kann auf die Schlaganfall Station, und dann sollte auf einmal besprochen werden was man noch macht 🙁
Da gehen einem viele Gedanken durch den Kopf.
 
Das gute an einer Patientenverfügung ist, dass sie den eigen Willen ausdrückt. Vor einem Notar abgegeben unterstreicht es noch einmal mehr die Ernsthaftigkeit der Erklärung.
Das schlechte daran ist, dass die darin bestimmten Personen sie umsetzen sollen.
Es gibt immer vorher einen Zeitpunkt des "hätte, wenn" , und danach die unumgängliche Folge.
Tritt die Folge nicht ein, so bedurfte es auch keiner Entscheidung.

Du hast einen sehr wichtigen Satz geschrieben:
"Er sagte; die Patientenverfügung war gut ausformuliert. Und wir wären das Sprachrohr gewesen für meinen Vater - sie wollten von uns nur nochmal hören bzw bestätigt haben dass er kein Pflegefall sein wollte."

Dein Vater hat die Erklärung nicht nur abgegeben, sondern sogar ins KH mitgenommen. Sie lag auf dem Tisch.
Wenn das Gespräch nicht mit ihm zusammen stattgefunden hätte, so wäre er heimlich -weil auf dem Flur- hintergangen worden, so der Umkehrschluss.
Es klingt nicht schön, aber er hat Personen benannt, von denen er erhofft hat, dass er sich auf sie verlassen kann. Er wurde nicht enttäuscht.

Schade ist, dass wir nie darüber geredet haben wenn der Fall eintritt, dass er schwer erkrankt. Ich kann wie gesagt nur mutmassen, dass er auch einen Luftröhrenschnitt ausgeschlossen hatte in der Verfügung. Aber sicherlich hatte er ausgeschlossen dass er zum Pflegefall werden will.
Dein Satz dass wir ihn nicht enttäuscht haben gibt mir irgendwie ein Stückchen inneren Frieden.
 
Ärzte sind natürlich keine Hellseher, aber ich denke wenn Sie solche Aussagen machen wie das mit dem Pflegefall, ist es doch sehr wahrscheinlich, dass es so ausgegangen wäre.

Mein Vater ist ebenfalls mit 65 verstorben, allerdings an Krebs und die Prognose der Ärzte war in seinem Fall sehr sehr präzise. Dass man sowas am Bett des Patienten bespricht geht natürlich gar nicht, war bei uns aber auch so.

Auch ich bin mir sicher dass er im Unterbewusstsein alles mitbekommen hat und da sind Aussagen wie "das hat eh keinen Sinn mehr" einfach nur geschmacklos.

Ich kann verstehen dass dich das umtreibt, aber sieh es mal so, wahrscheinlich wurde ihm durch die Patientenverfügung viel Leid erspart.

Mir hat irgendwie der richtige "Beweis" gefehlt. Am liebsten hätte ich das CT Bild gesehen, sie sagten er hat Schäden im Hirn, weil der Schlaganfall nicht sofort entdeckt wurde.
 
Solange nicht völlig klar ist, dass der Patient bewusstlos ist, wird immer in seinem Beisein gesprochen. Der Patient kann seine Verfügung jederzeit widerrufen, dass ist ja kein selbst verfasstes Todesurteil.
Es spricht überhaupt nichts dafür, dass ihr oder du etwas Falsches entscheiden habt. Es ist nur schwer diese Entscheidung dann zu treffen.
Er war bei Bewusstsein, hatte die Augen offen und sein Oberkörper hat gezittert. Er hat aber nichts gesagt. Kein Wort. Ich weiss nicht ob er nicht mehr sprechen konnte (geistig) oder ob er so unter Schmerzmittel war dass er einfach deswegen nicht dazu in der Lage war.
Deswegen mache ich mir Vorwürfe und Gedanken, wir standen da alle ums Bett und haben seine Verfügung bekräftigt - vielleicht dachte er aber auch "bitte rettet mich und lasst einen Luftröhrenschnitt machen"
😢
 
Wenn in der Patientenverfügung sinngemäß steht, ich will kein intensivmedizinischer Pflegefall sein, muss ja jemand diese Prognose anstellen. Und dass kann ja nur dann der behandelnde Arzt im Krankenhaus sein.

Die Verfügung nötigt den Arzt, eine Prognose zu stellen, weil er sonst gegen diese Verfügung verstößt. Am Ende musst du dem Arzt glauben, und er hat das sicher richtig eingeschätzt.

Ja, die Ärzte sagten auch dass jeder weitere intensivmässige Eingriff wohl nur noch alles schlimmer macht.
 
Ja, die Ärzte sagten auch dass jeder weitere intensivmässige Eingriff wohl nur noch alles schlimmer macht.

Nach deiner Schilderung wäre es auch so gewesen - bei so vielen Sachen hätte es ein Wunder gebraucht und das war ihm leider nicht vergönnt.
Ich glaube , dass "Leben um jeden Preis" manchmal eine ziemliche Qual sein kann.
Denn als Erwachsener Mensch gebadet, gefüttert und nach dem Stuhlgang gewickelt zu werden ist richtig übel, wenn du vorher ein selbstständiges Leben geführt hast. Dazu kommen Schmerzen oder die Nebenwirkungen von den Schmerzen.
Dein Bewusstsein ist irgendwo im Raum, nach einiger Zeit weiß man gar nicht, wo der Körper ist : man schwebt zwischen Leben und Tod, gefangen zwischen den Welten und jeder Tag fühlt sich an wie Jahre.
Niemand wünscht sich das. Und das ist der Preis, den wir für unseren medizinischen Fortschritt zahlen: Menschen dürfen nicht gehen, obwohl ihre Zeit gekommen ist!

Dein Vater war ein kluger und vorausschauender Mann. Er hat den richtigen Menschen vertraut! Und hoffentlich seinen Frieden gefunden.
Du hast meiner Meinung nach klug und in seinem Sinne entschieden, ich glaube, die Trauer und das schlechte Gewissen sind ziemlich normal.
Hättest du dem Luftröhrenschnitt zugestimmt und er wäre danach gestorben und/oder ein Pflegefall, hättest du auch ein schlechtes Gewissen.

Manchmal ist das Leben einfach mies. Du kannst es nicht ändern. Gib dir Zeit und versuch, loslassen. Stell dir vor, wie dein Vater seinem liebsten Hobby im Himmel nachgeht oder sowas, dass tröstet und erheitert auch 😉

Hast du jemanden, der dich momentan unterstützt und dir zuhört?
 
Mein Beileid. Mein Vater ist am 13.4 verstorben und bin auch noch in der Trauerphase

Ganz kurz und nüchtern:

Ich arbeite selbst im medizinischen Bereich und habe privat und berufl Menschen in den Tod begleitet.

Komapatienen haben ein verkürzten Leben. Wenn die Niere nicht mehr arbeitet, dann ist es kein gutes Zeichen (die Niere stirbt zuerst). Ich denke, dass die Ärzte mit ihrer Prognose Recht haben. Mitte der 90ziger wurde Luftröhrenschnitt und Magensonde gelegt....Das war kein Leben.

Mein Vater hatte Krebs. Er hatte keine Schmerzen, dafür einen drastischen Gewichtsverlust. Mit Atemnot habe ich in mit Rettungsdienst in KH gebracht. Auch bei hm waren die Nierenwerte schlecht und an der Stimme die Schwäche heraus gehört. Er ist dann auch im KH nach den üblichen Ups und Downs verstorben.

Ich habe geweint andererseits möchte ich meinen Vater nicht leiden sehen durch künstliche Maßnahmen wie ich es in den 90ziger erleben musste

Zum wirtschaftlichen Aspekt (und ch muss sagen dass es mich wütend macht.
Ich arbeite seit Jahrzehnten mit Ärzten (Onkologen) zusammen und ich kann Dir bestätigen, dass den Ärzten die DRG genauso auf den Sack geht wie Patienten und Angehörige. Ich finde es eine böswillige Unterstellung jedem Arzt zu unterstellen dass der Patient zugunsten der Wirtschaftssituation sterben sollen. Im onkologischen Bereich kann ich sagen, dass sich die Ärzten viele Gedanken machen und ja, auch traurig sind, wenn ein langjähriger Patient verstirbt oder auch sehr junge Menschen.

Wir haben durchaus kritische Ärzte, die sich auf politischer Ebene im Rahmen der Möglichkeiten gegen die Geldmafia auflehnen

Dein Schmerz über den Verlust deines Vaters ist verständlich. Die Ursache ist biologischer Natur und hat mit der Profitgier politisch gelenkt, nicht zu tun. (wie gesagt, dass jemand zu unterstellen, finde ich grenzwertig)

Alles Liebe

Kolya
 
Kurze Ergänzung: am Krankenbett über die infauste Prognose des Patienten zu reden, finde ich denkbar schlecht und an dieser Stelle hätte der Arzt von mir einen soften Rüffel bekommen.

Kolya
 
Nach deiner Schilderung wäre es auch so gewesen - bei so vielen Sachen hätte es ein Wunder gebraucht und das war ihm leider nicht vergönnt.
Ich glaube , dass "Leben um jeden Preis" manchmal eine ziemliche Qual sein kann.
Denn als Erwachsener Mensch gebadet, gefüttert und nach dem Stuhlgang gewickelt zu werden ist richtig übel, wenn du vorher ein selbstständiges Leben geführt hast. Dazu kommen Schmerzen oder die Nebenwirkungen von den Schmerzen.
Dein Bewusstsein ist irgendwo im Raum, nach einiger Zeit weiß man gar nicht, wo der Körper ist : man schwebt zwischen Leben und Tod, gefangen zwischen den Welten und jeder Tag fühlt sich an wie Jahre.
Niemand wünscht sich das. Und das ist der Preis, den wir für unseren medizinischen Fortschritt zahlen: Menschen dürfen nicht gehen, obwohl ihre Zeit gekommen ist!

Dein Vater war ein kluger und vorausschauender Mann. Er hat den richtigen Menschen vertraut! Und hoffentlich seinen Frieden gefunden.
Du hast meiner Meinung nach klug und in seinem Sinne entschieden, ich glaube, die Trauer und das schlechte Gewissen sind ziemlich normal.
Hättest du dem Luftröhrenschnitt zugestimmt und er wäre danach gestorben und/oder ein Pflegefall, hättest du auch ein schlechtes Gewissen.

Manchmal ist das Leben einfach mies. Du kannst es nicht ändern. Gib dir Zeit und versuch, loslassen. Stell dir vor, wie dein Vater seinem liebsten Hobby im Himmel nachgeht oder sowas, dass tröstet und erheitert auch 😉

Hast du jemanden, der dich momentan unterstützt und dir zuhört?

Trotzdem ist es an manchen Tagen für mich so, als hätten wir sein Todesurteil gesprochen, er war ja wach. Bei dem Gespräch. Sein Oberkörper hat gezittert.
Nach dem Gespräch sagte ich ihm, dass er mir so wichtig ist - da hat er die Augen aufgerissen und schwer geschnauft. Dann sagte ich: wir sind alle da - wieder Augen aufreissen und Schnaufen.

Dann sind wir heim. Der Arzt meinte es bringt nichts tagelang am Bett zu campieren, Menschen sterben oft wenn Angehörige kurz zur Pause 5 Minuten aus dem Zimmer gehen.

In der Nacht hab ich mir überlegt, was ich ihm noch sagen will. Ich wollte um 11 hin. Um 10.25 ist er gestorben 🙁

Wir hatten ein gemeinsames Hobby - Fossilien suchen seit Ende der 80er. Vor 2 Wochen dachte ich - komm, geh in den Steinbruch in dem wir immer waren. Erst hatte ich mich nicht getraut, ich dachte ich muss weinen. War dann aber nicht so, aber.. er fehlt mir an allen Ecken und Enden

Ich habe wenige Freunde - und: schon jetzt, 5 Wochen nach seinem Tod werde ich gefragt "ach, weinst du immer noch?"
Die haben doch keine Ahnung.
 
Mein Beileid. Mein Vater ist am 13.4 verstorben und bin auch noch in der Trauerphase

Ganz kurz und nüchtern:

Ich arbeite selbst im medizinischen Bereich und habe privat und berufl Menschen in den Tod begleitet.

Komapatienen haben ein verkürzten Leben. Wenn die Niere nicht mehr arbeitet, dann ist es kein gutes Zeichen (die Niere stirbt zuerst). Ich denke, dass die Ärzte mit ihrer Prognose Recht haben. Mitte der 90ziger wurde Luftröhrenschnitt und Magensonde gelegt....Das war kein Leben.

Mein Vater hatte Krebs. Er hatte keine Schmerzen, dafür einen drastischen Gewichtsverlust. Mit Atemnot habe ich in mit Rettungsdienst in KH gebracht. Auch bei hm waren die Nierenwerte schlecht und an der Stimme die Schwäche heraus gehört. Er ist dann auch im KH nach den üblichen Ups und Downs verstorben.

Ich habe geweint andererseits möchte ich meinen Vater nicht leiden sehen durch künstliche Maßnahmen wie ich es in den 90ziger erleben musste

Zum wirtschaftlichen Aspekt (und ch muss sagen dass es mich wütend macht.
Ich arbeite seit Jahrzehnten mit Ärzten (Onkologen) zusammen und ich kann Dir bestätigen, dass den Ärzten die DRG genauso auf den Sack geht wie Patienten und Angehörige. Ich finde es eine böswillige Unterstellung jedem Arzt zu unterstellen dass der Patient zugunsten der Wirtschaftssituation sterben sollen. Im onkologischen Bereich kann ich sagen, dass sich die Ärzten viele Gedanken machen und ja, auch traurig sind, wenn ein langjähriger Patient verstirbt oder auch sehr junge Menschen.

Wir haben durchaus kritische Ärzte, die sich auf politischer Ebene im Rahmen der Möglichkeiten gegen die Geldmafia auflehnen

Dein Schmerz über den Verlust deines Vaters ist verständlich. Die Ursache ist biologischer Natur und hat mit der Profitgier politisch gelenkt, nicht zu tun. (wie gesagt, dass jemand zu unterstellen, finde ich grenzwertig)

Alles Liebe

Kolya
Danke, dir auch mein Beileid.
Bei meinem Vater war es nicht absehbar - er sollte "nur" zur Rückenoperation.
Weisst du, ich dachte so ein Nierenversagen kann man in den Griff bekommen. Er hatte 3 mal 72 Stunden Dialyse im Krankenhaus. Als es zum Gespräch kam sagte der Arzt: Die Dialyse sei kein Dauerzustand.
Meine Vermutung dass sie ihn "loshaben" wollten ist wohl wirklich ein Hirngespinst. Aber man kann es einfach nicht fassen. und will es nicht wahrhaben.
Dass das Gespräch am Bett war : keiner von uns hat reagiert, ich weiss nicht warum. Wahrscheinlich weil wir alle so geschockt waren.
Das war auch mein erster "Fall" mit Krankenhaus, Todesprognose und Patientenverfügung.
 

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