ich finde es moralisch falsch, zuzusehen, wie ein Teil der Gesellschaft sich beide Beine ausreißt, um schlimmeres zu verhindern und auf dem Boden den einem ANDERE (jawohl andere) durch ihren Verzicht geschaffen haben dann zu sagen. Nö also "me first".
Wenn das nämlich alle so täten gäbe es diesen Ast auf dem wir momentan noch alle relativ sicher sitzen schon lang nicht mehr: Dann hätten wir längst eine komplette Ausganssperre und hohe Strafen.
Das ist im Grunde wie mit Impfungen: Man kann es sich nur leisten Impfungen abzulehnen, wenn man sich mit auf den Ast setzen kann, den einem ANDERE bereitet haben.
Moralsich sollte man sich aber durchaus fragen, was man selber geben und beitragen kann.
NIEMAND müsste leidvoll verzichten, wenn JEDER ein wenig verzichten würde. Wäre jeder in unserem Land solidarisch und würde so viel Verzicht üben, wie es für ihn einigermaßen machbar ist (und ich rede nicht davon, sich komplett zu quälen, sondern eben einfach nur seinen Beitrag so gut es geht zu leisten) dann hätten wir das Virus längst besiegt.
Aber leider tut das halt nicht jeder:
Wir ruhen uns gern auf dem Boden aus, den uns zB Pfleger bereiten: Dass die Sonderschicht schieben müssen und keine Feiertage habe, weil sie arbeiten müssen, dieses Geschenk nehmen wir gerne an und genießen das gute Gefühl, im Fall des Falles versorgt zu sein.
Wir ruhen uns auch gere darauf aus, dass Supermarktler dafür sorgen, dass wir zu jeder Zeit alles kaufen könne: Sie sorgen für unseren Komfort.
Wäre es da nicht schön, anstatt diesen Komfort einfach nur zu genießen, etwas zurückzugeben(und wenn es nur ein kleiner Beitrag zur senkung des Allgemeinen Risikos und zur Hebung der öffentlichen Moral ist? Denn eins muss klar sein: Irgendwann hat keiner der Leute, die jetzt ALLES einschränken mehr Bock dies weiterhin zu tun, während er beobachten muss, dass andere leben als wäre nichts- und dann ist es ganz schnell Essig mit dem gemütlichen Bett in das wir uns legen können und das uns ANDERE bereitet haben)
Es gibt Berufsgruppen, die leben seit Monaten im Komplettlockdown: Jedem, der jetzt querschießt muss klar sein, das er einen Beitrag zur Verlängerung dieser Arbeitslosigkeit leistet.
Es gibt Berufsgruppen, die müssen Sonderschichten übelsten Ausmaßes machen: Auch hier: Will man einen Beitrag dazu leisten, die Last gleichmäßig zu verteilen, oder ist es einem ganz recht, andere die eigene Last mittragen zu lassen?
Sozialstaat bedeutet für mich, die Last gleichmäßig zu verteilen. Dann muss keiner zu viel tragen. Wir lesen hier zB was Findefuchs leistet oder Rose schuftet. Jeder könnte mit seinem Verhalten einen Beitrag leistet, schneller zur Normalität zurückzukommen und diese Menschen damit entlasten.
Meine Schwester wird dieses jahr über Silvester rund um die Uhr arbeiten müssen: Sie ist Staatsanwältin und muss Dienst machen: Für UNSERE Sicherheit.
Die sagt auch nicht: Was juckt mich eure Sicherheit? Ich will aber feiern wie gewohnt.
Ich mache komplettlockdown und bin quasi arbeitslos: Auch für unser aller Sicherheit: ich sage auch nicht: Die Sicherheit der Allgemeinheit geht mit am Po vorbei: Ich will feiern wie sonst auch und dazu gehört für mich ein ordentlicher Schwung Weihnachtskonzerte.
So viele Leute verzichten fürs Allgemeinwohl auf Geld und Freizeit oder sie ziehen mit ihrer Arbeitskraft den Karren aus dem Dreck.
meistern kann man so eine Krise nur gemeinsam: jeder leistet seinen Beitrag. Und ich denke, das sollte sich jeder gründlich überlegen, wie er sich da durch sein Verhalten positionieren kann.