In England z.B. landet dein Lebenslauf immer dann im Müll, wenn du Foto, Geburtsdatum etc drauf hast.
Weil dann der Personaler schon vorher irgendwie beeinflusst wird und im Sinne von anonymous applications ist das eben nicht gewünscht.
Dort findet man es unfassbar, dass hier all diese Informationen verlangt werden. Früher war es ja noch schlimmer, als man Berufe der Eltern und sowas angeben sollte 😱
Für mich z.B. ist es ein Vorteil, denke ich, mich ohne Bild zu bewerben. Nicht weil ich so grässlich aussehe, sondern viel jünger geschätzt werde als ich eigentlich bin. Ich bin 26 und gehe locker als 16 durch, wird mir ganz oft gesagt. Ich möchte nicht, dass das erste was der Personaler sieht mein jugendliches Gesicht ist und er dann denkt "ach Gott, die Kleine", denn dann interessiert er sich ggf nicht mehr (bzw weniger) für meine sehr guten Noten und Publikationen. Werde ich zum Gespräch eingeladen, kann ich dort ja zeigen, dass man mich nicht unterschätzen sollte mit meinem gesamten Auftreten. Ja, mein Gesicht mag trotzdem 16 sein, aber in einer persönlichen Interaktion kann ich doch viel besser zeigen wer ich eigentlich bin. Da nützt übrigens auch nichts wenn ich mein Geburtsdatum angebe, der Eindruck vom Foto (auf das man ja automatisch zuerst guckt) bleibt hängen und beeinflusst alles andere.
Es kommt wahrscheinlich auch auf die Branche an und auf den individuellen Lebenslauf. Wer sieht, dass ich mein ganzes Studium im Ausland verbracht habe, versteht wahrscheinlich warum kein Foto auf dem Lebenslauf ist, da nur Deutsche das verlangen. In super klassischen Branchen wie z.B. bei Anwaltskanzleien wird ein etwas anderer ggf sogar kreativ gestalteter Lebenslauf wahrscheinlich anders wahrgenommen als bei einer PR-Agentur oder einem Start-Up. Man stelle sich vor, ich verlinke auf meinem Lebenslauf mein Linkedin-Profil, damit der Personaler danach nicht erst suchen muss und sofort Extrainformationen kriegt, wenn er sie möchte. Dafür habe ich nur 2 Seiten Lebenslauf, egal wie viele tolle Praktika ich auch gemacht haben mag. Kann er ja auf Linkedin alles nachlesen, ich geb nur das Relevanteste an. Auch das hab ich in England gelernt, halte es aber für universell sinnvoll. Ich hab Lebensläufe gesehen, die waren 6 und mehr Seiten lang. Mir kann keiner erzählen, dass ein Personaler das alles liest!