Und woher weiß man das mit 18? Von dem was die Eltern sagen? Ich schreibe das bewusst provokant, denn mehr als 1/3 aller Studenten bricht das Studium ab und sitzt auf Bafögschulden. Die Wahrheit ist doch die, dass viele junge Menschen mit 18 gar nicht wissen, auf was sie sich einlassen. Sei mal ehrlich: Wusstest du mit 18, dass du bis zur Rente im gleichen Job schuftest? Wenn ja, gratuliere ich dir. Dann gehörst du zu den wenigen Menschen, die Entschlossenheit als große Stärke verzeichnen.
Es muss nicht jeder wissen, was er bis zum Ende seiner beruflichen Laufbahn machen möchte, bzw. das, was mit 18 passt, muss nicht bis 67 gelten. Aber es gibt nicht umsonst Messen für interessierte angehende Studenten und Azubis. Es gibt eine Studienberatung. Das Arbeitsamt. Das Internet. Es gibt Praktika. Also es ist jetzt nicht so, als würde es einen Mangel an Anlaufstellen geben. Und wenn ich etwas machen möchte, was zumindest langfristiger Bestand hat, dann informiere ich mich eigentlich darüber, was für Vor- und Nachteile das bietet und welche Anforderungen an einen gestellt werden. Oder welche Perspektiven man damit hat. Und das kann man auch ganz allgemein zum Thema "Studium". Oder für Bereiche, die einen interessieren. Und wenn man halbwegs engagierte Eltern und Lehrer hat, sprechen die auch mit einem darüber. So habe ich z. B. durchaus mit 18 gewusst, dass ein Studium in bestimmten Bereichen kein Zuckerschlecken wird und dass es mitunter finanziell eine Hürde gibt. Oder dass ein Studium nicht in 3 Jahren fertig ist, so wie viele Ausbildungen.
Bei diesen Berufen handelt es sich doch oft um eine schulische Ausbildung.
Nein, woher hast du die Info? Das sind alles IHK-anerkannte Ausbildungsberufe, bei denen man im Betrieb Vollzeit arbeitet und dann zur Berufsschule geht. Beim Erzieher sieht es teilweise anders aus. Aber auch Heilerziehungspfleger gehen nicht nur zur Schule, sie arbeiten die eine Hälfte der Woche Vollzeit (auch Schicht) und zwei Tage in der Woche gehen sie zur Schule. Ist zumindest bei uns so. Also "oft" ist es keine schulische Ausbildung, bzw. ich denke, dass das dann eher schwarze Schafe sind, oder wo die Anerkennung nicht immer so gegeben ist, wie wenn man eine offizielle betriebliche Ausbildung macht, die IHK-anerkannt ist.
Klar ist das mies, aber wenn du dir vorstellst, dass ein Informatikstudent neben alldem noch arbeiten muss, weil er wirklich gar kein Geld bekommt oder sich das Studium auf 5 Jahre zieht, dann ist das nicht weniger beschissen.
Mein besagter Kumpel war aber neben dem Studium auch noch Werkstudent in einer Firma, bzw. hat da nebenbei gearbeitet und ich habe es auch so bei vielen Studenten im IT-Bereich mitbekommen, dass die nebenbei noch bei Firmen etwas arbeiten und dafür bezahlt werden. Was sie dann teilweise auch als Qualifikation im Lebenslauf eintragen durften. :schulterzucken: Aber ja, wenn es so läuft, wie du es sagst, dann ist das ganz klar beschissen. Es geht mir hier auch nicht darum, wem es schlechter geht und wer mehr Grund zum Klagen hat - sondern es geht mir um eine differenziertere Sichtweise und dass man nicht pauschal sagen kann, Azubis geht es ja größtenteils so viel besser. Und dagegen halten kann man dann bei dieser Argumentation, dass der Informatikstudent auch gut verdienende Eltern haben kann, die ihn zu großen Teilen finanziell unterstützen.
Dennoch würde ich es nicht mit mir vergleichen wollen. Hat sie auch mehrfach gesagt. Ich hab sehr oft Nachtschichten machen müssen oder tagsüber gearbeitet und hatte davor oder danach noch Pflichtveranstaltungen an der Uni, bei denen man sich aktiv beteiligen musste. Nebenbei noch Hausarbeiten und Referate auszuarbeiten auf wissenschaftlichem Niveau. Im Bachelor hatte ich teilweise 48 bis 50 Stundenwochen. Ganz schlimm war die Prüfungszeit. Da hab ich 20 Stunden die Woche gearbeitet und saß täglich über 8 Stunden an Jura, Entwicklungspsychologie, Soziologie oder Konfliktmanagement und was wir nicht alles hatten.
Nochmal: es geht mir hier nicht darum, zu entscheiden, wer der Ärmste ist und am meisten leiden muss während des Studiums oder der Ausbildung. Beide Seiten - Azubis und Studierende - können es unglaublich hart haben. Oder eben auch nicht. Auf mich wirkt es, als ob du unbedingt hören möchtest und bestätigt werden willst, dass es nur die Studenten am allerhärtesten haben, während Auszubildende alle einen regelrechten Spaziergang während ihrer Ausbildungszeit haben. Ganz egal oder mit wenig Gewichtung betrachtet, um welchen Studiengang, welche Ausbildung oder welchen Einzelfall es geht. Und Zenny schreibt ja z. B. auch, dass sie wiederum mehr leisten und machen muss, als jemand, der was soziales studiert.
Man kann hier sicher nicht alle Einzelschicksale über einen Kamm scheren, aber Fakt ist, dass jede Verkäuferin, Sozialassistentin, Tierpflegerin oder jede Friseurin weitaus weniger für die Ausbildung zu tun hat, als ein Student, der nebenher noch schauen muss, seinen Lebensunterhalt zu erkämpfen.
Das ja. Aber ein Studierender, der was soziales macht und nichts mit Biologie, Chemie oder Jura, hat es oft auch wieder in manchen Dingen einfacher. Deswegen sage ich ja, es ist vom Einzelfall abhängig und sollte differenzierter betrachtet werden. Und auch die Friseur-Azubine kann schon von zuhause ausgezogen sein, weil sie es muss. Dafür gibt es zig Gründe. Und auch sie muss dann die Miete und Lebenshaltungskosten aufbringen. Und dann informiere dich mal, was ein Auszubildender als Friseur verdient. Die dürfen ja häufig nicht mal das Trinkgeld behalten und müssen es an ihren Chef abgeben. Und auch ein Sozialassistent, der während der Ausbildung auch nicht überhäuft wird mit Gehalt, muss bei so einer Situation schauen, wie er am Ende noch seinen Kühlschrank füllen kann, wenn er nicht von den Eltern unterstützt wird. Und bei diesen Berufen stelle ich mir das alleine schon hart vor, weil du körperlich mehr arbeiten musst und viel Aufmerksamkeit brauchst. Da dann noch nach einer 40 Stunden-Woche zusätzlich zu arbeiten, um Geld reinzubringen, ist auch nicht so einfach. Es geht nicht nur immer um die theoretische Leistung an sich, was Ausbildungs- und Studieninhalte angeht, sondern auch um die ganz eigenen, individuellen persönlichen Lebensumstände, die man hat. Und ja. Da hat es für mich dann ein Student, der von den Eltern gesponsert wird, nicht nebenbei arbeiten muss und einen Studiengang besucht, wo man auch wirklich viel frei hat, in diesen Punkten einen Vorteil und es einfacher als der Azubi, der neben einer 40 Stunden-Woche ohne Semesterferien zusätzlich noch ranklotzen muss, um Geld für den Lebensunterhalt reinzubringen. Was dann auch Essig ist, wenn dein Ausbildungsbetrieb dir das verbietet. Was der durchaus kann. Auch wenn der Student dann eine 90 Seiten-Arbeit abliefern muss und die theoretischen Inhalte beim Friseur- oder Tierpfleger-Azubi weniger intensiv und fordernd sind.
aber erschwerend beim Studium kommt eben die finanzielle und persönliche Selbstorganisation hinzu.
Das ja. Aber denkst du, ein Azubi, der bereits ausgezogen ist und vielleicht nebenher zusätzlich noch jobben muss, muss da nix organisieren und planen oder kann da gechillt abwinken?
Ich kenne keinen Friseur und keinen Immobilienkaufmann, der für eine Ausbildung 400 km weit weg zieht. Wenn gibt es auch für diese Azubis, Ausbildungshilfe vom Amt.
Ja gut. Es gibt aber noch zig andere Ausbildungsberufe, die weiter verbreitet sind, außer Kaufleute und Friseure. Findest du nicht? Und ich kenne in meinem Umfeld mehrere Leute, die für eine Ausbildung in eine andere Stadt ziehen mussten. Also es mag nicht so weit verbreitet sein, wie bei vielen Studiengängen. Aber eine absolut zu vernachlässigende Kleinigkeit ist es auch nicht.
Da weißt du, wie beschissen es für Studenten sind, die gar kein Ausbildungsgehalt haben und das was sie rein bekommen bei Bafög noch zurück zahlen müssen.
Ja. Aber es geht eben auch nicht allen Studenten beschissen. Da pauschalisierst du.
Das ist kein ausschließliches Azubiphänomen. Ich kenne viele Studis, die sich das Leben in der Stadt nicht leisten können und stattdessen von A nach B pendeln und im Monat ebenfalls an die 100 Euro hinblättern müssen. Ein Cousin von mir studiert in einer Stadt in Bayern und wohnt in der Grenzregion. Er zahlt horrende Summen fürs Pendeln.
Nochmal: mir ging es bei der Gegenüberstellung nicht darum, zu sagen, den Azubis geht es überwiegend so schlecht oder den meisten Studenten supergut. Sondern ich wollte deine Aussage relativieren, dass du pauschal aussagst, den meisten Azubis geht es so viel besser als Studenten. Und ich wollte dich darauf hinweisen mit meinen Aufzählungen, dass ich mir mehr Differenzierung wünsche bei solchen Argumentationen. Weil es gibt Studenten, die haben es easy. Es gibt Azubis, die müssen sich den Hintern aufreißen. Es gibt aber auch wieder Studenten, die haben es nicht leicht und Azubis, die chillen sich ihr Leben. Deswegen das Differenzieren und die Einzelfälle. Das ist halt immer so eine Sache, wenn man etwas pauschal hinstellt.
Trotzdem von den Anforderungen intellektuell und wissenschaftlich kein Vergleich zum Studium.
Ja und? Und deswegen haben es Studenten immer schwerer als Auszubildende?
Hier kommen mehrere Faktoren zusammen. Du musst, wenn du studierst erst einmal so selbstständig sein, dass du dich in einer völlig neuen Umgebung orientieren musst oder kannst.
Du musst mir keinen Erklärbär machen. Ich weiß das. Ich lebe auch nicht als Eremit in einer Hütte tief in den Wäldern, okay?
Ich vermittle beruflich selbst Ausbildungsplätze/Praktika an Schüler und Schülerinnen und begleite sie beim Einstieg ins Berufsleben.
Na dann ist ja gut.
😉 Dann verwundert mich aber, dass du so sehr pauschalisierst und so wenig differenzierst.
Klar, es muss nicht jeder studieren, aber dennoch halte ich es für weit hergeholt eine Ausbildung von allen Anforderungen mit einem Studium gleich zu setzen, das viel mehr Eigeninitiative und Kompetenzen erfordert.
Das tue ich
NICHT. Und das zeigt mir, dass du meine Beiträge anscheinend nicht richtig liest.