Wieso muss man sich denn was leisten können, um ein schönes Leben haben zu können? Soll dann der Konsum das Lebensgefühl ersetzen? Sich eine neue Spielerei zu leisten, wie z.B. einen neuen Fernseher, erzeugt nur ein kurzzeitiges Hochgefühl und kann mangelnde Lebensfreude nicht lange wirksam kompensieren. (Deswegen muss laufend was neues her.)
Urlaub machen zu müssen, wird uns glaub ich auch nur durch die Reiseindustrie eingeredet und den Nachbarn und den Kollegen, die alle fleißig reisen und erwartungsvoll nachfragen, wo man denn selber gewesen sei. Man macht Partyurlaub, um dem ganzen Zwang und Druck durch die Erwartungshaltung der Verwandten, des Freundeskreises und im Beruf auzukommen und dann das Ventil aufmachen zu können und das Aufgestaute von einem Jahr rauslassen zu können. Oder Wellnessurlaub und relaxen, weil einem der ganze Stress unterm Jahr zu viel ist. Daraus folgt, wenn man sich von den Erwartungshaltungen und dem Stress befreit oder dieses zurückschraubt, braucht es auch keinen kostspieligen Urlaub mehr. Man arbeitet um das verdiente Geld wieder für die Arbeit auszugeben (damit man wieder erholt arbeiten kann). Das ist eigentlich ziemlich unsinnig. Oder man macht eine Kultur- Städte- oder Studienreise. Aber sowas macht man glaub ich auch eher, um seine eigene intellektuelle Anspruchshaltung erfüllen zu können, was auch eher weniger Erholungswert hat und was den "Druck im Kessel" bestenfalls konstant hält (Ventil zu 😉 ).
Wenn man also von vorneherein in Teilzeit arbeitet und man mit seiner Lebenszeit was anstellen kann, worin man mehr Sinn und Freude sehen kann, bräuchte es also gar nicht den ganzen monetären Dingsbums um was auszugleichen. Man könnte sich selber seine kleinen Projekte suchen, sich sozial wo einbringen, im Naturschutz, sich evtl. um seinen Garten kümmern, was handwerkeln, künstlerisch betätigen, Muße machen,... Voraussetzung ist halt, dass man vor lauter Arbeit noch nicht verlernt hat, mit sich selber was anzustellen.
Naja, in Deutschland lässt man niemanden verhungern und auch nicht erfrieren. Ich denke auch nicht in 35 oder 40 Jahren... Von daher liegt da denke ich auch ein Denkfehler vor, dass man Geld haben muss um leben zu können. Leben tut man so oder so 😉 . Man muss halt von dem Gedanken wegkommen, eine Kreuzfahrt oder ähnliches machen zu müssen, weil man sonst keine schönen Erlebnisse haben kann. Das ist meiner Meinung nach Unsinn. Man kann es sich auch (vielleicht auch gerade) mit einfachen Mitteln lebenswert machen. Wichtig ist halt, dass man sozial eingebunden ist. Genau da liegt meiner Meinung nach ein Kernproblem, dass sich die Menschen allgemein mit der Leistungsgesellschaft allzu identifiziert sehen und dann Vorgaben machen, dass man seinen Wert in einer Vollzeitbeschäftigung beweisen muss. Weil dann sonst so Vorwürfe und Verächtlichkeiten kommen wie z.B. "hockt der wohl nur zu Hause rum, ich wüsste nicht, was ich da anstellen sollte" und dann ist es zum sozialen Ausschluss nicht weit.
Das ist ganz natürlich. Selbstverständlich hat, ich denke doch mal, so gut wie jeder junge Mensch den Wunsch nach einer Partnerschaft. Dahinter steht der ganz simple Wunsch der Natur und des Lebens nach Reproduktion. Mit einem Partner, zu dem man sich hingezogen fühlt, wo man füreinander da sein kann und sich um den anderen sorgt, damit kleine Kinder werden können, für die man da sein kann, bis diese flügge sind. Das ist der grundsätzlichste Sinn des Lebens überhaupt. Wenn man das hinter sich hat und ein bestimmtes Alter überschritten hat, tritt dieses Bedürfis selbstversändlich zurück, weil es nach den Wechseljahren halt wirklich nur noch Schmarrn wäre. Aber eben als junger Mensch, ist dieses Bedürfnis völlig gesund und normal und auch legitim und ich wüsste beim besten Willen nicht, was daran problematisch sein sollte.
Nein, es gibt noch andere, die sich fragen, was das ganze eigentlich soll.
Du bist nicht alleine. 😉 🙂