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Gast
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Moin!
Ich bin 26 Jahre alt und schreibe bald meine Bachelor-Arbeit. Studiere Anglistik im Hauptfach. Aufgrund depressiver Episoden, die immer mal wieder aufgetreten sind und es mir schwer machten, alle notwendigen Leistungen rechtzeitig zu erbringen, bin ich weit über der Regelstudienzeit. In Therapie war ich auch schon, und meine Therapeutin hat bei mir einen Verdacht auf Asperger festgestellt.
Leider war meine Therapeutin keine Expertin, wie sie selbst zugab, meine Sitzungen sind ausgelaufen und ich muss nach wie vor mit starken Zukunftsängsten und Minderwertigkeitsgefühlen kämpfen. Manchmal logge ich mich bei Facebook ein, sehe, was meine nicht-autistischen FreundInnen und Bekannten alles so erlebt/geleistet haben - und könnte kotzen! Und das Ärgerliche ist, dass ich auch nicht für immer an der Uni bleiben kann, irgendwann muss ich doch finanziell selbstständig werden und meine Brötchen irgendwo verdienen.
Tja, und in fast allen Artikeln, die was mit Autismus und Jobsuche zu tun haben, ist zu lesen, dass 80% aller AutistInnen arbeitslos sind. Na super. Da freut sich das Ego...
Immerhin ist es nicht so, dass ich nie gearbeitet hätte. Ich hatte bereits mehrere Nebenjobs (habe z.Z. auch einen in einem Lager) und habe gemerkt, dass ich dann gut klarkomme, wenn ich keinen Kundenkontakt habe und es niemanden interessiert, wenn ich mal einen miesen Tag habe. Auch ein Praktikum in einem gemeinnützigen Verein habe ich schaffen können. Wenn ich mich aber mal für "richtige" Jobs, d.h. Vollzeitjobs bewerbe, scheitert es spätestens beim Vorstellungsgespräch. Wie präsentiere ich mich richtig? Wie gaukel ich überzeugend vor, dass ich die Stelle nicht nur wegen des Geldes annehmen will? Und wie schaffe ich es, nicht plötzlich unhöflich zu wirken, ohne es zu merken?
Wenn ich ehrlich bin, interessieren die meisten "normalen" Jobs mich auch nicht. Schon immer hatte ich ein Talent für kreative Dinge - ich liebe es, zu schreiben! In der Schulzeit habe ich auch sehr gern gezeichnet. Ich mache auch sehr gerne Musik, aber Nicht-AutistInnen haben es schon schwer genug in der Musikindustrie. Da könnte ich genauso gut Mount Everest besteigen.
Und ja, ich habe schon von Auticon, Specialisterne und SAP gelesen - an sich find ich Computer gar nicht so uninteressant, aber mir fehlt das mathematische Talent. Sprachen liegen mir viel mehr. Ich weiß auch nicht, ob ich mein Geld damit verdienen will, stundenlang Quellentexte auf Fehler zu überprüfen...
Wie schon erwähnt, habe ich keine offizielle Autismus-Diagnose, obwohl der Verdacht schon in meiner frühen Kindheit geäußert wurde und ich von Therapiegruppe zu Therapiegruppe gewandert bin. Ich könnte mir natürlich eine geben lassen, weiß auch, dass ich das Recht auf einen Schwerbehindertenausweis hätte. Aber will ich das?
Ich will selbstständig leben können! Ich weiß, dass ich nicht zu dumm zum Arbeiten bin - leider sind Vorurteile immer noch weit verbreitet und ich fürchte, dass es mich nicht weiterbringt, wenn ich in meinem Lebenslauf angeben würde, dass ich Asperger habe. Da könnte mich doch genauso gut erhängen! Auf Hartz IV hab ich auch keinen Bock, ebenso wenig auf eine sogenannte "geschützte Tätigkeit". Wozu saß ich jahrelang an der Uni? Ich mag meinen Studiengang nicht mal besonders, sondern habe ihn nur durchgezogen, weil Abbrechen bei einer so hohen Semesterzahl es mir erst recht schwer machen würde - sagte meine Therapeutin. Eigentlich bin ich nur an die Uni gegangen, weil ich weg von meinen Eltern wollte - ursprünglich wollte ich Kommunikationsdesign studieren. Und da hab ich auch schon ehemalige Studis kennengelernt (eher keine AutistInnen), und die eiern schon ziellos durchs Leben...
Um es nochmal zusammenzufassen:
- ich habe sehr wahrscheinlich Asperger (komme jedoch ohne besondere Unterstützung klar - ich wohne allein und habe ein Sozialleben, wenn auch etwas gediegener)
- mein Studium nervt (ist aber immerhin bald zu Ende!)
- ich hab keine Ahnung, was ich mit meiner Zukunft anfangen soll und das deprimiert mich - auch weil schätzungsweise 95% meines Bekanntenkreises ein erfüllteres Leben zu haben scheinen als ich
- ich bin skeptisch, ob mir ein Outing auf den Arbeitsmarkt helfen würde, weil Vorurteile mich behindern könnten
- Kunst interessiert mich mehr als alles andere, aber daraus kann ich keinen fruchtbaren Job machen, weil man das nicht macht, denn man macht es einfach nicht.
Was würdet ihr mir vorschlagen? Soll ich mich doch zu einem Outing im Bewerbungsprozess überwinden? Soll ich was Neues studieren (Stichwort Laberfach) und dann eine Vollzeitstelle suchen? Soll ich die Zähne zusammenbeißen, mich so bewerben wie die meisten anderen auch und mehr Geduld aufbringen? Soll ich mich mit Hartz abfinden? Soll ich eine offizielle Diagnose machen lassen? Gibt's eine Alternative, die mir nicht einfällt, mir aber helfen könnte?
Ist vielleicht irgendwer von euch selbst im Spektrum und hat eine Erfolgsstory für mich, wo ich mir etwas abgucken kann? 😉
Danke im Voraus!
Ich bin 26 Jahre alt und schreibe bald meine Bachelor-Arbeit. Studiere Anglistik im Hauptfach. Aufgrund depressiver Episoden, die immer mal wieder aufgetreten sind und es mir schwer machten, alle notwendigen Leistungen rechtzeitig zu erbringen, bin ich weit über der Regelstudienzeit. In Therapie war ich auch schon, und meine Therapeutin hat bei mir einen Verdacht auf Asperger festgestellt.
Leider war meine Therapeutin keine Expertin, wie sie selbst zugab, meine Sitzungen sind ausgelaufen und ich muss nach wie vor mit starken Zukunftsängsten und Minderwertigkeitsgefühlen kämpfen. Manchmal logge ich mich bei Facebook ein, sehe, was meine nicht-autistischen FreundInnen und Bekannten alles so erlebt/geleistet haben - und könnte kotzen! Und das Ärgerliche ist, dass ich auch nicht für immer an der Uni bleiben kann, irgendwann muss ich doch finanziell selbstständig werden und meine Brötchen irgendwo verdienen.
Tja, und in fast allen Artikeln, die was mit Autismus und Jobsuche zu tun haben, ist zu lesen, dass 80% aller AutistInnen arbeitslos sind. Na super. Da freut sich das Ego...
Immerhin ist es nicht so, dass ich nie gearbeitet hätte. Ich hatte bereits mehrere Nebenjobs (habe z.Z. auch einen in einem Lager) und habe gemerkt, dass ich dann gut klarkomme, wenn ich keinen Kundenkontakt habe und es niemanden interessiert, wenn ich mal einen miesen Tag habe. Auch ein Praktikum in einem gemeinnützigen Verein habe ich schaffen können. Wenn ich mich aber mal für "richtige" Jobs, d.h. Vollzeitjobs bewerbe, scheitert es spätestens beim Vorstellungsgespräch. Wie präsentiere ich mich richtig? Wie gaukel ich überzeugend vor, dass ich die Stelle nicht nur wegen des Geldes annehmen will? Und wie schaffe ich es, nicht plötzlich unhöflich zu wirken, ohne es zu merken?
Wenn ich ehrlich bin, interessieren die meisten "normalen" Jobs mich auch nicht. Schon immer hatte ich ein Talent für kreative Dinge - ich liebe es, zu schreiben! In der Schulzeit habe ich auch sehr gern gezeichnet. Ich mache auch sehr gerne Musik, aber Nicht-AutistInnen haben es schon schwer genug in der Musikindustrie. Da könnte ich genauso gut Mount Everest besteigen.
Und ja, ich habe schon von Auticon, Specialisterne und SAP gelesen - an sich find ich Computer gar nicht so uninteressant, aber mir fehlt das mathematische Talent. Sprachen liegen mir viel mehr. Ich weiß auch nicht, ob ich mein Geld damit verdienen will, stundenlang Quellentexte auf Fehler zu überprüfen...
Wie schon erwähnt, habe ich keine offizielle Autismus-Diagnose, obwohl der Verdacht schon in meiner frühen Kindheit geäußert wurde und ich von Therapiegruppe zu Therapiegruppe gewandert bin. Ich könnte mir natürlich eine geben lassen, weiß auch, dass ich das Recht auf einen Schwerbehindertenausweis hätte. Aber will ich das?
Ich will selbstständig leben können! Ich weiß, dass ich nicht zu dumm zum Arbeiten bin - leider sind Vorurteile immer noch weit verbreitet und ich fürchte, dass es mich nicht weiterbringt, wenn ich in meinem Lebenslauf angeben würde, dass ich Asperger habe. Da könnte mich doch genauso gut erhängen! Auf Hartz IV hab ich auch keinen Bock, ebenso wenig auf eine sogenannte "geschützte Tätigkeit". Wozu saß ich jahrelang an der Uni? Ich mag meinen Studiengang nicht mal besonders, sondern habe ihn nur durchgezogen, weil Abbrechen bei einer so hohen Semesterzahl es mir erst recht schwer machen würde - sagte meine Therapeutin. Eigentlich bin ich nur an die Uni gegangen, weil ich weg von meinen Eltern wollte - ursprünglich wollte ich Kommunikationsdesign studieren. Und da hab ich auch schon ehemalige Studis kennengelernt (eher keine AutistInnen), und die eiern schon ziellos durchs Leben...
Um es nochmal zusammenzufassen:
- ich habe sehr wahrscheinlich Asperger (komme jedoch ohne besondere Unterstützung klar - ich wohne allein und habe ein Sozialleben, wenn auch etwas gediegener)
- mein Studium nervt (ist aber immerhin bald zu Ende!)
- ich hab keine Ahnung, was ich mit meiner Zukunft anfangen soll und das deprimiert mich - auch weil schätzungsweise 95% meines Bekanntenkreises ein erfüllteres Leben zu haben scheinen als ich
- ich bin skeptisch, ob mir ein Outing auf den Arbeitsmarkt helfen würde, weil Vorurteile mich behindern könnten
- Kunst interessiert mich mehr als alles andere, aber daraus kann ich keinen fruchtbaren Job machen, weil man das nicht macht, denn man macht es einfach nicht.
Was würdet ihr mir vorschlagen? Soll ich mich doch zu einem Outing im Bewerbungsprozess überwinden? Soll ich was Neues studieren (Stichwort Laberfach) und dann eine Vollzeitstelle suchen? Soll ich die Zähne zusammenbeißen, mich so bewerben wie die meisten anderen auch und mehr Geduld aufbringen? Soll ich mich mit Hartz abfinden? Soll ich eine offizielle Diagnose machen lassen? Gibt's eine Alternative, die mir nicht einfällt, mir aber helfen könnte?
Ist vielleicht irgendwer von euch selbst im Spektrum und hat eine Erfolgsstory für mich, wo ich mir etwas abgucken kann? 😉
Danke im Voraus!