Wenn Tiere reden könnten, würden es die Blattläuse bestimmt nicht gerecht finden, vom Marienkäfer aufgefressen zu werden, und die Gazelle würde es nicht gerecht finden, daß sie eines Tages wahlweise in einem Löwen- oder Hyänenrachen enden wird. Sofern Krokodil oder Gepard nicht fixer sind. Der Baum findet es auch nicht gerecht, als Schößling von einem Reh zerbissen, von Raupen und Käfern zernagt und vom Blitz oder einem Menschen gefällt zu werden. Alles Leben auf der Welt ist in einem ewigen fressen-und-gefressen-werden-Kreislauf eingebunden mit dem Endergebnis Tod, da gibt es keine Gerechtigkeit. Nur der Mensch glaubt, sich über diesen Kreis erheben zu können, indem er zwar anderes Leben frißt wie jedes andere Tier, aber selbst nicht gefressen wird (oder erst von den Würmern nach dem Tod, der gefälligst durch Altersschwäche einzutreten hat und nicht durch ein Raubtier/Krankheit/Unfall), und indem er, natürlich, auch nach dem körperlichen Tod "irgendwie" weiterexistiert. Und so ist der menschliche Wunsch nach Gerechtigkeit eine Illusion, ein Wunschtraum. Den man einem "allmächtig" sein müssenden Gott umhängt, weil der Mensch selber in fast allen Fällen unfähig ist, Gerechtigkeit herzustellen, sogar im Verhältnis zu anderen Menschen, geschweige denn im Verhältnis zu anderen Lebewesen, die keine Menschen sind. Aber das Leben ist kein Ponyhof und kein Wunschkonzert. Wunschträume und Phantasien sollte man als solche erkennen können und sie nicht zum "göttlichen Naturgesetz" verklären. Du hängst an Deiner Phantasievorstellung eines Gottes, weil all Deine anderen Phantasien, wie eben die nach einer übergeordneten "Gerechtigkeit", wiederum an diesem Gott hängen, weil Menschen diese Leistungen nicht bringen können. Ohne den Gott bricht dieses ganze Wunsch-System zusammen.