Nordrheiner
Sehr aktives Mitglied
Also gut, zurück zum Thema. Nordrheiner ist der Meinung, daß man sich schuldig macht, wenn man den feingeschliffenen "Weisheiten" seiner Religion nicht folgen will, allen voran natürlich der grundsätzliche Glaube, daß ein Gott erstens existiert und ihm zweitens an den Menschen - und jedem Menschen individuell auf seine Weise - was liegt.
Das ist jetzt aber ziemlich unpräzise formuliert. Wir hatten das schon mal viel genauer. Du hättest nur abschreiben müssen.
Ist klar, Glaube braucht Nachwuchs, denn ohne neue Gläubige geht der ganze Glaube bald in die Binsen, wenn das "Urgestein" wegstirbt, und es gibt immer Leute, die sich allen Ernstes durch künstlich eingeimpfte Schuldgefühle ködern lassen.
Sind Dir solche Leute bekannt? Man könnte bei Deinen Worten fast glauben, Du hättest eine genaue Untersuchung vorgenommen, warum sich Erwachsene einem Glauben verpflichten. Hast Du aber nicht, richtig?
Heutzutage kann man sich ja als Glaubensgemeinschaft nicht mal mehr auf die eigenen Kinder verlassen, weil die aus dem Glauben zuweilen auch herauswachsen (das wär in der "guten alten Zeit" zweifellos nicht passiert 🙄). Wer hat dann schuld, Gott, weil er offenbar etwas nicht liefern konnte oder wollte, was die "Kundschaft" erwartet hat? Oder die Kundschaft, weil deren Erwartungen ein paarmal zu oft nicht erfüllt wurden?
Für etwas Nichtexistentes ist es nämlich per Grundsatz schwierig, Erwartungen zu erfüllen. Existiert er aber... dann will er offensichtlich nur nicht. Oder die Kundschaft hat etwas erwartet, was er gar nicht liefern möchte (denn können täte er als angeblich Allmächtiger). So oder so, Angebot und Nachfrage passen offensichtlich nicht zusammen, und deshalb kommt auch kein Geschäft zustande.
Wer als Erwachsener freiwillig was lernen will und nicht mehr als Kind in die Schule gezwungen wird, der sucht sich auch seine Lehrer nach Gusto aus, dann muß der Lehrer flexibel sein und sich an die Schüler anpassen und nicht umgekehrt. Ein Lehrer, der stur einen unerwünschten Lehrplan durchzieht... wird bald keine Schüler mehr haben und sollte sich besser einen anderen Job suchen.
Unterschied zwischen Zwang und Freiwilligkeit.
Deine Vorstellung von Schule für Erwachsene ist völlig unrealistisch. Du darfst Dir z.B. bei der VHS den Kurs auswählen, aber nicht den Lehrplan bestimmen. Mir wäre es auch neu, dass z.B. das Abendgymnasium nach den Wünschen möglicher Schüler fragt.
"Unsere Einblicke in die Charakterstruktur des modernen Menschen und in die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse führen zu der Erkenntnis, dass der allgemeine Mangel an Glauben nicht mehr den fortschrittlichen Aspekt hat wie in den früheren Generationen“ als man sich noch gegen die Autorität der Kirche und ihren Anspruch, das Denken zu beherrschen, wehrte.
„Damals war ein Kampf für die Befreiung aus entwürdigenden geistigen Fesseln. Es war ein Kampf gegen den irrationalen Glauben, ein Ausdruck des Vertrauens in die Vernunft und die Fähigkeit des Menschen, eine von den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bestimmte gesellschaftliche Ordnung zu errichten. Heute dagegen ist das Fehlen von Glauben der Ausdruck tiefer Verwirrung und Verzweiflung.
Für die Entwicklung des Denkens waren Skeptizismus und Rationalismus einst fortschrittliche Kräfte, heute sind es Rationalisierungen für Relativismus und Ungewißheit. Die Annahme, das Sammeln immer neuer Tatsachen müsse zur Erkenntnis der Wahrheit führen, ist zu einem Aberglauben geworden.“
(Zitate aus Psychoanalyse und Ethik von Erich Fromm)
Der Glaube, liebe Daoga, wird in der Psychoanalyse als Charakterzug gesehen, der sämtliche Erfahrungen durchdringt und ihn befähigt, der Wirklichkeit illusionslos zu betrachten - und trotzdem den Menschen befähigt, in seinem Glauben zu leben.
Glaube wird im AT mit "emunah" bezeichnet. Das bedeutet Standhaftigkeit. Dieser Begriff beschreibt also mehr einen bestimmten Charakterzug als einen spezifischen Glaubensinhalt.
Vielleicht merkst Du, Daoga, worauf ich hinaus will?
Sicherlich ist der rationale Zweifel eine der entscheidenden Triebkräfte des modernen Denkens. Nur vermisse ich diesen bei Dir. Das bloße Anzweifeln des Wahrheitsgehaltes der Bibel ist in meinen Augen unausgegoren, wenn nicht auch der Zweifel am Zweifel bei Dir sichtbar wird. Und das habe ich bei Dir noch nicht erlebt.