Hallo zusammen,
ich habe jetzt nur gut ein Drittel dieses langen Threads gelesen. Deshalb bitte ich um Entschuldigung, falls das, was ich jetzt anbringe, nicht mehr passt, oder bereits erschöpft ist. Aber m. E. ist ein wichtiger Aspekt, der bereits recht früh, in der Diskussion auftauchte, zu kurz gekommen.
Tsunami hat es wunderbar ausgedrückt:
Was ich meine bzw. sagen will, so lächerlich das auch klingt, ist, dass nur eine einzige Sache langfristig und nachhaltig positiv wirken wird: Fürsorge.
Es wurde ein paar Mal sinngemäß gefragt, wie man denn mit Liebe und Fürsorge etwas ausrichten will, gegen diejenigen, die diese Werte mit Füßen treten... Auch wenn es für viele lächerlich klingt, ich bin fest davon überzeugt, dass Tsunami Recht hat: Liebe und Fürsorge, ist das einzige, was
langfristig und nachhaltig positiv wirkt.
Das heißt, auch wenn es wohl leider Menschen gibt, bei denen - wie man so schön sagt - Hopfen und Malz verloren ist, die so kaputt und so voller Hass sind, dass man bei denen konkret natürlich nichts mehr mit Liebe und Fürsorge bewirken kann, ist es trotzdem der einzige Weg zu weniger Gewalt und weniger Hass. Diese Abschottung gegen alles Fremde, diese dicken Mauern, mit ganz wenigen und engen Zugängen, diese strengen Forderungen, was Ausländer alles erfüllen müssen, damit sie rein dürfen, bzw. hier bleiben dürfen, dass alles schürt nur weiter den Hass und wird uns nie hinausführen aus dieser gefährlichen Spirale.
Natürlich ist es falsch, die Augen zu verschließen, vor den Problemen, die wir (vor allem in vielen Städten) mit Migranten haben. Es ist leicht, zu sagen: "Ohne diese Leute hätten wir diese Probleme nicht. Also müssen sie weg!" Ich finde, wir sollten uns viel mehr fragen, was wir tun können, damit diese Menschen, die hier her kommen, eine Bereicherung sind. Und soweit ich das mitkriege, ist die Politik und die Gesellschaft da auch auf einem guten Weg. Die Fehler, die in der Vergangenheit passiert sind, kann man nicht so einfach rückgängig machen, aber man kann in Zukunft versuchen es besser zu machen und den Zuwanderern die Integration erleichtern.
Integration erleichtern... Ich habe den Eindruck, viele verstehen darunter, dass man den Menschen alle möglichen Kurse und Tests vorschreibt, um sicherzustellen, dass sie möglichst viel von ihrer eigenen Kultur abgelegt und von unserer Kultur angenommen haben. Mir scheint, viele glauben, man dürfe nur ja nicht zu viel Respekt vor deren Kultur haben, damit sie gezwungen sind, unsere zu übernehmen. Ich halte das für den völlig falschen Weg. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen, die spüren, dass sie mit ihrer kulturellen Identität, respektiert und angenommen werden, sich viel besser integrieren, also solche, die eher Ablehnung erfahren und dazu gedrängt werden, möglichst viel von ihrer Kultur aufzugeben. Letztere bekommen nämlich logischerweise das Bedürfnis, ihre Kultur und ihre Werte zu verteidigen und werden somit erst zu "Gegnern" unserer Kultur gemacht.
Ich kümmere mit seit einiger Zeit um eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien. Bei unserem allerersten Treffen, haben mir alle Familienmitglieder die Hand gereicht. Ich war positiv überrascht, weil mir im Vorfeld erzählt wurde, dass die Männer das häufig verweigern. Beim zweiten Treffen, versuchten sie mir mit Händen und Füßen (sie sprachen weder Englisch noch Deutsch), zu erklären, dass es in Syrien nur zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen üblich ist, sich die Hand zu geben. Männer geben sich untereinander die Hand und Frauen geben sich untereinander die Hand, aber zwischen Mann und Frau, gibt es eine Art kleine Verbeugung. Ich spürte, wie wichtig es ihnen war, dass ich das respektiere. Und das tat ich. Sie hatten mir ihren Respekt gezeigt, indem sie mir beim ersten Mal die Hand schüttelten, obwohl das in ihrer Kultur ein "No-Go" ist. Mir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn ich nun meinerseits kein Problem damit habe, auf das bei uns übliche Händeschütteln zu verzichten und es keineswegs als Respektlosigkeit anzusehen. Ich spüre ja auch jedesmal, wenn ich dort bin, wie viel Respekt und Dankbarkeit sie mir entgegenbringen.
Das ist natürlich nur ein Beispiel im Kleinen, aber ich bin davon überzeugt, dass jedes: "Wir machen das aber nun mal so und das hast du ab sofort auch zu tun." kontraproduktiv ist und die vielen Probleme, die wir mit Zuwanderern haben, erst (mit-)verursacht.
Gruß
M.