Hallo Sheerie
Ja, das ist schwer, du kriegst hier Diagnosen und "gute" Ratschläge.
Zur Seite stehen ist okay, aber dabei ist zu bedenken ob es sich um ein vorübergehendes Problem handelt, dass mit zur Seite stehen wieder wird oder auch ein schwerwiegenderes Problem, das mit zur Seite stehen wieder wird. Das zur Seite stehen machst du doch auch ganz gut, du sagst was du denkst und fühlst, verurteilst nicht, verstehst und machst positive Vorschläge und aufmunternde Aktivitäten.
Dann gibt es aber doch Situationen wo zur Seite stehen nicht weiter hilft. So scheint es ja auch zu sein. Ich finde es am wichtigsten, dass er es lernt offen und ehrlich seine Gedanken und Gefühle zu sagen. Nur dann ist eine Weiterentwicklung möglich. Nur dann kann man auch etwas gegen die Ursachen tun. Das bedeutet, das Problem muss offen gelegt werden um es zu lösen.
"Er habe ständig damit zu kämpfen in seinem Leben Zufriedenheit zu finden. Nichts füllt ihn wirklich aus. Und ihm fällt auch nichts ein, was ihn ausfüllen könnte. Es gäbe keinen Ort, wo er sich vollkommen zufrieden oder zu Hause fühle." Hier müsste man nachforschen wie das genau ist und woher es kommen kann. Ist er denn mit sich selber zufrieden, hat er das jemals erlebt?
"Er sagt, dass er seine Gedanken mit mir teilen will, mir erzählen möchte, was ihn beschäftigt aber er Angst hat, mich mit manchen Äußerungen traurig zu machen." Hier müsste er lernen wirklich offen zu sein, wie gesagt, sonst gibt es auch keine Lösung oder Hilfe ist nicht möglich.
"Aber er meinte, dass hatte er bereits so um die drei Mal im Leben probiert (unter anderem mal wegen einer Essstörung und nach dem Ende einer Beziehung), aber ihm das letztendlich nur geholfen hat, weil er selbst die Ursache des Problems auch kannte." Was war denn seiner Meinung nach die Ursache?
"Auch hatte er zeitweise mit der Lust an seiner Arbeit zu kämpfen. Dort habe ich tatsächlich das Gefühl, dass es immer wiederkehrende Phasen sind. Je nachdem wie gut oder schlecht er sich momentan mit seinen Kollegen versteht und wie das Geschäft läuft, variiert seine Laune." Kann er Fehler nicht einsehen, Frust nicht verkraften, fühlt er sich schlecht behandelt, was ist genau das Problem?
Damit er weiterkommt und du dir ein Bild machen kannst, sollten diese Fragen klar gelegt und beantwortet werden. Dann findet man vielleciht auch die Wurzel der Unzufriedenheit und kann was dagegen machen, dann bist du nicht mehr hilflos.
Vielen, lieben Dank für diese Antwort!
Das klingt zumindest schon mal ziemlich hilfreich.
Ich bin auch seit einiger Zeit damit beschäftigt nach der und den möglichen Ursachen zu suchen. Aber so leicht ist das Ganze leider nicht... Wenn wir uns wirklich hinsetzen und reden, wirkt er teilweise irgendwie irritiert. Als suche er schon selbst nach einem Ausweg, findet aber keinen und sagt sich irgendwann letztendlich nur selbst, dass er allein seine Gedanken wieder in positivere Bahnen lenken sollte und eine positivere Haltung einnehmen müsse. Er ist dann der Meinung, dass er es wohl irgendwo selbst in der Hand hat. Aber die eigentliche Ursache bleibt irgendwie unklar und obgleich diese Haltung von ihm zeigt, dass er gern etwas verändern würde, denke ich jetzt, wo ich so drüber nachdenke, dass die Ursache dadurch nicht erkannt und dann behoben werden kann.
Äußerlich ist er mit sich selbst insgesamt ziemlich zufrieden. Er geht sehr oft zum Sport, hält sich fit und arbeitet stetig an seinem Körper. Klar sagt er manchmal, dass die sichtbare Veränderung etwas lange auf sich warten lässt, aber freut sich über Erfolge, wenn er "damals" mit "heute" vergleicht.
Obendrein kommt noch, dass er auf mich ziemlich stolz wirkt, da er eben wirklich jung geblieben ist. Sowohl körperlich als auch geistig. Er passt absolut nicht in das Bild eines typischen 36-Jährigen.
Er mag seinen Job als Tätowierer ziemlich gern, hat aber auch den "kleinen" Traum irgendwann vielleicht ein Mal ein Restaurant zu besitzen. Aber das hat keine Eile.
Innerlich ist es wohl nicht von der Hand zu weisen, dass er selbst auch mit seiner Launenhaftigkeit zu kämpfen hat. Er bezeichnet sich selbst auch oft als "komisch" und nicht immer als sehr angenehmen Zeitgenossen. Manchmal auch, dass er Probleme hat immer die passenden Worte und Taten für mich zu finden um mir seine Zuneigung zu zeigen. Das sehe ich persönlich allerdings als gar nicht mal so dramatisch, da ich lieber etwas seltener aber dafür sehr ernst gemeinte liebe Worte höre.
Ich möchte auf jeden Fall auch, dass er mich an seiner Gedankenwelt noch mehr teilhaben lässt. Manchmal scheint es ihm jedoch schwer genau zu formulieren, was in seinem Kopf vorgeht. Gerade, wenn es mal wieder so weit ist, dass er einfach insgesamt unzufrieden scheint, scheint es, als wüsste er selbst gar nicht, was er mir genau dazu erklären soll. Es endet dann meistens damit, dass er wieder von sich sagt, dass er so ein seltsamer Mensch sei...
Die Ursache seiner Essstörung hat er wohl relativ nüchtern gesehen. Er meinte zu mir, dass das Problem eben ganz logisch darin lag, dass er so gut wie gar nichts mehr aß. Er wusste, dass er das Problem selbst beheben konnte, indem er einfach mehr essen würde. Ich weiß, dass das für viele Betroffene wohl schwer ist in die Tat umzusetzen. Ich weiß nicht, wieso er es scheinbar relativ plötzlich konnte. Ob er schon damals (mit etwa 18 Jahren) schon so einen starken Willen hatte, oder ob tatsächlich doch Eltern oder der Therapeut doch einen gewissen Einfluss hatten. Das weiß ich leider nicht.
Die zweite Inanspruchnahme therapeutische Hilfe von der ich weiß, war wie gesagt nach der Trennung von seiner damaligen langjährigen Freundin. Er meinte, dass er dann in einer Art Gruppentherapie war mit Leuten denen Ähnliches passiert ist. Als Ursache für dieses Problem sah er eben die Trennung und er erkannte zugleich, dass er zu viele andere Sachen (insbesondere Freunde) in der Zeit der Beziehung vernachlässigt hat. Auch das hat er dann wohl irgendwie in Angriff genommen und sich aufgerappelt. Wie gesagt glaube ich, dass ihn das wirklich geprägt hat.
Zu dem Punkt mit der Arbeit: Mein Freund ist ein Perfektionist durch und durch. Jede seiner Arbeiten betrachtet er kritisch, während sein Kollege als Tätowierer seine Arbeiten eben als "Kunst - eine Sache, die einfach passiert" ansieht. Es gab kurze Phasen, wo er immer wieder mal ein oder zwei Wochen lang nahezu durchweg unzufrieden mit seinen Arbeiten war und meinte, er müsse mehr an sich arbeiten. Aber wirklich kritisiert wird er nie. Das tut er nur ständig bei sich selbst.
Ansonsten hat er aber wohl wirklich etwas Probleme sich Fehler einzugestehen. Das merke ich oft an Kleinigkeiten. Beispielsweise, wenn er der Meinung ist, etwas haargenau zu wissen und ich ihm widerspreche. Dann beharrt er auf seiner Meinung. Beweise ich ihm dann das Gegenteil, versucht er das Thema schnell abzuschütteln oder ist auch schon mal ein bisschen beleidigt. Auf Arbeit gerät er in solche Situationen allerdings wohl nicht allzu oft, da er schon alleine arbeitet.
Tatsächlich ist es eher so, dass er sich mit seine beiden Chefs (die Besitzer des Tattoo-Studios) mal mehr und mal weniger gut versteht. Dann kann er gewisse Entscheidungen, die dort getroffen werden, überhaupt nicht nachvollziehen. Beispielsweise wenn sie seinem Kollegen mehr Arbeit zuteilen als ihm, sie ihn auffordern sich mehr um die Auszubildenden zu kümmern (obwohl diese meist sehr desinteressiert scheinen) oder er einfach der Meinung ist, dass sie viel irrelevantes Zeug (was nicht unbedingt die Arbeit betrifft) reden und er sich davon irgendwann genervt fühlt...