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Warum wird Schüchternheit als Schwäche angesehen??

Jedoch, da es sich für viele andere tatsächlich so dar stellt, dass sie diese "Art Mensch", sprich jemanden mit diesen Charakterzügen tatsächlich nicht recht "durchschauen" können, werden Menschen häufig halt misstrauisch.

Wobei mir grad auffällt:

Wenn wir nun sagen: Den Introvertierten/schüchternen können wir nicht durchschauen (mal ungeachtet dessen, das man gar niemanden durchschauen muss oder ganz durchschauen kann)

Wie sieht es dann mit dem Extrovertierten aus?

Ich mein, nur weil Extrovertiert vielleicht mehr Preis gibt, oder sich eben so gibt, wie er/sie sich gibt, muss es ja nicht heißen, wir könnten denjenigen nun eher durchschauen...

Hier könnte man ja ebenso misstrauisch sein gegenüber dem was preis gegeben wird.
Und es gibt auch jene, die sich in den Fordergrund spielen, extrovertiert erscheinen, aber in Wahrheit damit auch nur Unsicherheit oder anderes überspielen...

Ich kann den Ansatz nicht so ganz verstehen, wieso kann man schüchterne nicht durchschauen? Viele scheinen das zu denken, aber wieso nur? Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, wenn man genau hinsieht und hört, dann kann man die stillen viel besser verstehen (=durchschauen). Das kostet natürlich eben etwas Mühe. Aber bei allem was viele andere so sagen, wie soll man sie da durchschauen? Wenn jemand immer nur redet, das macht mich viel eher Misstrauisch. Ich bin auch still, aber wer mich kennt, der merkt sofort wies mir geht, das sieht man mir an, oder hört es an der Stimme, dazu muss ich nicht wirklich viel sagen.


Warum soll man als reifer Erwachsener nicht lernen sollen, sich eine eigene Meinung zu gewissen Themen zu bilden?

Schüchtern oder still zu sein heißt ja nicht keine eigene Meinung zu haben.
Heißt womöglich nur, sie nicht jedem (ungefragt) mitzuteilen.

Also klar, wenn ich jemanden zum zehnten mal das gleiche frage ohne eine vernünftige Antwort zu bekommen, das nervt dann schon, aber ist ja nicht jeder so.
Leute die viel reden haben ja nicht wirklich unbedingt was zu sagen. Vielleicht reden sie auch so viel, damit sie nichts (wirklich wichtiges) sagen müssen. Natürlich ist jeder anders, klar. Etwas aus sich heraus zu gehen ist sicher nicht verkehrt. Aber vielleicht sind sie einfach noch nicht so weit, wollen nicht oder können nicht, aus welchen Gründen auch immer.

Damals in der Realschule hab ich nicht mal den erweiterten geschafft, ich war mündlich zu schlecht, ein gefundenes Fressen für manche Lehrer. Ein paar Jahre später hab ich als eine der besten mein Abi gemacht, nun war ich ja früher nicht dümmer, ich hatte bloß zu viele Probleme. Still bin ich immernoch, außer wen ich mich wohl fühle und in guter Gesellschaft. Find ich aber nicht schlimm.

In der Schule bin ich fast gestorben vor jedem Referat, ein Albtraum. Aber später konnte ich Gruppen von über 30 Leuten führen und frei unterhalten, da hatte immer jeder seinen Spaß, war aber eine ganz andere Situation. Die Schule ist noch nicht das Leben, keine Sorge, es kann alles noch anders werden. Für sich und seine Ideale einzustehen ist nie verkehrt (sollt man unbedingt). Aber wer erstmal schweigen möchte zu einem Thema, warum nicht.

Es ist eben jeder anders. Und man kann nicht alle mögen, muss man zum Glück auch nicht. Wenn man sich für etwas wirklich begeistert, dann hat man in der Regel auch was dazu zu sagen, das ist meine Erfahrung.
 
Wieso wird so bewertet,
Warum bekommt derjenige häufig mehr Anerkennung, der nur großkotzig das maul aufreißen kann, statt der der still ist, aber seinen Job viel besser beherrscht...
Warum wird Schüchternheit, Zurückhaltung, Stille als schlecht angesehen?

Weil es nicht ausreicht etwas zu wissen, sondern weil es innerhalb einer sozialen Gemeinschaft mindestens eben so nützlich ist das Wissen zu teilen und gewonnene Erkenntnisse und daraus resultierende Schlussfolgerungen gegenüber anderen Schlussfolgerungen vehement zu vertreten.

Schüchternheit hat nicht zwingend etwas mit einem zurückhaltenden oder stillen Wesen zu tun.
Zwar kann Zurückhaltung eine Folge von Schüchternheit sein, aber eben so kann extrovertiertes Auftreten als Mittel zur Verschleierung von Schüchternheit genutzt werden.

Zurückhaltung bedarf keiner Schüchternheit sondern stellt ein ganz bewusstes Verhalten dar, welches als nützliche Strategie oder zur Wahrung gesellschaftlicher Konventionen eingesetzt wird.

Schüchternheit hingegen ist eine Ausdrucksform der Angst .... und dem Tapferen gehört nun mal die Welt!
 
@einige der letzen Beiträge:

Ich finde schon, dass man als Mensch die Fähigkeit entwickeln sollte, hinreichend aktiv mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich sehe zuviel Schüchernheit, die ich teilweise gut verstehen kann, die aber langfristig überwunden werden sollte.

Wenn ich z.B. an meine alten schüchternen Klassenkameraden oder Mitschüler denke, so würde ich sagen, dass sie sich in einer Art Notlage befunden haben, die ich nicht zu leichtfertig als "normalen" Zustand (der eine ist halt schweigsam und der andere redet viel) bezeichnen würde.

Schüchterne Kinder haben vermutlich schlimme Erfahrungen gemacht, die sie schüchtern gemacht haben. Sowas sollte doch aufgearbeitet werden. Man kann auch zu ruhig sein. Und man kann auch zu viel oder zu schnell reden, was auch negative Gründe haben kann.

Einen Charakter haben bedeutet übrigens für mich, dass man sich zu etwas bewußt entschließt. Eigenschaften für dich man nichts kann wie z. B. die Körpergröße gehören in diesem Sinne nicht zum Charakter eines Menschen. Charakter ist selbstgemacht. Wer ohne Not schweigt, dessen Schweigen kann zum Charakter gerechnet werden. Wer nicht anders kann als zu schweigen (bei vielen Opfern), dessen Schweigen kann nach dieser Definition nicht zum Charakter gerechnet werden. Dieser Punkt ist aber nicht so wichtig (Charakter oder nicht).
 
Über mich stand in unserer Abi-Zeitung der Spruch geschrieben "Stille Wasser sind flach."
Was für mich bedeutet: stille/schüchterne Menschen sind langweilig, uninteressant!
 
Für mich stellt es sich auch so dar, dass stille Menschen oftmals falsch eingeschätzt und (vor)beurteilt werden.
Ich selber bin seit jeher introvertiert und habe bis heute dadurch Probleme. Ich hatte zu Schulzeiten auch etwas schlechtere Noten wegen meiner seltenen mündlichen Beteiligung am Unterricht, was zumindest in der Unterstufe aber glücklicherweise nicht so viel an Gewichtung hatte und meine Zeugnisse somit gut ausfielen. Erst in der Oberstufe machte es sich bemerkbar. Zudem war ich eine Außenseiterin, wurde oft vor der Klasse runtergeputzt (meist von Mitschülern, manchmal auch von einem Lehrer). Freunde hatte ich auch nie allzu viele, ich war halt nicht IN, sondern galt als die "Komische", weil ich eben nie sonderlich viel geredet, sondern meine Umwelt beobachtet habe.
Im Beruf sieht es heutzutage ähnlich aus. Ich bin jetzt seit 12 Jahren im Berufsleben, meine abgelieferten Arbeiten waren immer gut und ich habe in dieser Zeit hart an mir gearbeitet, um mehr aus mir rauszukommen, was nicht einfach war und immer noch nicht ist. Habe in der Firma nun schon den 3. Mobbingvorfall hinter mir, alle begründet auf Fehlinterpretation der Tatsache, dass ich ein stiller Mensch bin (ich sei desinteressiert, feindseelig und käme mit niemandem klar). Nur gegen den 2. Vorfall habe ich mich gewehrt, was nur dazu führte, dass es den 3. Vorfall überhaupt gab (weil ich nicht viel rede, legte man mir meine vorgebrachten Worte so aus, als hätte ich mich mangels Wortschatzes(!) unklar ausgedrückt und obendrein etwas falsch verstanden). Fazit ist, dass ich in einen anderen Job gesteckt wurde, für den ich eigentlich nicht so gut geeignet bin, da man dort viel reden muss.
Auch im Privatleben ist es schwierig, denn man wird tatsächlich oft als arrogant abgestempelt, wenn man nicht ziemlich zügig mit fremden Leuten ins Gespräch kommt.
Ich selber finde nichts schlimmes oder gar anstößiges daran, ruhig zu sein, aber wie man sieht, sehen manche Außenstehende es wohl doch anders und meiner Erfahrung nach wird einem daraus besonders im Beruf ein Strick gedreht.

Andererseits kann ich Außenstehende auch verstehen, denn ich habe selbst stille Kollegen, bei denen ich ab und zu nicht einschätzen kann, warum sie in div. Situationen "so und so" oder eben gar nicht reagieren. Das bringt mich dann auch zum Nachdenken, wie ich meinen Charakter in puncto Reden verbessern kann.

Zu der Thematik geistert mir dennoch schon lange eine Frage durch den Kopf:
Warum spricht man stille Menschen nicht einfach unter vier Augen darauf an, weshalb sie so ruhig sind?
 
ne das hat mit einer oberflächlichen Gesellschaft nix zu tun.
solche Menschen haben halt einfach Pech, wenn sie nicht dazu passen.
So ist die Natur.

Das ist in dieser Pauschalität Blödsinn. Auch Obama oder Merkel gelten ja als eher introvertiert. Introvertierte haben sehr wohl stärken und passen bestens dazu. Dennoch bin ich sicher, dass sie es oft nicht leicht hatten aufgrund ihrer Art. Und das nur weil irgendwelche oberflächlichen Blödköpfe das Talent im inneren nicht erkennen wenn einer nicht laut genug krakelt. Das ist sehr wohl diskriminierend.
 
bei Wikipedia finde ich "Schüchternheit" weitestgehend so beschrieben, wie ich sie auch empfinde.
vor allem dieser satz gefällt mir: "Jenseits aller Psychopathologie können auch Empathie und kulturelle Faktoren wie Taktgefühl und Höflichkeit einen Menschen daran hindern, offensiv Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen."
bin selber schüchtern und habe auch schon des Öfteren zu hören bekommen: "Warum sagst du denn nichts? bist du immer so ruhig?" beim nächtstenmal antworte ich darauf "tja, ein Gespräch mit mir muß man sich erstmal verdienen".
ich empfinde es als Frechheit wenn hier geschrieben wird schüchterne seien meist Mitläufer oder schüchterne sollen sich gefälligst an die anforderungen der Gesellschaft anpassen, die nun mal eben seien man solle seine Meinung äussern bzw. (noch besser) sich gefälligst eine bilden. als würden ruhige, schüchterne menschen das nicht können/tun.
dabei ist es ganz im Gegenteil. viele schüchterne plappern eben nicht einfach vorherrschende/vorgegebene Meinungen einfach nach, sondern nehmen sich lieber die zeit, sich (z.b. durch Beobachtung und intensives nachdenken) eine eigene Meinung zu bilden.
ist es so erstrebenswert, den ganzen tag zeug von sich zu geben, von dem die hälfte sowieso nur Unsinn, und ein viertel schon doppelt und dreifach gesagt wurde? ich finde nicht.
 
"Jenseits aller Psychopathologie können auch Empathie und kulturelle Faktoren wie Taktgefühl und Höflichkeit einen Menschen daran hindern, offensiv Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen."

Völlig zutreffend!

Vor Allem das Wörtchen "können" ist das Ausschlaggebende.

Denn jenseits aller krankheitsbedingter Schüchternheit entscheidet der Mensch in einer aktuellen Lebenssituation darüber, ob er es gerade für erforderlich hält offensiv aufzutreten und in welchem Umfang er dies tut, oder ob er die Dinge widerspruchslos so laufen lässt wie sie lautstark von Anderen gelenkt werden, obwohl er es vielleicht besser wüsste und sich anders wünschen würde.

Und wer im rechten Moment die Klappe nicht auf bekommt, der ist entweder mit dem Geschehen einverstanden, oder es ist ihm gleichgültig was geschieht, oder er kann halt einfach nicht anders - und das ist, insbesondere wenn Jemand darunter leidet "unerhört" zu bleiben, definitiv eine Schwäche.
 
Naja. Nichtschüchternheit und Geradlinigkeit werden auch oft bestraft, während die Schüchternen nicht besonders auffallen bzw. sich hinter dem Rücken der anderer verstecken.

Das kann man so oder so interpretieren.
 

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