Für mich ist bei Weihnachten (und nicht nur da) auch dieses leidige, alles erdückende Problem mit den Schuldgefühlen. Wenn die Leute tolles Essen kochen und Geschenke ranschleppen, dann hat man dankbar zu sein, das ist so festgesetzt. Ob einem an dem Essen was liegt, ob man die Geschenke überhaupt haben möchte oder ob die in Wirklichkeit nur Ballast für einen sind, zählt dabei nicht.
Die Symbolik des Schenkens zu Weihnachten liegt für mich als Christin darin, dass Gott uns mit der Geburt senes Sohnes Jesus Christus ein großes Geschenk gemacht hat. Da wir nicht wissen, an welchem Tag Jesus geboren wurde (vermutlich im Frühjahr oder Sommer, denn welcher halbwegs vernünftige römische Kaiser hätte damals mitten im Winter eine Volkszählung anberaumt?), feiern wir dieses Ereignis dann, wenn kurz nach der längsten Nacht des Jahres die Tage wieder länger werden, sprich: Licht in der dunklen Welt anbricht (ebenfalls eine Symbolik!).
Dass wir Menschen uns zu Weihnachten gegenseitig Geschenke machen, hat sich aus dieser Symbolik heraus entwickelt. Gott hat uns eine große Freude gemacht, nun sollen auch wir einander eine
Freude machen.
Ein Mittel dazu (aber nicht das einzige!)
können (nicht: müssen!) liebevoll ausgewählte Geschenke (oder auch ein festliches "Geburtstags"Essen an einem schön gedeckten Tisch
😉) sein. Wer sich ernsthaft Gedanken darüber macht, wird daher nicht mit irgendwelchen möglichst teuren, aber lieblos ausgewählten Sachen daher kommen. Geschenke müssen nicht teuer und auch nicht gekauft sein. In deinem Fall sollten dir die Verwandten weder etwas Gekauftes noch etwas selbst Gebasteltes schenken, sondern das, was du dir am sehnlichsten wünschst: Aufmerksamkeit, Interesse, Anteilnahme, Zuhören, Zuspruch, Zeit, ein gewisses Maß an Rücksichtnahme, Anerkennung und Wertschätzung. Das wünschen sich viele andere Menschen auch.
Materielles oder Sonstiges schenken, um sich den anderen gefügig zu machen, um Macht über ihn auszuüben, noch dazu an Weihnachten, ist widerlich. Aber eine dankbare Grundhaltung den Menschen gegenüber, die uns aus einer aufrichtigen Gesinnung heraus eine Freude machen wollen (selbst dann, wenn sie dabei vielleicht etwas ungeschickt vorgehen und ein Geschenk machen oder ein Essen kochen, das nicht ganz unseren Geschmack trifft
😉), halte ich auch für wichtig.
Deine Verwandtschaft scheint eher negativ und heuchlerisch motiviert zu sein. Ob das so ist, kann ich als Außenstehende zwar nicht beurteilen. Sollten sie den ganzen Aufwand allerdings wirklich aus purer Heuchelei betreiben, würde ich das nicht länger hinnehmen und still vor mich hin leiden, sondern mit deinem Mann darüber sprechen und gegenüber den Verwandten die Karten offen auf den Tisch legen, sagen, was dich stört. Auch dabei kann man durchaus höflich und wertschätzend bleiben, ohne dass die Deutlichkeit der Botschaft darunter leidet.
Übrigens möchte ich das auch der von Monarose so bezeichneten "armen TE" empfehlen.