Hallo Hannes,
aus eigener Lebenserfahrung würde ich dir folgenden Rat
geben: Wenn du sie wirklich sehr liebst und versuchen willst,
sie aus der Glaubenssache herauszulösen, gibt es nur einen
erfolgversprechenden Ansatz: Lass' dich bewusst auf ihren
Glauben ein und bitte sie, (oder ihren Pfarrer) dir genau die
Textstellen in der Bibel zu zeigen, auf die sie sich bezieht,
wenn sie über die "Hölle" spricht. Besorge dir mehrere unter-
schiedliche Bibelübersetzungen (gibts auch zum Teil im Netz)
der entsprechenden Stellen, idealerweise den griechischen
Urtext samt Übersetzungsvarianten. Wenn man da nämlich
genauer hinschaut, entpuppt sich die ganze "Höllenlehre"
als nicht haltbar (immer vorausgesetzt, man glaubt, dass
die Bibel "die Wahrheit" sagt).
Falls das nicht klappt und sie zum Zweifeln bringt, hinter-
frage, wie sie darauf kommt, die Bibel als quasi "Gott-Ersatz"
zu sehen. Frage sie, wie denn Gott vor der Zeit, als es eine
Bibel gab mit Menschen kommuniziert hat und warum er
das just dann aufgehört hat, als ein paar Bischöfe be-
schlossen haben, dass ab sofort eine Bücher- und Briefe-
sammlung "Gottes Wort" sein sollen (im Grunde ist das ja
eine Gotteslästerung zu glauben, ein so mächtiger Gott
würde sich plötzlich auf einen Text reduzieren, der wie
ein Orakel benutzt wird) - usw. - also innerhalb des Glau-
benssystems nach Ansatzpunkten für Zweifel suchen, nicht
von außen. So lange du "außerhalb" stehst, verstärkst du
ihren "Glaubenswahn" nur.
Das Praktische an solchen Glaubenssystemen ist nämlich,
dass wenn es gelingt an einer Stelle die "Absolutheit" klar
in Zweifel zu ziehen, dass dann das ganze Kartenhaus in
sich zusammen bricht. Ideal scheint mir, die magische
Überhöhung der Bibel in diesen Kreisen als Zielpunkt zu
nehmen - denn alle weiteren Lehren basieren ja darauf,
dass "die Bibel recht hat".
Oder bohre an der Stelle nach: Warum erschafft ein angeblich
"liebender Gott" Milliarden von Menschen, gibt aber nur einer
verschwindend kleinen Minderheit von ihnen überhaupt die
Möglichkeit, nach ihrem Tod "in den Himmel" zu kommen?
Wäre das wahr, hätten wir es mit einem extrem grausamen
und unfairen Wesen zu tun, zudem mit einem kaltherzigen:
erst erschafft es für das "Böse" sehr anfällige Wesen, lässt sie
ein paar Jahre auf einem nicht nur lebensfreundlichen Planeten
leben und diese Jahre sollen gleichzeitig die "Prüfung" dafür
sein, wo diese Wesen (also wir) nach ihrem Tod die "Ewigkeit"
verbringen. Das passt doch nicht zu dem, was z.B. Jesus ge-
lehrt hat oder was den moralischen Kern des Christentums
ausmacht usw.
Ihren Glauben nur "freundlich zu ignorieren" scheint mir in
einer so engen Beziehung weder möglich noch fair. Sie meinst
es wirklich ernst und hat Angst, dich "in der Ewigkeit" nicht
bei sich zu haben und schlimmer noch: in der Hölle schmoren
zu sehen. Wie soll sie sich da in ihrem Himmel erfreuen? Wobei
ich mich an dieser Stelle schon wundere, wie "Gläubige" sich
überhaupt über ihr "Glück" freuen können, wenn sie gleichzeitig
wissen, dass Milliarden von "Ungläubigen" in ewiger Verdammnis
und Höllenfeuer leiden? Dafür muss man schon sehr abgebrüht
egoistisch sein!
Und noch ein Tipp (der auch zum Tragen kommt, falls sie sich
von deinen Zweifeln anstecken lässt): Biete ihr Alternativen an,
wie sie die Welt sehen könnte. Beschäftige dich z.B. mit ver-
schiedenen Philosophen oder anderen, weniger dogmatischen
Religionen. Denn klar ist doch auch: das Bedürfnis, das Leben
inklusive seinem Ursprung, verstehen zu wollen, ist ein zutiefst
menschliches. Diese Art von "Gläubigen" kaufen sich eben ein
"Komplettpaket", weil ihnen jemand vormacht, mit einem Buch
alle Antworten auf die relevanten Fragen zu bekommen, zudem
noch eine moralische Richtschnur fürs ganze Leben, Vergebung
für alle ihre Fehler von höchster Instanz plus ein soziales Netz-
werk von Gleichgesinnten inklusive klare Feindbilder. Das ist
schon ein verlockendes Angebot und wer das als billigen Trick
abtut oder meint, die Leute, die darauf stehen, so zu denken,
wäre geistig minderbemittelt, macht es sich zu leicht. Irgend
eine Anziehungskraft müssen dogmatische Religionen haben,
dass so viele Menschen sich gegen ihren klaren Verstand ent-
scheiden und sich darauf einlassen. Ohne diesen Reiz nachvoll-
ziehen zu können, kann man so etwas nicht adäquat kritisieren,
also in einer Art, die einem "Glaubenssüchtigen" die Augen
öffnet und ihm gleichzeitig einen Ausweg bietet, der ihn nicht
völlig ohne jegliche Orientierung zurücklässt.
Was du tun sollst, wenn sie sich trotz deiner Bemühungen nicht
vom Dogmatischen ihres Glaubenssystems löst, bleibt dir über-
lassen. Wenn du viel Geduld hast, kannst du hoffen, dass es
irgendwann wieder "Klick" macht (kommt öfters vor, als man
denkt), aber es könnte auch sein, dass das nie passiert ...
Alles Gute!
Werner